Voll auf Kurs

Tom Lüthi gewann zum 4. Mal den GP in Le Mans und bewies: Nach den Startproblemen ist mit ihm zu rechnen.

Einmal mehr die Siegerfahne für Tom Lüthi: Obschon ihm das Motodrom von Le Mans nicht allzu sehr liegt, wird er zum vierten Mal als Sieger abgewinkt. Foto: Reuters

Einmal mehr die Siegerfahne für Tom Lüthi: Obschon ihm das Motodrom von Le Mans nicht allzu sehr liegt, wird er zum vierten Mal als Sieger abgewinkt. Foto: Reuters

David Wiederkehr@DavidWiederkehr

Jeden einzelnen Meter kostete er aus, die Ehrenrunde hätte für ihn nicht so schnell zu enden brauchen. Seine Konkurrenten hatten das Motorrad schon parkiert vor der Ehrentribüne, da kurvte Tom Lüthi noch über das Motodrom von Le Mans. Wieder und wieder stand er auf und feierte freihändig, er winkte ins Publikum und trommelte mit Händen und Fäusten auf seine Maschine ein.

Gross war verständlicherweise seine Freude über den Sieg beim GP von Frankreich, seinen insgesamt vierten auf dieser Strecke, die ihm nicht besonders liegt, aber trotzdem regelmässig Glück brachte. Grösser noch als die Freude war aber Lüthis Erleichterung: Nach einem schwierigen Saisonstart beim neuen Team und mit neuem Material hat der 28-jährige Emmentaler den Sprung zurück an die Spitze schneller geschafft, als er selber gedacht hatte.

Angedeutet hatte sich das vor zwei Wochen in Jerez, als er mit verbesserter Abstimmung Vierter geworden war. Bei den darauffolgenden Tests in Aragonien konnten Lüthi und seine Mechaniker weiter am Setup feilen, ehe jetzt in Le Mans die Bestätigung folgte: Der Weg stimmt. «Ich habe hundert­prozentiges Vertrauen in die Maschine», sagte Lüthi.

Im WM-Klassement liegt er nun ­bereits an zweiter Stelle, von Leader ­Johann Zarco trennen ihn noch 21 Punkte. Der Schweizer sagte: «Jetzt muss ich den WM-Titel im Visier haben.» In Le Mans wirkte Lüthi so stark, so ­unwiderstehlich wie letztmals 2005 in seiner Weltmeistersaison. Er teilt diese Einschätzung sogar selbst.

Das Lob des Rivalen

Nach einem guten Start von Position 6 aus überholte er innerhalb weniger ­Runden alle vor ihm liegenden Fahrer und spulte auch an der Spitze schnelle Runden ab. Auch mit abbauenden Reifen hielt er seine hartnäckigen Verfolger ­Esteve ­Rabat und Zarco ausserhalb des Windschattens auf Distanz und blieb bis auf ein paar kleine Wackler aufmerksam. Zum zehnten Mal in seiner Karriere überquerter Lüthi schliesslich den Zielstrich als Erster.

«Ich spürte vom ersten Training an, dass ich um den Sieg mitfahren kann», sagte er anschliessend, an diesem ­Wochenende habe einfach alles zusammengepasst. Auch sein Rivale Zarco lobte: «Nachdem Tom mich überholt hatte, konnte ich ihm nur ganz kurz folgen, er hatte eine unglaubliche Pace.»

Lüthis Teamkollege Dominique ­Aegerter hatte vor dem GP von Frankreich mit einer Zeichnung auf Instagram noch sein Motorrad angefleht: «Sprich mit mir, Honey.» Der Oberaargauer hatte sich auch zuletzt in Jerez sehr schwer mit der neuen Kalex-Maschine getan und zunehmend ratlos und frustriert gewirkt. In Le Mans gelang ihm nun erstmals ein positives Resultat: Er arbeitete sich vom enttäuschenden Startplatz 19 auf den 10. Schlussrang vor und sagte hinterher: «Ich hoffe, wir können weiter in kleinen Schritten Fortschritte erzielen.»

Randy Krummenacher schliesslich erreichte als Zwölfter ebenfalls sein bestes Saisonergebnis. Er fuhr bei seinem neunten GP von Frankreich zum achten Mal in die Punkteränge.

In der MotoGP-Klasse doppelte Jorge Lorenzo nach seinem Sieg in Jerez nach und gewann in Le Mans bereits zum fünften Mal – so oft wie kein anderer Fahrer. Der Spanier profitierte unter ­anderem von einem Fahrfehler von Marc Márquez gleich zu Beginn.

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