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Tod durch Staatsdoping

Die Funktionäre der DDR sahen in Gerd Jacobs nur eine Sportmaschine. Jetzt ist der Kugelstösser trotz Spenderherz gestorben.

Oral-Turinabol, ein mit anabolen Steroiden gespicktes Medikament, gehörte zu den häufigsten Dopingmitteln in der DDR. Foto: ZVG.
Oral-Turinabol, ein mit anabolen Steroiden gespicktes Medikament, gehörte zu den häufigsten Dopingmitteln in der DDR. Foto: ZVG.

Am 4. Dezember endete das Leben des staatlich anerkannten Dopingopfers Gerd Jacobs. Der Berliner wurde nur 55 Jahre alt. Jacobs, in den Achtzigern ein vielversprechender Kugelstösser und Trainingspartner von Olympiasieger Ulf Timmermann, starb an den Folgen eines hohen Medikamentenkonsums, den eine Herztransplantation vor elf Jahren nötig gemacht hatte. Jacobs' eigenes, von Geburt geschwächtes Herz war durch grosse Mengen anaboler Steroide ruiniert worden.

Der Doping-Opfer-Hilfe-Verein macht die früheren DDR-Staatstrainer Werner Goldmann, Peter Paul Börner und Helga Börner für Jacobs' tragisches Schicksal verantwortlich. Die drei sollen dem nun Verstorbenen während seiner Karriere die schädlichen Mittel verabreicht haben. Aus diesem Grund waren sie bereits in den Jahren 1999 und 2000 verurteilt worden. Zusammen mit dem Molekularbiologen Werner Franke, einem der profiliertesten Dopingjäger Deutschlands, stellte der DOH gegen Goldmann und die Börners Strafanzeige wegen vorsätzlicher Körperverletzung.

«Die Todesliste wächst rasant. Das ist ungemein bitter. Was muss eigentlich noch passieren, wie oft muss noch gestorben werden, bis der organisierte Sport seinen Opfern endlich die Hand reicht und ihnen konkrete Hilfe anbietet?», fragt die DOH-Vorsitzende Ines Geipel in einem heute veröffentlichten Communiqué.

Während die Bundesregierung den Opfern von Staatsdoping einen Fonds von je 5 Millionen Euro für die nächsten beiden Jahre zugesichert hat, sträubt sich der Deutsche Olympische Sport-Bund (DOSB) Geld zur Verfügung zustellen. Die Null-Verantwortungs-Politik des DOSB könne man nur noch als Zynismus bezeichnen, findet die DOH-Chefin Geipel. Die 55-jährige Schriftstellerin und Professorin war zu DDR-Zeiten eine erfolgreiche Sprinterin, musste ihre Karriere aber 1985 wegen Kontakten zu oppositionellen Kreisen beenden.

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