Eritreeische Party am GP Bern

Der Marathon-Weltmeister von Peking ist auch in Bern der Schnellste: Ghirmay Ghebreslassie gewinnt den Grand Prix mit grossem Vorsprung.

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Es war eine einzigartig ausgelassene Siegesfeier im Ziel des Rennens über 16,093 km beim Guisan-Platz. Rund 50 junge Exil-Eritreer waren in den Zielbereich gestürmt, nachdem Ghirma Ghebreslassie leichtfüssig als überlegener und strahlender Sieger eingelaufen war. Die Fans hoben den Ausnahmekönner in die Höhe und setzten zu einem lauten, langen und farbenfrohen Siegestanz an.

«Das war ein unglaublicher Empfang», sagte Ghebreslassie und befand diesen als «viel eindrücklicher als am WM-Marathon in Peking». Nicht verwunderlich, dass er deshalb von «einem Heimrennen» sprach. Trotzdem konnte er nicht alle seine Wünsche erfüllen. Schnell abschreiben müssen hatte er nämlich das Thema Streckenrekord. Die 46:04 Minuten, welche sein Landsmann und Idol Zersenay Tadesse 2004 aufgestellt hatte, waren beim rutschigen Boden nicht realistisch. Und schliesslich fehlte auch die fordernde Konkurrenz. «Ich forderte meinen letzten Begleiter Simon Tesfay auf, mir zu folgen, leider ohne Erfolg», sagte er. Mit seinen 47:00 Minuten sorgte er immerhin für die viertbeste Siegerzeit.

Tesfays Zweifel

Der Verzicht auf den «Höllenritt» von Tesfay war verständlich. Der Eritreer, der seit 2004 in Uster lebt, ging dieses Wagnis nicht ein. Im Ziel liess er sich dennoch von seinen Landsleuten am Rande mitfeiern. 1:11 Minuten nach Weltmeister Ghebreslassie erreichte Tesfay das Ziel. Aber nur bedingt glücklich präsentierte sich der 31-Jährige. «Mein Ziel wäre Rang 2 gewesen», sagte der hervorragende Zweite des Berlin Halbmarathons Mitte April.

Dass Ghebreslassie «in einer andern Kategorie» unterwegs ist, mochte er während des Rennens nicht gleich anerkennen. Nach dem offensiven und mutigen Start gestand er sich aber ein, dass er in diesem Rhythmus nie über die Distanz kommen würde. Die Skepsis hatte einen zusätzlichen Grund: «Ich hatte nervenaufreibende Stunden hinter mir», sprach er die letzten 24 Stunden vor dem Rennen an.

Am Vorabend blockierte sich beim Autofahren plötzlich das Knie. Während der gesamten Nacht versuchte Tesfay sein Wissen als Medizinischer Masseur mit Dehnungsübungen und Eigenmassagen einzusetzen. Mit Erfolg: Während des Rennens behinderte ihn das Knie nicht. Zu seiner Enttäuschung schnappte ihm Bernard Matheka (Ken) noch Rang 2 weg.

Abrahams Wissen

Nicht in Höchstform präsentieren konnte sich der dreifache Sieger Tadesse Abraham. «Seit meinem Marathon-Rekordlauf Mitte April in Seoul konnte ich mich nicht so vorbereiten, wie es hier für eine Topleistung nötig gewesen wäre.» Zusätzlich hinderte ihn diese Woche eine Erkältung am Training. Das war zu viel. «Die Gesundheit ist wichtiger, und ich bin superzufrieden», sagte er zu seinem fünften Schlussrang, 1:10 Minuten hinter Tesfay und 2:21 Minuten hinter Sieger Ghebreslassie.

Ausgerichtet ist Abrahams Saison ganz auf die Olympischen Spiele im August in Rio. Zwei Höhentrainingsblöcke in Äthiopien sollen ihn in die entsprechende Verfassung bringen. Den Halbmarathon an den Europameisterschaften in Amsterdam dienen ihm als Standortbestimmung auf dem Weg an den Zielwettkampf.

DerBund.ch/Newsnet

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