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«Das war eines meiner krassesten Rennen»

2016 siegte Kariem Hussein in Luzern verletzt – heute will er vom Schwung des Sieges in Lausanne profitieren.

Hoch über dem Vierwaldstättersee: Kariem Hussein sinniert auf dem Bürgenstock über seine Hürdensaison. Foto: Urs Flüeler (Keystone)
Hoch über dem Vierwaldstättersee: Kariem Hussein sinniert auf dem Bürgenstock über seine Hürdensaison. Foto: Urs Flüeler (Keystone)

Es kann gut sein, dass der heutige Abend bei Spitzenleichtathletik auf der Luzerner Allmend wird wie jener vor einem Jahr: eine verregnete Angelegenheit. Hürdenläufer Kariem Hussein erinnert sich gut ans schlechte Wetter und an den «Beginn der Fussgeschichte». Leicht ­verletzt überlegte er sich kurz, gar nicht anzutreten. «Und dann gewann ich. Das war eines meiner krassesten Rennen überhaupt», sagt der 28-jährige Thurgauer. Und er weiss auch noch genau, wieso er siegte: Er sei geduldig geblieben bis zuletzt. Auf der Schlussgeraden überholte er noch Gegner um Gegner und lief in 49,47 Sekunden ein.

Leistungen einordnen können

In ganz anderer Verfassung geht er heute an den Start. Hussein gewann am Donnerstag bei Athletissima als erster Schweizer ein Rennen einer Diamond-League-Veranstaltung und empfand den Coup danach als «Genugtuung» und «beruhigend». «Ich weiss aber auch, dass es kein Wahnsinnsunterschied zu den Rennen zuvor war und auch keine Wahnsinnszeit», sagt er. Hussein hatte sich auf 48,79 gesteigert, seine sechstbeste Zeit, die er je gelaufen ist. Seine Reaktion ­darauf erstaunt: «Die Zeit?», fragt er, und fügt an: «Nebensächlich!» Schön und wichtig sei der Sieg gewesen, wichtig für das Selbstvertrauen.

Hussein ist einigermassen verhalten in die Saison gestartet, sagt aber, dass es lediglich wichtig sei, diese Leistungen einordnen zu können. Zu Beginn der Saison sei es vor allem eine Frage der Energie, die man auf die Bahn bringe. «Wenn wir Schweizer in die Saison ­starten, sind das unsere ersten 400-m-Runden, die wir drehen. Andere sind zu diesem Zeitpunkt schon viel weiter», sagt der EM-Dritte. Er findet es richtig, nicht früher mit Schnelligkeitstraining zu beginnen. «Die Frage ist doch, ob man drei bis vier Monate auf dem Zenit und bis zum Saisonhöhepunkt durchsteht», gibt er zu bedenken. In Kauf genommen hat er in dieser Saison deshalb Rennen an Diamond-League-Meetings gegen starke Konkurrenten oder gar die Weltbesten, die für ihn Trainingscharakter auf höchstem Niveau hatten.

Auch wenn Hussein die Zeit momentan noch als nebensächlich bezeichnet und nur das Gefühl über und zwischen den Hürden als entscheidenden Faktor betrachtet, ist es nur die Zeit, die in einem Monat an der WM in London über Weiterkommen und Ausscheiden entscheidet. Natürlich hat er registriert, dass er mit den 48,79 von Lausanne am Sonntag in London an den Anniversary Games in einem stark besetzten Feld ­gerade einmal Siebter geworden wäre.

Schwung bis zuletzt

«Klar, die Konkurrenz ist schnell», sagt er, und schnell sei auch die Bahn im Queen Elizabeth Stadium, in dem auch die WM stattfindet. Seine Bestzeit liegt bei 48,45, die wird er wohl verbessern müssen, um eine Runde weiterzukommen. «Das war aber an der WM in Peking vor zwei Jahren nicht anders.»

Das Gefühl, das er sich im Laufe der Saison hat aufbauen wollen, hat Hussein in Lausanne erstmals im Rennen gespürt, was sich auch auf die Zeit auswirkte. Er hat den idealen Rhythmus gefunden und den Schwung bis zur 9. und 10. Hürde mitnehmen können. «Ihn muss ich erfahren haben, damit es wieder klappt», sagt er. Heute erhält er die nächste Chance. Die Zeit? Ist hauptsächlich. Für das Selbstvertrauen.

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