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Radikaler Vorschlag empört Leichtathleten

Werden Welt- und Europa­rekorde aus der Zeit vor 2005 gestrichen? Darüber soll der Weltverband befinden.

Ihre Weltrekorde über 100 und 200 Meter sind nach wie vor unerreicht: Florence Griffith-Joyner, hier beim Finallauf über 100 Meter an den Olympischen Spielen 1988 in Seoul. Foto: Nick Didlcik (Reuters)
Ihre Weltrekorde über 100 und 200 Meter sind nach wie vor unerreicht: Florence Griffith-Joyner, hier beim Finallauf über 100 Meter an den Olympischen Spielen 1988 in Seoul. Foto: Nick Didlcik (Reuters)

Marathon-Weltrekordhalterin Paula Radcliffe sagte gegenüber BBC: «Es verletzt mich, und es macht meinen Ruf und meine Würde kaputt. Ich arbeitete hart für meine Bestzeiten, für mich werden sie immer Gültigkeit haben, ich bin stolz auf sie.» Dreisprung-Weltrekordhalter Jonathan Edwards reagierte gegenüber dem «Guardian» ähnlich: «Ich dachte, dass mein Weltrekord eines Tages gebrochen wird, nicht aber, dass er eines Tages von Sportfunktionären gekippt wird. Ich denke nicht, dass man damit erreicht, was man will.»

Was ist passiert, und wer will was? Der Europäische Leichtathletikverband (EAA) hat am Wochenende in Paris einen Lösungsvorschlag verabschiedet, welcher der Sportart zu neuer Glaubwürdigkeit verhelfen und der im August vom Internationalen Verband (IAAF) an seinem Kongress diskutiert werden soll. Der radikale Vorschlag lautet: Alle Welt- und Europarekorde, die vor 2005 aufgestellt wurden, sollen gestrichen werden. 2005 deshalb, weil erst seit diesem Zeitpunkt Blut- und Urinkontrollen für ­spätere Nachtests aufbewahrt werden.

3 Bedingungen für Weltrekorde

Der norwegische EAA-Präsident Svein Arne Hansen sagt: «Eine der Stärken der Leichtathletik ist, dass sie die Grenzen des Machbaren für die Menschen aufzeigt. Wenn die Zuschauer aber nicht mehr wirklich an die Weltrekorde glauben, sind sie bedeutungslos.» Eine Taskforce hat sich seit Januar mit der Glaubwürdigkeit der Bestmarken auseinandergesetzt – als Reaktion auf den McLaren-Bericht von letztem Jahr, der die Verbreitung von Doping im Sport im Allgemeinen und in der Leichtathletik im Speziellen aufzeigte. Die russischen Leichtathleten sind mit einigen Ausnahmen noch immer von internationalen Wettkämpfen ausgeschlossen, und bei Nachtests von den Olympischen Spielen 2008 und 2012 konnte mehr als 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmern Doping nachgewiesen werden.

Der «revolutionäre» Vorschlag, wie ihn Hansen nannte, beinhaltet auch, unter welchen Bedingungen eine Leistung künftig als Weltrekord anerkannt wird: Erstens muss sie an einem international anerkannten Anlass erbracht worden sein, der höchsten technischen Standards genügt. Zweitens muss der Athlet eine zuvor definierte Anzahl Dopingkontrollen in den vorangegangenen Monaten vorweisen können. Und ­drittens soll die Dopingprobe nach dem Wettkampf für Nachtests 10 Jahre auf­bewahrt werden. Die Empfehlungen werden auf ihre juristische Durchsetzbarkeit geprüft.

Glaubwürdigkeit gewinnen

IAAF-Präsident Sebastian Coe, in ­Paris anwesend, sagte, dies sei ein Schritt in «die richtige Richtung». Es gefalle ihm, «weil es unterstreicht, dass die IAAF Kontrollsysteme und Technologien eingeführt hat, die robuster und sicherer sind als noch vor 10 oder 15 Jahren.» Dabei nähme er in Kauf, dass heutigen Rekordhaltern «etwas weggenommen» würde, «aber wenn das Vorhaben strukturiert und sauber organisiert durchgeführt wird, haben wir die Chance, die Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen.»

Konkret würde es bedeuten, dass auch Weltrekorde wie Mike Powells 8,95 m im Weitsprung, Hicham El Guerroujs 3:26,00 Minuten über 1500 m oder Kenenisa Bekeles 12:37,35 über 5000 m gestrichen würden. Genauso wie seit je suspekte Marken von Athletinnen der DDR oder die 10,49 Sekunden von ­Florence Griffith-Joyner über 100 m. Hingegen hätten Usain Bolts 9,58 – ebenfalls über 100 m – oder David Rudishas 800-m-Weltrekord von 1:40,91 Bestand, wenn die Athleten die drei genannten Voraussetzungen denn erfüllen.

Der «radikale» und «revolutionäre» Ansatz beträfe knapp 30 Weltrekorde, die vor 2005 erzielt worden sind.

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