Sauber und der skurrile Kampf um Rang 9

Das Formel-1-Team könnte in Abu Dhabi auch ohne Punkt einen Platz gewinnen – aber auch einen verlieren.

Versucht den WM-Leader unter Druck zu setzen: Nico Rosberg, Mercedes Formel 1 Fahrer. Foto: Hamad I Mohammed / Reuters

Versucht den WM-Leader unter Druck zu setzen: Nico Rosberg, Mercedes Formel 1 Fahrer. Foto: Hamad I Mohammed / Reuters

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Die ersten Punkte. Sie dürften für Sauber auch am Sonntag beim Grand Prix von Abu Dhabi unerreichbar bleiben. Beim 19. und letzten Rennen. Die Saison 2014 wird für das Schweizer Team wohl zur ersten seit dem Einstieg in die Formel 1 1993 ohne auch nur ein zählbares Resultat. Jedenfalls gaben die ersten Trainings keinen Anlass zur Hoffnung.

Bester im nicht konkurrenzfähigen C33 war Esteban Gutiérrez, der im zweiten Teil mit 1:44,316 Minuten 15. wurde und über zwei Sekunden langsamer war als Lewis Hamilton, der Schnellste. Adrian Sutil, der wie der Mexikaner vor seinem letzten Auftritt bei Sauber steht, wurde 16. Adderly Fong, der 24-jährige Hongkong-Chinese, der gegen Bezahlung erstmals im Rahmen eines Grand Prix zum Einsatz kam, verlor im ersten Teil fast fünf Sekunden auf die Bestzeit, ebenfalls aufgestellt vom WM-Leader.

Ganz ausgeschlossen ist es dennoch nicht, dass sich Sauber noch vom 10. Konstrukteursrang verbessert – auch ohne Punkte. Grund dafür ist Marussia.

Marussia plötzlich wieder da

Dieses sorgte für skurrile Szenen im Fahrerlager von Abu Dhabi. Plötzlich war es wieder präsent: Dieses Team, das vor zwei Wochen die Geschäftstätigkeit einstellte, das seine Mitarbeiter entliess, das verkündete, auch in den Vereinigten Arabischen Emiraten nicht dabei zu sein.

Und dann, vier Tage vor dem Finale, spazieren Mechaniker durchs Paddock, gekleidet in grüne Anzüge des russisch-britischen Teams. Ferrari-Mitarbeiter sollen es gewesen sein. Diese sind für die Antriebseinheiten des Rennstalls zuständig. Kommt es zur wundersamen Auferstehung, nachdem die Equipe in Austin und São Paulo gefehlt hatte?

Williams und Caterham jedenfalls mussten die Box räumen, die ursprünglich für das insolvente Team vorgesehen war und in der sie ihr Material lagerten. Der Plan Marussias: die Autos wenigstens durch die technische Abnahme vom Donnerstag bringen. Das würde bereits reichen, um formal am letzten Grand Prix teilgenommen zu haben, auch wenn nie ein Fahrzeug auf der Strecke fahren würde. Der Gedanke dahinter: Zwar ist es erlaubt, drei Rennen pro Jahr auszulassen – auch die letzten drei. Gemäss Motorsport-Total.com hätte ein nicht mehr existierendes Team dann aber keinen ­Anspruch auf seinen Anteil der TV-Gelder. Indem Marussia die Saison formal ­regulär beenden würde, stünden ihm die rund 30 Millionen Franken aber zu.

Doch es blieb beim Versuch. Aus ­finanziellen Gründen wurde das Vorhaben letztlich abgebrochen.

Caterham als «Bettler» verlacht

Nutzniesser könnte Sauber sein, das direkt hinter Marussia liegt. Unter Umständen könnte es nachrücken. Ebenso Caterham. Das malaysisch-britische Team auf dem letzten Platz, dem das gelungen ist, was Marussia so verzweifelt versucht hatte: eine wundersame Rückkehr nach zwei ausgelassenen Grands Prix. Mit ­einer unkonventionellen Aktion.

Im Internet suchte das Team nach Fans und Gönnern, die einen Start in Abu Dhabi ermöglichen könnten. 2,35 Millionen Pfund (rund 3,5 Millionen Franken) sollten beim sogenannten Crowdfunding gesammelt werden. Caterham wurde verspottet und belächelt, Vermarktungschef Bernie Ecclestone sprach von «Bettlern» und einer «Klingelbeutel-Aktion» – der Formel 1 unwürdig. Doch sie war erfolgreich. Vor acht Tagen gab der Rennstall bekannt, beim Saisonfinale dabei zu sein – bis Sonntag dürfte der gesamte benötigte Betrag zusammengekommen sein.

Und so lockt für Sauber nicht nur Rang 9, sondern droht plötzlich auch wieder Gefahr von hinten. Platz 10 reicht Caterham, um am Schweizer Team vorbeizukommen. Sollte dieses tatsächlich auch beim 19. Versuch nicht punkten.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 22.11.2014, 00:22 Uhr

Das Titelrennen

«Er hat alles zu verlieren»

Verfolger Nico Rosberg ­versucht, WM-Leader Lewis Hamilton unter Druck zu setzen. Diesem aber reicht auf jeden Fall ein zweiter Platz.

Deutlicher könnten die Unterschiede kaum sein. Freitagnachmittag am Yas Marina Circuit in Abu Dhabi. Kurz nacheinander brechen Lewis Hamilton und Nico Rosberg aus der Mercedes-Unterkunft zu ihren Autos in der Box auf. Als Hamilton kommt, brandet Applaus aus dem noblen Paddock Club auf, von wo aus die Gäste ins Fahrerlager sehen können. Hamilton (29) aber schaut kaum hoch. Den Blick unter der übergrossen Mütze und hinter der Sonnenbrille fest auf den Boden geheftet, schreitet er zur Arbeit. Kurz danach kommt Rosberg (29). Auch er wird beklatscht – was ihn sichtlich freut. Er hebt beide Hände, um den Fans mit ­einem Strahlen zu winken.

Lewis Hamilton gegen Nico Rosberg: Auf dieses Duell spitzt sich der Titelkampf beim letzten Rennen der Formel-1-Saison 2014 zu, das morgen um 14 Uhr gestartet wird. Hamilton hat bisher 334 Punkte gesammelt, Rosberg 317. Das klingt nach einem komfortablen Vorsprung. Aber derlei gibt es nicht, wenn in der Formel 1 alles von nur noch einem Auftritt abhängt. In den letzten zehn Jahren fiel die Entscheidung fünfmal im letzten Rennen. Zweimal triumphierte dabei der Aussenseiter: 2007 Kimi Räikkönen (Ferrari) vor dem McLaren-Duo Hamilton/Alonso und 2010 ­Sebastian Vettel (Red Bull) vor Alonso (Ferrari).

«Ich habe alles zu gewinnen»

Der Aussenseiter heisst dieses Mal Rosberg. Der Deutsche muss auf Hilfe hoffen. Wird Hamilton Zweiter, ist dem Briten der Titel sicher. Trotzdem ­geniesst der Sohn von Keke Rosberg, dem Champion des Jahres 1982, den Showdown sichtlich. «Er hat alles zu ­verlieren, ich habe alles zu gewinnen», sagt Nico Rosberg. Der ganze Druck liegt also bei Hamilton.

Auffällig ist aber schon, dass er Rosberg dafür so gut als möglich aus dem Weg geht. Als die beiden am Donnerstag von den Fotografen gebeten wurden, sich für einen Handschlag zusammenzustellen, erwiderte Hamilton Rosbergs Blick in keiner Sekunde. Auch auffällig: Hamilton ist ohne familiäre Unterstützung ­angereist. Für ihn gilt: volle Konzentration aufs Finale. Im Training am Freitag zahlte sich das bereits aus. Im ­ersten war er 0,133 Sekunden schneller als Rosberg, im zweiten 0,083. (René Hofmann)

(Tages-Anzeiger)

Lewis Hamilton

Nico Rosberg

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