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Nach dem Fabel-Rekord fragen sich Experten: Wie schafft er das?

Der Marathon-Weltrekord von Eliud Kipchoge ist so unfassbar wie jener von Usain Bolt. Wie es dazu kam.

In eine neue Dimension aufgestiegen: Eliud Kipchoge läuft in Berlin zum Weltrekord. Video: AFP

Als Eliud Kipchoge kurz nach elf Uhr hinter dem Brandenburger Tor die Ziellinie überquerte, hatte dieser Moment etwas von jenem 2009, als Usain Bolt die 100 m in unheimlichen 9,58 Sekunden gesprintet war und einen Fabel-Weltrekord aufgestellt hatte. In 2:01:39 Stunden lief der Kenianer den Marathon in einer Zeit, die für Generationen Gültigkeit haben könnte. Und – hübsche Parallele: Die beiden Superstars der Leichtathletik krönten ihre Karrieren beide in Berlin. Kipchoge gelang gestern ein Rennen, das die Sportwissenschafter noch länger beschäftigen wird: Wie schaffte er das, und: Ist noch mehr möglich?

Mit Tempomachern auf und davon

Der Weltrekord war das Einzige, was dem 33-jährigen Vater von drei Kindern in seiner grossen Karriere noch gefehlt hatte. Bereits als 18-Jähriger war Kipchoge Weltmeister über 5000 m und im Cross. Wie oft bei Kenianern und Äthiopiern wird dieses jugendliche Alter jedoch angezweifelt. Das hiesse allerdings, dass er nun, 15 Jahre später, bei seinem Weltrekord nicht 33, sondern ein paar Jahre älter wäre – was seiner Leistung noch mehr Glanz verliehe. Vor dem Wechsel auf die Marathondistanz 2013 hatte er auf der Bahn auch Olympia- und WM-Silber sowie -bronze gewonnen. Seit 2014 und neun Rennen ist er auf der langen Distanz nun ungeschlagen.

Gestern wollte sich von Anfang an keiner mit ihm einlassen. Kipchoge lief mit seinen drei selbst gewählten Tempomachern vorneweg. Wilson Kipsang, der frühere Weltrekordhalter, und Amos Kipruto hatten erklärt, das Tempo, das man anschlagen wolle, sei ihnen zu schnell. Das war es dann bald auch für die Pacemaker Kipchoges. Zwei stiegen noch vor der Hälfte aus, die genau nach Plan in 61:06 Minuten passiert wurde. Sein letzter Begleiter verliess ihn dann bei Kilometer 25 – ein spannender Moment. War dies eine Befreiung oder doch das Ende der Träume?

Unheimliche zweite Hälfte

Es war der Start zum zweiten Rennen. 17 km und bis ins Ziel lief Kipchoge allein und äusserst kontrolliert, die Zeitanzeige auf dem vorausfahrenden Auto half ihm, fokussiert zu bleiben. Er sagte nach seinem Coup: «Es war sehr hart, ich war aber nicht überrascht. Ich war darauf vorbereitet, früh alleine zu laufen. Und ich war sehr gut trainiert und hatte Vertrauen ins Programm meines Trainers. Ich bin unglaublich glücklich.»

Der leichtfüssige Läufer bot auf der zweiten Hälfte eine unheimliche Show: Er wurde nicht langsamer, er drehte auf. Und war in beeindruckender Konstanz und in 60:33 mehr als eine halbe Minute schneller als auf den ersten 21 km. Den Weltrekord seines Landsmannes Dennis Kimettos von 2014, ebenfalls in Berlin gelaufen, unterbot er um 1:18 Minuten – um Welten. Nur dem Australier Derek Clayton gelang 1967 eine Verbesserung um noch mehr.

Cherono mit Streckenrekord

Der Sieg war Kipchoges Krönung im dritten Anlauf. Bereits 2015 und im vergangenen Jahr hatte er einen Weltrekordversuch unternommen, doch «beide vermasselt», wie er sagte. Das ist typisch für ihn, für seine Bescheidenheit und Demut. Vermutlich war er damals schon in Bestform unterwegs, doch vor drei Jahren verhinderte das Schuhsohlendrama eine noch bessere Zeit als 2:04, letztes Jahr verpasste er die Rekordzeit im Regen um nur 35 Sekunden. Der Triumph bringt ihm 120'000 Euro ein, 50'000 für den Weltrekord, 40'000 für den Sieg und 30'000 für eine Zeit unter 2:04.

In diesem Trubel ging das Rennen der Frauen ein wenig unter. Vorjahressiegerin Gladys Cherono (KEN) gewann in Berlin zum dritten Mal und mit Streckenrekord. In 2:18:11 blieb aber nicht nur sie unter der alten Marke, sondern auch die Äthiopierinnen Ruti Aga und Tirunesh Dibaba mit 23 bzw. 44 Sekunden Rückstand. Für Letztere enttäuschend, sie war mit Ziel Bestleistung angetreten, die sie schliesslich um eine Minute verfehlte.

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