«Ich bin nicht interessant für die Medien»

Medienanfragen und Preisverleihungen kommen mit dem Erfolg. Das erfährt Noemi Zbären, die mit dem Berner Panathlon-Preis geehrt wird.

Blickt Amsterdam und Rio entgegen: Noemi Zbären in Langnau.

Blickt Amsterdam und Rio entgegen: Noemi Zbären in Langnau.

(Bild: Adrian Moser)

Noemi Zbären ist auf Achse. Am Samstag trat sie am Indoor Meeting in Karlsruhe (DE) an. 8,34 Sekunden im Vorlauf über 60 Meter Hürden reichten nicht für die Final-Qualifikation. Am Montag wurde sie an der Universität Bern mündlich geprüft. Es war die elfte von zwölf Prüfungen in den laufenden Semesterferien, die sie im Rahmen ihres Masterstudiengangs Mikrobiologie und Immunologie ablegen muss. Am Abend hatte Zbären einen weiteren Auftritt, den sie in einem Kleid anstelle der favorisierten Jeans oder Sportkleider absolvierte.

In Ittigen wurde ihr der Panathlon-Preis 2016 des Panathlon-Clubs Bern überreicht. Ein solcher Event, bei dem sie im Mittelpunkt steht, findet die Emmentalerin «voll komisch». Über die Würdigung ihrer Leistungen freut sie sich aber sehr. «Es ist eine Ehre, von ganz unterschiedlichen Seiten Anerkennung zu erhalten. Der Sport ist ja wie mein Beruf, und dafür geehrt zu werden, ist schon schön.»

«Laufe nicht halbnackt herum»

Zbärens Leistungen werden regional wie international gewürdigt. Letzte Woche wurde sie an der Sportlerehrung in Langnau prämiert, im vergangenen Herbst vom Kontinentalverband European Athletics als «Rising Star» ausgezeichnet. Seit 2012 und der Teilnahme an den Olympischen Spielen in London ist sie immer mehr in den Fokus der Sportwelt gerückt. Gerade die Heim-EM 2014 sorgte für grosses Interesse an ihrer Person. «Zu dieser Zeit habe ich sehr viele Medienanfragen bekommen. Das war ziemlich krass.»

Der sensationshungrigen Presse gegenüber ist die Langnauerin skeptisch. «Du nimmst dir Zeit, beantwortest die Fragen, und dann schreiben sie doch nicht, was du gesagt hast.» Sowieso sei sie nicht interessant für die Medien: «Ich habe einen Freund und laufe – ausser im Wettkampf – nicht halbnackt herum.» Medientermine sind gewiss nicht ihre Lieblingsbeschäftigung, doch die Medienpräsenz verhilft auch ihrem Verein, dem SK Langnau, zu mehr Bekanntheit. «Damit kann ich meinen Trainern etwas zurückgeben.»

Die Trainer sind Gabi und Stefan Schwarz sowie Ueli Lehmann. Sie richten die Trainings des Sportklubs auf ihr bekanntestes Mitglied aus, weshalb auch die weniger begeisterten Hürdenläufer die Paradedisziplin von Zbären oft betreiben dürfen. Seit diese wochentags mit ihrem Freund in Bern wohnt, pendelt sie für die Einheiten in die Heimat.

Und das Training zahlt sich aus. In der Schweiz hat die Modellathletin kaum mehr Konkurrentinnen, die sie richtig fordern können. Obwohl sie sagt, dass sie auf den ersten 50 der 100 Meter noch zu viel Zeit verliere, läuft sie den anderen auch in der Halle über 60 Meter und fünf Hürden davon. So bereits geschehen in St. Gallen und Magglingen, den ersten beiden Hallenevents des Jahres. Deshalb wird Zbären auch am nächsten Wochenende erneut nach Deutschland reisen, um sich in Berlin unter höherem Druck mit der internationalen Konkurrenz zu messen.

Der nächste Schritt

Gegen die Weltklasse-Athletinnen, zu denen sie sich als WM-Sechste auch zählen darf, wird die 21-Jährige in diesem Jahr an diversen Grossereignissen antreten. Bereits im März finden die Hallen-Weltmeisterschaften in Portland (USA) statt. Die Hallenwettkämpfe sind auch Vorbereitung auf die Outdoor-Saison, die für sie im Mai mit dem Auffahrts-Meeting in Langenthal beginnt. Von da an gilt es für die Studentin, 13,16 Sekunden zu unterbieten. Das ist die Zeit, die sie braucht, um die Qualifikationszeit von unter 13 Sekunden im letzten Jahr zu bestätigen und sich endgültig für die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro zu qualifizieren. «Vielleicht nicht gerade in den ersten Rennen, aber danach sollte ich diese Zeit schaffen», glaubt Zbären.

Die Reise nach Südamerika im August ist eingeplant. Auch wegen Rio 2016 nimmt sich die Studentin ein Jahr mehr Zeit für ihren Master, den sie im letzten Sommer angefangen hat. Nach vormals acht trainiert sie jetzt gegen zwölf Stunden in der Woche. Wenn sie wieder draussen trainieren kann, wird sie noch mehr Zeit investieren. Bereit sein will Zbären schon im Juli, wenn in Amsterdam die Leichtathletik-EM stattfindet. «Ich habe bessere Chancen, an der EM vorne mitzumischen, als in Rio», erklärt die U-20-Europameisterin von 2013 und U-23-Europameisterin 2015. Das Ziel für Amsterdam ist das Erreichen des Finals, der nächste Schritt nachdem sie 2014 als Neunte den Einzug in ebendiesen um einen Platz verpasst hatte. In Rio soll es mindestens zur Halbfinal-Teilnahme reichen.

Sollte Noemi Zbären diese Saisonziele erreichen, dann dürften die Medienanfragen und Preisverleihungen nicht weniger werden.

Der Bund

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