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Der Marathon unter zwei Stunden – mit einem Schweizer Hasen

Julien Wanders ist das grösste Schweizer Lauftalent seit Jahren. In 10 Tagen ist er in Monza ein Pacemaker von Olympiasieger Kipchoge im Projekt «Breaking 2».

«Eine super Erfahrung» soll das spezielle Rennen für Julien Wanders werden. Foto: Georges Cabrera (Tribune de Genève)
«Eine super Erfahrung» soll das spezielle Rennen für Julien Wanders werden. Foto: Georges Cabrera (Tribune de Genève)

Als der «Tages-Anzeiger» den 21-jährigen Genfer Julien Wanders jüngst in einem Interview fragte, in welcher Geschichte er am liebsten dabei gewesen wäre, sagte er, ohne zu zögern, er wäre gerne der Hauptakteur im ersten Marathon, der unter zwei Stunden gelaufen wird.

Zwei Wochen später bestätigt Mittelstreckenspezialist Wanders, was er damals schon wusste, aber nicht sagen durfte: Er wird am Wochenende des 6. und 7. Mai zumindest ein Teil der Geschichte sein, wenn Sportartikelgigant Nike auf der Formel-1-Strecke in Monza das irrwitzige Projekt «Breaking 2» startet, in dem erstmals ein Läufer über die 42,195 km unter zwei Stunden bleiben soll. Das grösste Schweizer Lauftalent seit Jahrzehnten wird dabei natürlich nicht Hauptakteur sein, aber einer der 18 Pacemaker.

«Ich habe im Januar erstmals von ­diesem Projekt gehört, als ich in Kenia trainierte», sagt Wanders. Sein dortiger Trainer habe ihm gesagt, dass es gut wäre, wenn er diese Aufgabe übernehmen könnte. «Entschieden haben wir dann aber erst im März.»

Taktisch gereift ins Abenteuer

Das Erstaunliche: Wanders hat noch an keiner EM und keiner WM der Elite teilgenommen, und auch die Qualifikation für die Olympischen Spiele in Rio hatte er verpasst. Und dennoch wurde ihm nun zuteil, was er als «grosse Ehre» und ein «Abenteuer» bezeichnet: in Monza die drei auserwählten Protagonisten in ihren Bemühungen zu unterstützen – Olympiasieger Eliud Kipchoge (32), den derzeit besten Marathonläufer, Halb­marathon-Weltrekordhalter Zersenay ­Tadese (35) und Lelisa Desisa (27).

Wanders ist seit 2015 bei Nike unter Vertrag. Dass er es im Sommer 2016 über 5000 m weder an die EM in Amsterdam noch an Olympia schaffte, lehrte ihn sehr viel, wie er sagt. Taktisch gereift lief er dann im Dezember Schweizer Rekord über 10 km auf der Strasse, verblüffte bei seinem Halbmarathon-Debüt im März in Mailand mit einer Zeit von 61:43 Minuten und bewies im April mit dem Sieg an den spanischen Meisterschaften über 10 000 m in 28:06 Minuten, dass er den Sprung von der Strasse auf die Bahn ­geschafft hat. Schneller ist in Europa in diesem Jahr noch niemand gelaufen.

Aufgrund dieser Leistungen ist die Wahl auf ihn gefallen – aber nicht nur deswegen. Er sagt: «Wichtig war ihnen wohl auch, dass nicht nur Afrikaner dabei sind, sondern auch Europäer.» Wer allerdings seine Kollegen konkret sein werden, weiss er – wie vieles anderes – noch nicht. Dennoch findet er, dies sei «eine super Erfahrung» für ihn, «für meine Zukunft und meine kommenden Verträge ist es wichtig, dass ich so auf mich aufmerksam machen kann».

Schöne Prämie für die Helfer

Bereits am kommenden Sonntag wird Wanders in Monza erwartet, dann wird er genauer über das Projekt und seine Aufgabe instruiert. Damit das unmöglich Scheinende gelingen könnte, müssten Kipchoge und seine Mitstreiter um fast 3 Minuten schneller laufen als Dennis Kimetto (KEN) 2014 in Berlin bei seinem Welt­rekord in 2:02:57.

Das Experiment findet auf einer 2,4 km langen Schlaufe statt, Wanders wird dreimal zwei Runden (oder 4,8 km) laufen müssen. «Wir Pacemaker geben das Tempo von 2:50 Minuten pro Kilometer vor», sagt er. Zwischen seinen Einsätzen hat er jeweils rund 25 Minuten Pause. Die Aufgabe erscheint ihm nicht übermässig schwierig, «nervös bin ich nicht, vor einer WM-Qualifikation oder so bin ich angespannter». Sein Training hat er in den vergangenen Wochen dennoch leicht angepasst und regelmässig Serien in diesem Tempo eingebaut. Den eigens für dieses Projekt gefertigten Schuh hat er jedoch noch nicht testen können, «den erhalten wir erst in Monza».

Kipchoge, von dem behauptet wird, dass er für «Breaking 2» eine Millionengage kassiert, wird vom gleichen Management betreut wie Wanders, der ebenfalls eine schöne Prämie erhält. Der Schweizer findet, man dürfe dieses Rennen nicht wie ein anderes betrachten. «Es ist ein spezielles unter speziellen Bedingungen.» Dass dabei andere die Haupt­akteure sind, nimmt er gerne in Kauf.

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