Der Verstossene zeigt, was er kann

Jesko Raffin wird vom Weltverband ausgeschlossen, weil er zu erfolglos war. Dann der Exploit aus dem Nichts: Rang 4.

Jesko Raffin feiert in Australien sein bisher bestes Rennergebnis.

Jesko Raffin feiert in Australien sein bisher bestes Rennergebnis. Bild: Vincent Guignet / EQ Images

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Er schien es kaum glauben zu können. Jedenfalls zog Jesko Raffin in der Auslaufrunde hart am Gashebel seines Motorrads. Rang 4 beim GP von Australien, Rang 4 für ihn, der in der Moto2-Klasse bislang bestenfalls Achter ­geworden war. «Das ist ja der helle Wahnsinn», sagte der in der Schweiz gebliebene Manager Marco Rodrigo.

Der Exploit des jungen Zürchers kommt zu einem brisanten Zeitpunkt. In der vergangenen Woche erfuhr er, dass seine Zeit in der Motorrad-WM Ende Saison abläuft. Der Weltverband der vereinigten Teambesitzer (IRTA) informierte Raffins Rennstall Garage Plus Interwetten, dass er den Schweizer künftig nicht mehr akzeptiert. Aus diesem Grund streicht er dem Team den durch Tom Lüthis Aufstieg in die MotoGP-Klasse freigewordenen dritten Platz in der zweithöchsten Kategorie. Garage Plus Interwetten wird also mit dem in 17 Rennen punktelosen Spanier Iker Lecuena und dem britischen Sturzpiloten Sam Lowes in die Saison 2018 gehen.

Das Verdikt ist endgültig

Dass Raffin trotz eines Vertrags bis Ende 2018 aus der WM ausgeschlossen wird, begründet die IRTA mit dem dürftigen Leistungsausweis und den mangelnden Zukunftsaussichten in der WM. Seit seinem Debüt im Herbst 2012 ist Raffin in 54 Grands Prix nun erst zum achten Mal in die Punkte gefahren, erst einmal hatte er davor die Top 10 erreicht. So brutal der Vorgang ist für einen jungen Sportler, er kommt immer wieder vor – weil die Moto2 als Durchlauferhitzer auf dem Weg in die Königsklasse gilt und ständig neue Talente aus der Moto3 nachrücken. Die Schweizer Fahrer haben in der WM aber kaum eine Lobby.

Und selbst wenn Raffin gestern in Australien gewonnen hätte: Das Verdikt der IRTA ist endgültig, die Plätze für 2018 sind verteilt. «Das Ende seiner Karriere ist auf dem Tisch», sagt Rodrigo, der den spanischen Meister von 2014 seit sechs Jahren betreut. Die Ausbildung zum Physiotherapeuten, Fitness- und Ernährungsberater hat Raffin ohnehin bereits begonnen.

Zu jung, zu alt, zu unstet

Alternativen zur Weltmeisterschaft gibt es für einen 21-Jährigen nicht viele. Die Supersport- und Superbike-Serie, in der sich in den vergangenen beiden Jahren Randy Krummenacher mehr oder weniger erfolgreich versucht hat, sei wegen des jungen Alters wohl eher nicht zu empfehlen, glaubt sein Manager. Aber sonst? Für Landesmeisterschaften wiederum ist er zu alt. Nach dem Rückkehr von den Grands Prix in Übersee nach dem kommenden Wochenende und vor dem Saisonfinal am 12. November in Valencia wird sich Rodrigo ausführlich mit Raffin unterhalten.

Mit der Ausbootung durch den mächtigen Verband setzt sich für den grossgewachsenen Raffin ein schwieriges Jahr fort. Nach einem vielversprechenden Saisonstart fiel er wieder regelmässig in die Ranglistenregionen jenseits des 20. Platzes zurück. Mitte September machte das Magazin «Speedweek» ohne Angabe von Gründen publik, dass sein Vater in Unter­suchungshaft genommen worden war. Auch wenn die Anschuldigungen gegen ihn bald wieder fallengelassen wurden, belastete die Affäre den jungen Mann.

Es folgte Mitte September beim GP von San Marino aber ein Ausrufe­zeichen: Rang 9, erst der zweite Top-10-Platz seiner Karriere. Trotzdem blieb Teammanager Fred Corminboeuf zurückhaltend, die Vergangenheit hat ihn dies gelehrt. Er erwarte jetzt eine Bestätigung, sagte der Romand – worauf Raffin 23. und 25. wurde. Die wahre Berg- und Talfahrt in Australien stand ihm da aber erst bevor. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 22.10.2017, 19:07 Uhr

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