Ghebreslassie und Pogorielska mit erstaunlichen Siegergeschichten

29'773 Läuferinnen und Läufer liefen beim 36. GP von Bern ins Ziel - neuer Rekord. Auch dieses Mal war Ghirmay Ghebreslassie am schnellsten. Bei den Frauen siegte Viktoriia Pogorielska.

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Als ein Grand-Prix Bern der grossen Namen, der bisher ungesehenen Massen, aber nicht der ganz schnellen Zeiten lässt sich die 36. Austragung des Klassikers zusammenfassen. Letzteres bezog sich auf die Spitze wie auf die Masse. Das Wetter war drückend, die Temperaturen für Topleistungen etwas hoch. Trotzdem, 29'773 liefen ins Ziel – soviele wie noch nie seit der ersten Austragung des Volkslaufs.

Das Wetter war ein Grund dafür, dass Ghirmay Ghebreslassie seine Renntaktik umstellte. Der Haushochfavorit, der zwei Tage zuvor den Streckenrekord als «Massstab, an dem ich mich orientieren will» beschrieb, liess sich in ein taktisches Rennen ein. Mit seinem seit 2004 in der Schweiz lebenden Landsmann Simon Tesfay besprach er auf den ersten Kilometern seine Überlegungen. In seinen Dienst stellte er sich. Erst in der Schlussphase spielte Ghebresslassie seine Klasse aus. In 49:25 Minuten setzte er sich durch. 3:18 Minuten blieb er über dem Streckenrekord seines berühmten Landsmannes Zersenay Tadesse aus dem Jahr 2004.

Starker Lehmann

Neben den äusseren Bedingungen dürfte auch die jüngere Vergangenheit des 21-Jährigen Vorjahressiegers, Weltmeisters und New-York-Marathonsiegers eine Rolle gespielt haben. Nach dem London Marathon (6) von Mitte April gönnte er sich eine dreiwöchige Pause. Noch ist er seiner Topverfassung noch ziemlich weit entfernt. Der WM-Marathon Mitte August in London ist sein nächstes Ziel.

Hinter Ghebreslassie, dem zweitplatzierten Sylvester Kipchirchir (Ken/Rückstand 9 Sekunden), Simon Tesfay (1:02 Minuten) lief Adrian Lehmann als bester Einheimischer auf Position 4. Seine 50.33 Minuten wie die Rangierung stellen den Halbmarathon-Team-Europameister vom letzten Sommer mehr als zufrieden. «Die Bedingungen waren nicht einfach, und ich erhielt die Bestätigung, dass meine Leistungskurve nach der Verletzungspause weiter aufwärts zeigt.»

Pogorielska stärker als Strähl – am Berg

Nichts geworden ist mit der Vision des ersten Schweizer Sieges bei den Frauen seit 1998 und Franziska Rochat. Die beiden primären Anwärterinnen, Martina Strähl und Maja Neuenschwander, mussten der Ukrainerin Viktoriia Pogorielska den Vortritt überlassen. Eine zu überzeugende Rolle spielte die GP-Siegerin von 2015 und vierfache Frauenlauf-Gewinnerin. Auf dem letzten Streckenviertel war sie die klar Beste. «Bern ist für mich ein gutes Pflaster», sagte Pogorielska. Und Martina Strähl nickte neidlos. 30 Sekunden büsste sie schliesslich auf die Siegerin ein. Erstaunlich dabei: Die Überlegenheit zeigte sich vor allem in den Aufwärtspartien. «Am Berg bekundete ich immer Mühe», sagte die frühere Berglauf-Weltmeisterin Strähl. Maja Neuenschwander hatte nie etwas zu tun mit der Entscheidung an der Spitze und belegte Platz 14.

Sclabas und Kempf dominierten Altstadt-GP

Das Kurzdistanz-Rennen Altstadt-GP – mit 5641 startenden Frauen und 4663 Männern – sicherten sich zwei Berner: Andreas Kempf und Delia Sclabas. «Dieser Sieg bedeutet mir recht viel», sagte der letztjährige Halbmarathon-Team-Europameister. Und er verwies auf die Prominenz auf der Siegerliste. Drei Namen nannte er dabei: Christian Belz, Philipp Bandi und Sven Riederer. Alles Läufer von internationalem Format. Kempf setzte sich souverän gegen die «jungen Wilden» durch. Die beiden nächsten Verfolger, den Eritreer Sium Zerehannes und den Berner Junior Binyam Furui, verwies er deutlich auf die weiteren Podestplätze.

Noch deutlicher dominierte bei den Frauen Delia Sclabas. Die erst 17-jährige U18-Europameister des letzten Jahres verteidigte ihren letztjährigen Altstadt-GP-Sieg. Über 30 Sekunden nahm sie auf den 4,7 km der zweitplatzierten Christine Müller, fast eine Minute der dritten Laura Giudice ab. «Ich wäre gerne etwas schneller gelaufen», sagte das Grosstalent nach dem Rennen, «aber ich hatte mich nicht ganz gut gefühlt und musste so etwas dosieren».

Alle Resultate des GP unter www.gpbern.ch.

(DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 13.05.2017, 18:26 Uhr

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Mit dabei am am diesjährigen GP waren auch zahlreiche Promis, unter ihnen SBB CEO Andreas Meyer, der Berner Neo-Gemeinderat Michael Aebersold oder der Bieler Stadtpräsident Erich Fehr. Bei der Mini-Variante, dem 4,7 Kilometer langen Altstadt GP, gab es gar eine politische Premiere, lief doch mit Alec von Graffenried erstmals in der 36-jährigen Geschichte des Laufs ein Berner Stadtpräsident mit.

«Es hett gfägt wie verruckt», gab von Graffenried, noch einigermassen ausser Atem, nach dem Zieleinlauf dem Platzspeaker zu Protokoll. Trotz schweren Beinen am Argauerstalden habe er immer versucht zu lächeln «nid das d'Lüt no dänke, ‹läck isch dä Stapi e stiere Cheib›».

Von Graffenried ist ein Habitué, den Altstadt-GP lief er seit dem Jahr 2000 bereits zum 16. Mal. Mit einer Zeit von 25 Minuten und 24 Sekunden verpasste er seinen persönlichen Rekord von 22:30 aus dem Jahr 2012 deutlich. «Es war etwaws zu warm - und leider hat mein Training unter dem Amt gelitten». (awb)

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