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Kambundji sprintet dem Frust davon

Nach einer durchzogenen Saison egalisiert Mujinga Kambundji in Bellinzona in 11,07 den Schweizer Rekord über 100 m.

Mujinga Kambundji (links) sprintet in Bellinzona über 100 m zum Schweizer Rekord.
Mujinga Kambundji (links) sprintet in Bellinzona über 100 m zum Schweizer Rekord.
Keystone

Mit ihren langen Zöpfen im Schlepptau gelang Mujinga Kambundji an der Gala dei castelli in Bellinzona gestern ein Exploit, dem übers Wochenende eine grössere Frustration vorausgegangen war. Die 25-jährige Bernerin egalisierte in 11,07 ihre Bestzeit, die seit ihrem glänzenden WM-Halbfinal von 2015 in Peking auch Schweizer Rekord ist. Im Vorfeld des Meetings im Tessin hatte wenig auf eine solche Leistung hingedeutet, Kambundji war in dieser Saison recht und oft auch schlecht ins Ziel gekommen. Ihre Bestleistung lag bis gestern bei 11,24.

Ausschlaggebend für ein Sondertraining in Mannheim am Freitag und Samstag waren dann ihre Auftritte über 100 und 200 m vor acht Tagen in Luzern, die sie schonungslos als «Katastrophe» bezeichnete. «Wir arbeiteten dann nur an der Startphase, aber ich konnte nichts umsetzen», sagte sie kopfschüttelnd, «das war unheimlich frustrierend.» Drei Nächte Schlaf haben nun offenbar dazu beigetragen, dass sich der Knoten gelöst hat. Wieso sie wie aus einem Guss mit schnellem Start und lockerer Endphase in ihren besten Bereich vordringen konnte, vermochte sie aber nicht zu erklären. «Ich wusste, dass ich in Form bin, aber ich konnte es in den letzten Wochen nicht zeigen», sagte sie. Im Vorlauf in 11,37 habe sie allerdings gemerkt, dass sie besser unterwegs sei. Ihre Saisonverläufe vor Grossveranstaltungen ähneln sich: Kambundji tat sich vorher oft schwer, war aber an der EM 2014, an der WM 2015, an der EM 2016, als sie Bronze gewann, und auch bei Olympia in Rio bereit. Gestern demonstrierte sie, dass sie es wohl auch Anfang August an der WM in London sein wird – an den Schweizer Meisterschaften am Freitag und Samstag im Letzigrund will sie über beide Distanzen antreten.

Zbären erneut verletzt

In London nicht dabei sein wird hingegen der Genfer Julien Wanders, der seine letzte Chance nutzen wollte, sich über 5000 m zu qualifizieren. In 13:40,76 verpasste er die Limite um 18 Sekunden – eine Zeit, die erst drei Schweizer unterboten haben. Schwierig ist auch die Situation von Hürdensprinterin Noemi Zbären. Die 23-Jährige verletzte sich gestern beim Aufwärmen am Oberschenkel und trat gar nicht an. Nach einjähriger Pause und einem verheissungsvollen Saisonstart ist sie nun bereits zum zweiten Mal verletzt. Ob sie in Zürich ihre letzte WM-Chance wird nutzen können, ist unklar.

Ein wenig von der Magie der Bahn, die sie an diesem warmen Abend natürlich sogleich nach der Leistung Kambundjis ausstrahlte, wollten auch ­Kariem Hussein, Lea Sprunger und ­Selina Büchel profitieren. Es gelang ­ihnen nicht gleich gut wie ihrer Kollegin, doch alle drei gingen ihre Rennen sehr offensiv an. 800-m-Hallen-Europameisterin Büchel blieb in 1:59,85 zum vierten Mal in dieser Saison unter der Zwei-­Minuten-Marke. Es ist eine beeindruckende Konstanz, welche die Ostschweizerin zeigt, aber nicht ganz das, was sie sich vorstellt. Bereits in Lausanne vor zwei Wochen hatte sie von einer 1:58er-Zeit gesprochen. Eindrücklich war dennoch, wie sie bei Hälfte des Rennens den Lead über eine Aussenbahn übernahm und schliesslich siegte.

Hürdenläuferin Sprunger bevorzugte in ihrem vierten Wettkampf in 16 Tagen die flache 400-m-Strecke und gewann mit einem Hundertstel Vorsprung in 51,68 ebenfalls. Nicht zufrieden mit seiner Zeit von 49,42 war danach Kariem Hussein. Der Langhürdler war ausgangs letzter Kurve aus dem Rhythmus geraten, was ihn wohl den Sieg kostete und auch eine bessere Zeit verhinderte. Von Anfang bis Ende aus einem Guss laufen – das wäre auch seine Maxime.

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