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Der Posterboy aus Katar

Abderrahman Samba (22) läuft erst seit einem Jahr über die Hürden – und sorgt für Furore. Auch wegen seines Länderwechsels.

Er ist der Star der Stunde: Abderrahman Samba, der neue Posterboy der katarischen Leichtathletik.
Er ist der Star der Stunde: Abderrahman Samba, der neue Posterboy der katarischen Leichtathletik.
Keystone
Der 22-Jährige läuft erst seit einem Jahr über die Hürden – und will den Weltrekord.
Der 22-Jährige läuft erst seit einem Jahr über die Hürden – und will den Weltrekord.
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Am Samstag lief er in Paris in 46,98 Sekunden, ihm fehlen noch zwei Zehntel zum Weltrekord von 1992.
Am Samstag lief er in Paris in 46,98 Sekunden, ihm fehlen noch zwei Zehntel zum Weltrekord von 1992.
Keystone
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Die Katarer haben ihm die Welt geboten, und nun zeigt er allen den Meister. Die Athletissima in Lausanne ist heute das fünfte Diamond-League-Meeting der Saison, das Abderrahman Samba bestreitet. Und bei den bisherigen ist er über die Bahnrunde geflogen, als wären da keine Hürden.

Jedes Mal verbesserte er sich, am Samstag in Paris fehlten ihm in 46,98 Sekunden noch zwei Zehntel zum Weltrekord von 1992, als Erster ist er seither unter 47 Sekunden geblieben.

Asian Games statt «Weltklasse Zürich»

Und jetzt, da an der Medienkonferenz jeder seine Fragen gestellt, er aber nicht alle beantwortet hat, will er von sich aus noch etwas sagen: «Das ist übrigens mein letztes Meeting, am Final werde ich nicht dabei sein, ich werde dann an den Asian Games laufen, die gleichzeitig stattfinden.»

Für diese ­Datenkollision kann er nichts, er zieht Jakarta «Weltklasse Zürich» vor. Und die Prämie von 50 000 US-Dollar für den Disziplinensieg in der Serie dürfte für einen wie ihn ohnehin Peanuts sein.

2019 an der Heim-WM glänzen

Denn eben: Sie haben ihm die Welt geboten. Sambas Geschichte ist die eines hoch talentierten Jungen, der in Saudi­arabien geboren wurde, aber immer für das Land seines Vaters startete, Mauretanien. Immer, bis der katarische Verband vor drei Jahren vorstellig wurde. Katar, der Kleinststaat am Golf, hat Grosses vor in den nächsten Jahren. Denn noch bevor dort 2022 die Fussball-WM ausgetragen wird, findet 2019 in Doha die Leichtathletik-WM statt.

Gerade noch rechtzeitig bevor der ­Internationale Verband (IAAF) Ende 2016 die ultraschnellen Nationenwechsel bis auf weiteres sistierte, hat sich Katar also die ultraschnellen Beine Sambas gesichert.

Der Gastgeber soll nicht nur Gastgeber sein, sondern auch einer der Gewinner. Als der 22-jährige Samba also gefragt wird, wie sich seine Verpflichtung damals zutrug, sagt er: «Ach, das ist eine lange Geschichte.» Um es dann ganz kurz zu machen: «Das ist ein Geheimnis!»

Die allerbesten Trainingsbedingungen

Sein Manager Daniel Westfeldt sieht das nicht so radikal. Der Schwede ist seit 25 Jahren im Geschäft und hat einen hoch talentierten Jungen dorthin gebracht, wo ihm mit der Aspire Academy allerbeste Trainingsbedingungen geboten werden. Die Welt eben.

Die Welt in Katar, wo die Leichtathletik bis 1998 den Männern vorbehalten war und wo bis vor fünf Jahren die Zuschauer das ­Stadion verliessen, wenn Zeit für das ­Gebet war – auch wenn der 100-m-Final anstand. Das hat sich geändert. Wohl auch mit Mutaz Essa Barshim, ihrem einheimischen Weltmeister, der den Hochsprung dominiert.

Hilfe vom Weltmeistertrainer

Über Geld spricht Westfeldt nicht, ausser, wenn er sagt, dass der Staat Unmengen in den Sport investiere. Nicht nur in die Leichtathletik. Und er spricht über Politik und Sport, die man nicht vermischen solle. Samba also verfügt über ­allerbeste Bedingungen, hat aber eher zufällig zur heutigen Disziplin gefunden.

Als er an den letztjährigen Afrika-Meisterschaften neben dem 400-m- auch das Hürdenrennen bestritt und alle Spezialisten bezwang, liess er sich zum Wechsel zu den Hindernissen überreden. An der WM in London im August wurde er vor Kariem Hussein Siebter. Und nun ­dominiert er alle, obwohl über die Hürden der Konkurrenzkampf so gross ist wie seit langem nicht mehr.

Er überflügelt alle

Samba überflügelte die Nummer 1 des letzten Jahres, Kyron McMaster (BVI), der an der WM disqualifiziert worden war. Samba läuft dem norwegischen Weltmeister Karsten Warholm davon. Und Samba entreisst dem jungen Amerikaner Rai Benjamin (20), der an den Collegemeisterschaften in 47,02 Jahresweltbestzeit aufstellte, diese gleich wieder.

Mit Hennie Kotze hat Samba einen südafrikanischen Trainer, der nun an der katarischen Academy tätig ist – und 2015 den Kenianer Nicholas Bett aus dem Nichts zum Weltmeistertitel über die Hürdenrunde führte. Dass Bett seither nur mehr bescheiden lief, soll vor ­allem mit dessen mangelnder Einstellung zu tun haben. Sambas Ziele jedenfalls sind klar: Athletissima, Asian Games, Heim-WM nächstes Jahr. Und der Weltrekord. Daraus macht er kein Geheimnis.

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