Zum Hauptinhalt springen

Auf das Team Sauber wartet viel Arbeit

Der Schweizer Rennstall ist die finanziellen Sorgen los. Doch Wunderdinge dürfen in dieser Saison nicht erwartet werden.

Weg vom 10. Platz: Das muss in diesem Jahr das Motto von Marcus Ericsson und Sauber sein.
Weg vom 10. Platz: Das muss in diesem Jahr das Motto von Marcus Ericsson und Sauber sein.
Keystone

Monisha Kaltenborn ist gekommen, die Chefin, Rennsportluft schnuppern, für einen Tag. Weiss gekleidet ist sie und gut gelaunt. «Durchaus», ruft sie beim Vorbeigehen. Durchaus gefalle ihr, was sie hier sehe.

Die zweite Testwoche ist angebrochen in Montmeló, auf dem Circuit de Catalunya dreht auch der Sauber C36 seine Runden, das neue Arbeitsgerät von Marcus Ericsson und Pascal Wehrlein. Der 22-jährige Deutsche ist für Felipe Nasr gekommen, dessen Sponsor Banco do Brasil sich zurückgezogen hat. Das Auto ist nicht mehr in den Farben der Grossbank lackiert, sondern in Weiss, Blau und Gold. Es ist ansehnlich – und zuverlässig. 788 Mal überquert es in diesen acht Tagen die Ziellinie, ein Turboschaden ist der grösste Aufreger.

Die Formel-1-Teams und ihre Chancen 2017

Mercedes: Valtteri Bottas ersetzt beim Dominator der letzten drei Jahre Weltmeister Nico Rosberg an der Seite von Glamour-Pilot Lewis Hamilton. An der Rolle des Überteams hat sich nichts geändert: Es ist Favorit.
Mercedes: Valtteri Bottas ersetzt beim Dominator der letzten drei Jahre Weltmeister Nico Rosberg an der Seite von Glamour-Pilot Lewis Hamilton. An der Rolle des Überteams hat sich nichts geändert: Es ist Favorit.
Keystone
Red Bull: Wird der österreichisch-britische Rennstall beim Start ein anderes Auto präsentieren als bei den Tests? Möglich. Max Verstappen, der Wilde, und Daniel Ricciardo, der Zuverlässige, dürften dennoch nur um einzelne Siege und nicht den Titel kämpfen.
Red Bull: Wird der österreichisch-britische Rennstall beim Start ein anderes Auto präsentieren als bei den Tests? Möglich. Max Verstappen, der Wilde, und Daniel Ricciardo, der Zuverlässige, dürften dennoch nur um einzelne Siege und nicht den Titel kämpfen.
Keystone
Sauber: Mit dem neuen Besitzer Longbow Finance sind die Geldsorgen verschwunden. Sportlich dürfte es für Marcus Ericsson und Pascal Wehrlein aber schwierig werden, um die angestrebten Mittelfeldplätze zu kämpfen.
Sauber: Mit dem neuen Besitzer Longbow Finance sind die Geldsorgen verschwunden. Sportlich dürfte es für Marcus Ericsson und Pascal Wehrlein aber schwierig werden, um die angestrebten Mittelfeldplätze zu kämpfen.
Keystone
1 / 10

Es herrscht Aufbruchstimmung beim Rennstall aus Hinwil. Die Sorgen sind weit weg, die finanziellen, die existenziellen. Die Luft zum Atmen ist zurück. Ende Juli erreichte die erlösende Botschaft das Zürcher Oberland, ein Käufer ist gefunden, die Rettung da, nach so vielen Jahren der Ungewissheit. Longbow Finance heisst er, eine Investmentgesellschaft mit Sitz in Lutry am Genfersee. «Endlich konnten wir die Dinge umsetzen, die wir gerne schon längst umgesetzt hätten», sagt Kaltenborn. Mittlerweile sitzt sie an einem Tisch in der Sauber-Stätte, die ganz am Ende des Fahrerlagers aufgebaut wurde.

Dort stand ihr Team in den letzten Jahren: am Ende. 2014: 0 Punkte, Rang 10. 2015: 36 Punkte, Rang 8. 2016: 2 Punkte, Rang 10. Kaltenborn litt. Wegen der Resultate, klar. Doch was sind schon Resultate, wenn es ums nackte Überleben geht?

Der Mann, bei dem die Fäden zusammenlaufen

Der Rennstall konnte die Löhne nicht mehr bezahlen, die 350 Arbeitsplätze waren in akuter Gefahr. Kaltenborn hätte das nie so formuliert, die Juristin, die es perfekt versteht, auch in den grössten Krisenzeiten unaufgeregt zu reden. Wenn sie jetzt sagt, «ich möchte gar nicht mutmassen, was passiert wäre, wenn die Rettung nicht gekommen wäre», dann lässt sich deshalb erahnen, wie nah das Aus war im letzten Sommer.

«Und dann haben wir diese tolle Chance erhalten. Viele Teams wünschten sich eine solche.» Es soll wieder aufwärtsgehen mit Sauber.

Es wurden neue Leute eingestellt, wichtige Posten besetzt. Xevi Pujolar kam von Toro Rosso als Chefingenieur, Hennel de Beaupreau, einst bei Benetton, Ferrari, Renault, McLaren, Toyota und Lotus, ist der Aerodynamik-Chef. Das Team hat auch wieder einen Technischen Direktor. Jörg Zander ist zurück, der Deutsche, der 2006 und 2007 Chef-Designer bei BMW-Sauber war, ein Mann mit einem Vierteljahrhundert Motorsport-Erfahrung.

Beim 53-Jährigen laufen die Fäden zusammen, er muss dafür sorgen, dass die Abteilungen Fahrdynamik, Design und Aerodynamik in die gleiche Richtung arbeiten. «Es waren Leute da, die Verantwortung hatten, dann waren diese wieder weg. Darauf erarbeitete eine Gruppe Konzepte, für die keiner die Verantwortung übernehmen musste. Ich muss nun schauen, dass alle so miteinander arbeiten, damit das bestmögliche Produkt herauskommt», sagt Zander. Noch ist er dabei, diese Strukturen aufzubauen, erst im Januar stiess er zu Sauber. «Das ist eine Menge Holz», sagt er. Und deshalb: «Bitte Geduld!»

Die Chefin sagt: «Das Mittelfeld ist gross»

Wunderdinge braucht in diesem Jahr niemand zu erwarten von Sauber. Bereits die Vorgabe von Chefin Kaltenborn, wieder den Anschluss ans Mittelfeld zu finden, ist optimistisch. Wobei sie gleich selber einschränkt: «Das Mittelfeld ist ja gross.» Realistischerweise hat Sauber in den ersten Rennen die besten Chancen auf Punkte. Im C36 brummt ein Vorjahresmotor von Ferrari – daran wird sich bis Ende Saison nichts ändern. Das ist ein Handicap, da die Hersteller die Antriebe neu während der ganzen Saison weiterentwickeln dürfen. Die Schweizer entschieden sich zu diesem Schritt, um sich ganz dem Bau des Autos widmen zu können, ohne auf allfällige Änderungen beim Motor reagieren zu müssen.

Sie konnten sich erst nach der Rettung im Sommer und damit deutlich später als die Konkurrenz mit dem komplett neuen Rennwagen befassen. Dafür haben sie jetzt bereits den Blick auf das kommende Jahr gerichtet, wie Zander sagt. Es braucht Zeit, bis all die neuen Rädchen bei Sauber ineinandergreifen, das weiss der Deutsche. «Doch dann läuft das Schweizer Uhrwerk.»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch