Mit 15 von Medaille zu Medaille

In diesem Sommer holte sie ihre ersten Medaillen auf internationalem Parkett: Delia Sclabas aus Kirchberg sorgt als Triathletin und Mittelstrecklerin für Furore.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Während die weltbesten Frauen am Samstag bei den Olympischen Spielen in Rio zum Triathlon antreten, wird Delia Sclabas in Lausanne die Triathlon-Youth-League-Schweizermeisterschaft bestreiten. «Am Triathlon gefällt mir, dass er so gegensätzlich ist. Beim Laufen und beim Radfahren braucht man vor allem die unteren Extremitäten, während beim Schwimmen mehr der Oberkörper im Fokus steht», erzählt sie und fügt an: «Laufen ist meine Lieblingsdisziplin.» So ist Sclabas nicht nur eine vielversprechende Nachwuchs-Triathletin, sondern auch eine erfolgreiche Mittelstreckenläuferin. Ein Beispiel: Die 15-Jährige war im Mai in Bern am Altstadt Grand Prix die schnellste Frau.

Delia Sclabas ist eines von drei Drillingsmädchen und hat ausserdem zwei ältere Geschwister, durch die sie zum Triathlon kam. Für Delia ist der Sport unterdessen mehr als ein Hobby: Sie ­investiert zwischen 12 und 15 Stunden pro Woche ins Training mit der LG Bern, mit dem «tri team Emmental» und mit den Breitensportlern des Schwimmklubs Bern. Zu den Trainings kommen die Wettkämpfe am Wochenende. Ein beachtliches Pensum für die Schülerin. Doch zu viel werde es ihr nicht. «Ich versuche, meinen Körper nicht zu stark zu belasten. Regeneration ist sehr wichtig», hält sie wie ein Profi fest.

Am Montag startete Sclabas in ihr zweites Jahr am Gymnasium Neufeld mit dem Schwerpunktfach Biologie und Chemie. Der ehrgeizige Teenager könnte sich vorstellen, nach der Matur Medizin zu studieren. Am Gymnasium besucht sie eine normale Klasse, wird aber unterstützt, in dem sie für spezielle Grossanlässe und Trainingslager vom Unterricht dispensiert wird und während des Schulsports meist ihre Trainings ­besuchen kann.

Erfolgreich durch Europa

Vor einem Jahr wurde die Kirchbergerin mit 14 Jahren Elite-Schweizermeisterin über 1500 Meter und sorgte damit für grosses Erstaunen. In der laufenden ­Saison startete sie als 15-Jährige das erste Mal auf internationalem Parkett – und wie. Bei ihrer Premiere im April an der Junioren-EM im Duathlon in Deutschland platzierte sich Sclabas noch auf Rang 5. Im Juni holte sie an der Junioren-Weltmeisterschaft in derselben Disziplin dann schon Gold. «Ich erinnere mich gerne ­daran zurück», sagt sie.

In den Sommerferien reiste Sclabas weiter durch Europa und sammelte ­Medaillen. In Ungarn an der Triathlon-Jugend-EM kam sie im Final als Zweiletzte aus dem Wasser und stieg als Letzte vom Rad. Was ihr selber gar nicht bewusst war: «Ich habe mich nur darauf konzentriert, aufzuholen.» Am Ende stand sie als Dritte auf dem Podest.

Danach folgte die U-18-Leichtathletik-EM in Georgien. Über 3000 Meter wurde sie die erste U-18-Europameisterin der Schweiz. Eigentlich war sie in Tiflis nur für diese Disziplin vorgesehen. Weil aber einige Athletinnen beim 1500-Meter-Lauf ausfielen, fand der ­Vorlauf nicht statt, der auch für den Tag des 3000-Meter-Finals vorgesehen war. So durfte Sclabas zwei Tage später auch die kürzere Strecke laufen. «Ich habe mich sehr gefreut, dass ich über beide Distanzen starten konnte», sagt die Sportlerin. Gelohnt hat es sich allemal: Denn auch hier stand die grosse Nachwuchshoffnung am Ende ­zuoberst auf dem Treppchen.

Nach all diesen gewonnenen Medaillen hatte sie sich die Ferien in Norwegen mit der ­Familie redlich verdient, doch sogar in dieser Erholungspause habe sie das ­Laufen etwas vermisst, gibt sie zu.

«Sie ist eine Kämpferin. Bereits vor ihrer Geburt musste sie von den Drillingen am meisten um ihr Leben kämpfen», sagen ihre Eltern, heute lege ihre Tochter im Training und im Wettkampf einen erstaunlichen Willen und Ehrgeiz an den Tag. Neben ihrem Kampfgeist bringt ­Delia Sclabas ohne Frage auch ein ausserordentliches Talent mit. Für sie selbst steht aber der Spass im Vordergrund. «Freude ist das Wichtigste, wenn man gute Leistungen bringen will», betont sie immer wieder. So hat sie «einfach zur Freude» am letzten Wochenende an der Berglauf-SM mitgemacht – und die Kategorie U-20 für sich entschieden.

Sclabas möchte so lange wie möglich Triathlons und Mittelstreckenläufe bestreiten. «Ich bin froh, dass ich beides machen kann», sagt sie. Im nächsten Jahr steht so zum einen die Leichtathletik-WM für den U-18-Nachwuchs in ­Nairobi auf dem Programm, aber auch die U-20-Weltmeisterschaft im Triathlon in Rotterdam.

Der Traum von Olympia 2020

Und vielleicht ist Delia Sclabas im Jahr 2020, wenn die nächsten Olympischen Spiele in Tokio ausgetragen werden, ­bereits mit am Start. «Das wäre ein Traum», sagt sie und ­lächelt. (Der Bund)

Erstellt: 19.08.2016, 07:54 Uhr

Artikel zum Thema

Hussein kann in Rio starten

Aufatmen im Schweizer Leichtathletik-Lager: Hürdenläufer Kariem Hussein reist an die Olympischen Sommerspiele. Mehr...

Darum ist die Tartanbahn in Rio blau

Sie sticht im Leichtathletik-Stadion als Erstes ins Auge: die himmelblaue Laufbahn. Was es damit auf sich hat. Mehr...

Durch die Altstadt nach Amsterdam

Beim Altstadt Grand Prix zählt Andreas Kempf zu den Favoriten. Für die Leichtathletik-EM wagt sich der 5000-m-Läufer auf eine längere Strecke. Mehr...

Paid Post

Kinderwunsch? Folsäure!

Erfahren Sie, warum Folsäure schon vor der Schwangerschaft wichtig ist.

Kommentare

Blogs

KulturStattBern In zwischen Nutzungen

Mamablog Papa rettet das Klima

Newsletter

Jeden Morgen. Montag bis Samstag.

Die besten Beiträge aus der «Bund»-Redaktion. Jetzt den neuen kostenlosen Newsletter entdecken!

Die Welt in Bildern

Ganz schön hart: Zwei Männer trainieren am Strand von Vina del Mar in Chile (19. September 2017).
(Bild: Rodrigo Garrido) Mehr...