Die Frau, die erfolgreicher ist als Bolt

Während alle Augen auf den Rücktritt des Jamaikaners gerichtet sind, sammelt Allyson Felix weiter WM-Medaillen – und übertrumpft sogar den Superstar.

Keiner sammelte mehr WM-Medaillen als sie: die amerikanische Sprinterin Allyson Felix.

Keiner sammelte mehr WM-Medaillen als sie: die amerikanische Sprinterin Allyson Felix.

(Bild: Keystone)

16 WM-Medaillen. 11 davon aus Gold, 3 aus Silber und 2 aus Bronze. Was wie der Palmarès von Usain Bolt wirkt, ist in Realität die Erfolgsquote der Sprinterin Allyson Felix. Ein Vergleich: Der legendäre Carl Lewis krönte sich achtmal zum Weltmeister, holte insgesamt zehn WM-Medaillen, ebenfalls über vier Disziplinen verteilt. Und Usain Bolt, der in der ewigen WM-Medaillen-Liste auf Rang 2 liegt, ist zwar gleich oft Weltmeister geworden (11 Titel), auf die Amerikanerin fehlen ihm jedoch zwei Medaillen, die er nach seinem Rücktritt nicht mehr aufholen wird.

In London sammelte Felix ebenfalls Edelmetall: Den 400-Meter-Final beendete sie auf dem dritten Rang, mit der 4x100-Meter-Staffel holte sie den Weltmeistertitel, und auch mit der 4x400-Meter-Staffel feierte sie am Sonntagabend einen deutlichen Sieg.

Da jedoch am gleichen Abend der Abschied von Bolt gefeiert wurde und alle Augen auf den jamaikanischen Superstar gerichtet waren, ging ein interessanter Fakt fast unter: Mit den beiden errungenen Medaillen bei den Staffelrennen überspurtete Felix im geschlechtsneutralen ewigen Medaillenranking Bolt und ist nun die erfolgreichste WM-Athletin der Geschichte.

  • loading indicator

Das WM-Debüt vor zwölf Jahren

Diesen Erfolg verdankt Felix ihrer jahrelangen Dominanz über die 2oo Meter und der amerikanischen Stärke in den Staffelrennen. Zwischen 2005, als sie an der WM in Helsinki debütierte und sich gleich doppelt zur Weltmeisterin kürte, und 2011 gewann sie sieben Goldmedaillen. Mit drei Titelgewinnen auf derselben Strecke ist sie zudem die einzige Athletin, der das jemals gelang.

In Daegu 2011 gewann sie zwar nur einmal Gold, jedoch tat das ihrer Erfolgsserie keinen Abbruch. Nachdem sie 2013 verletzungsbedingt auf die WM in Moskau verzichtet hatte, lächelte sie in Peking und nun auch in London wieder vom Podest. 16 Medaillen über vier Disziplinen bei sechs WM-Teilnahmen sind das Resultat.

Nicht dieselbe Ausstrahlung wie Bolt

Auch auf olympischer Ebene sind die Leistungen Felix’ eindrucksvoll: Mit sechs Goldmedaillen und drei silbernen hat sie die grösste Ausbeute einer Leichtathletin an den Spielen.

Dennoch hat Felix nie die Aufmerksamkeit bekommen, die andere grosse Athleten wie der zurückgetretene Bolt geniessen. Felix war nie skandalös aufgefallen, wurde auch nicht mit Doping in Verbindung gebracht oder in ein schlechtes Licht gerückt. Es gibt aber Lücken im Palmarès der 31-Jährigen, die nie geschlossen wurden. So konnte Felix weder auf der 200- noch auf der 400-Meter-Strecke die Weltrekorde brechen. Während Bolts Fabelweltrekorde seine Karriere prägten, war Felix zwar schnell, aber nicht überirdisch unterwegs. Auch macht sie kein grosses Aufheben um ihre Person.

Mit ihren Leistungen hat die Amerikanerin nun jedoch gezeigt, wie wertvoll sie für die Leichtathletik sein kann. Nach dem Rücktritt von Bolt ist Felix eine der wenigen grossen Figuren, die der Sportart noch geblieben sind. Nur ist auch sie nicht mehr die Jüngste: Die erfolgreichste WM-Athletin der Geschichte wird im November 32 Jahre alt.

nry

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt