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Ja, der Frauenlauf ist immer noch nötig

Der Berner Grossanlass präsentiert sich mit Facelifting.

Frauenlauf: Bis zu 16 000 Läuferinnen starten jährlich in Bern.
Frauenlauf: Bis zu 16 000 Läuferinnen starten jährlich in Bern.
Keystone

Um gleich ein Missverständnis auszuräumen: Es soll hier nicht verhandelt werden, ob ein reiner Frauenlauf noch dem Zeitgeist und den Bedürfnissen der heutigen Frau entspricht – ob sportlich oder nicht. Wenn alljährlich 14 500 bis 16 000 aus der ganzen Schweiz nach Bern pilgern, um am Kultevent nicht nur dabei, sondern mittendrin zu sein, ist die Frage nach der Berechtigung beantwortet. Und findet ein Frauenlauf in einer Metropole wie Wien statt, kommen sogar 35 000 aus der halben Welt wie vor knapp einem Monat.

Die Mehrheit der heutigen Laufveranstalter im Land, ob ennet dem Röstigraben oder in der Ostschweiz, wird zugeben, dass sie späte Profiteure der Initiative zweier innovativer Frauen Mitte der 80er-Jahre sind: Als Verena Weibel und Jacqueline Ryffel die Veranstaltung 1987 aus der Taufe hoben, boten sie in zweiter Linie Hobby- und Amateursportlerinnen eine Bühne zur Betätigung. In erster Linie motivierten sie Einsteigerinnen, eine neue, bewegende Welt für sich zu entdecken. Erst taten das Tausende, heute sind es Generationen, die in Berns Gassen ihr sportliches Glück fanden und von dort mit neuem Selbstvertrauen an andere Events in der ganzen Schweiz ausschwärmten.

Von Schlumpf bis Sommaruga

Und so ist heute das Gesicht der grossen Schweizer Läufe ein viel weiblicheres als noch vor Jahren, der Frauenanteil beträgt regelmässig rund 40 Prozent. Und die Schweiz ist umgerechnet auf ihre Einwohnerzahl weltweit eines der grössten Laufländer geworden. Auch die Elite bekennt sich, auf sportlicher wie auf politischer Ebene, zum Happening: Wenn sich morgen die Rekordhalterin im Steeple, Fabienne Schlumpf, ein Duell mit Berglauf-Weltmeisterin Martina Strähl liefert, freut sich vielleicht die Dritte, die letztjährige Siegerin Helen Bekele Tola. Geehrt wird das Podest, wie immer es aussehen mag, von Justizministerin Simonetta Sommaruga. Diese Premiere ist natürlich auch ein Produkt kurzer Wege: Bundeshaus–Bundesplatz entspricht nicht einmal annähernd dem Girls Sprint über 500 m. Gut möglich auch, dass der Name Sommaruga die nächstjährige Startliste veredelt.

Es ist ja nicht so, dass nur Frauen zu Fältchen und Falten neigen, auch Männer tun es und Sportevents sowieso – spätestens mit 30 Jahren. Ging es für die Veranstalter in den ersten Jahrzehnten vor allem darum, die Pace der sich immer schneller wandelnden Freizeitindustrie mitzugehen, ist es heute eine zusätzliche Herausforderung, auch die Kids der Social-Media-Generation abzuholen. Nicht Kilogramme oder Gramme zählen, Instagram ist die Währung, Facebook der Tummelplatz, Abkürzungen und Emojis die vielsagende Sprache. So gesehen ist die Wahl des neuen Logos eine logische, und der Anlass hat auf pinkig schöne Weise bekommen, wofür er schon immer stand: ein Herz. Dessen Botschaft nur eine sein kann: Herzlich, Ihr Schweizer Frauenlauf.

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