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Im Zeichen der Könige

Matthias Sempach wird in Utzenstorf verabschiedet. Im Schlussgang stehen sich zwei seiner besten Freunde gegenüber. Kilian Wenger reüssiert – und das bereits zum vierten Mal an einem «Kantonalen».

Kilian Wenger heisst der Sieger des Bernisch-Kantonalen Schwingfest 2018 in Utzenstorf.
Kilian Wenger heisst der Sieger des Bernisch-Kantonalen Schwingfest 2018 in Utzenstorf.
Raphael Moser
Im Schlussgang muss er gegen Remo Käser antreten. Wie vor jedem Duell taucht Wenger seine Hände im Sägemehl.
Im Schlussgang muss er gegen Remo Käser antreten. Wie vor jedem Duell taucht Wenger seine Hände im Sägemehl.
Letztes Jahr gab es zwei Sieger am «Kantonalen»: Zwar gewann Kilian Wenger den Schlussgang gegen Christian Stucki, weil der Seeländer aber mit grossem Vorsprung in das Duell stieg, lagen letztlich beide gleichauf.
Letztes Jahr gab es zwei Sieger am «Kantonalen»: Zwar gewann Kilian Wenger den Schlussgang gegen Christian Stucki, weil der Seeländer aber mit grossem Vorsprung in das Duell stieg, lagen letztlich beide gleichauf.
Raphael Moser
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Nach 30 Sekunden zieht Remo Käser mit Kurz, Kilian Wenger kontert mit Gammen. Käser liegt in Seitenlage im Sägemehl, Wenger auf ihm. Der Alchenstorfer wehrt sich nach Kräften, diese schwinden, nach 90 Sekunden ist der Kampf vorbei.

Gewiss: Dieser technisch-trockene Beschrieb wird dem Schlussbouquet des Berner «Kantonalen» nicht wirklich gerecht. Zwar fehlte dem Fest vor präch­tiger Kulisse in Utzenstorf das ­gewisse Etwas in Form von noch mehr Qualität im Teilnehmerfeld, was mit wenigen Ausnahmen zu eher bescheidenen Notenblättern führte. Und doch gab es diese schönen, aufwühlenden Geschichten.

Der passende Schlussgang

Da war natürlich jene des zurückgetretenen Matthias Sempach. Der Schwingerkönig von 2013 zog es in weiser Voraussicht vor, seine Abschiedsworte in einer aufgezeichneten Botschaft an die Zuschauer zu richten. Auch als Aktiver hatte Sempach gerne wo immer möglich die Kontrolle. Gestern wäre ihm diese ob der vielen Emotionen bei einer Live-Rede mit Sicherheit entglitten.

Es passte zum Anlass, ermittelten im Schlussgang zwei von Sempachs engsten Schwingerfreunden den Sieger: Remo Käser und Kilian Wenger. Käser, Sohn von Schwingerkönig Adrian, ist neben Sempach aufgewachsen und hat ihn als Vorbild betrachtet. Die beiden verbinden zig Erlebnisse: Es begann mit gemeinsamem Kaninchenfüttern, später trieben sie sich an Kranzfesten an. «Es war schwierig, die Emotionen in den Griff zu kriegen», sagte Käser. «Emotionen kosten Energie. Und diese Energie wollte ich fürs Schwingen einsetzen.»

Wenger sprach derweil von einer «Achterbahn der Gefühle. Aber das ist der Lauf der Zeit im Sport: Einmal ist Schluss. Es war ein spezielles Fest mit Mättus ­Abschied. Ich bin der glückliche Sieger.» Sempach hatte Wenger 2008 dessen erstes Trainingsprogramm zusammengestellt; zwei Jahre später wurde der Berner Oberländer Schwingerkönig.

Wenger zum Vierten

Mit seinem Triumph – dem vierten an einem «Kantonalen» nach 2011, 2013 und 2017 – setzte Wenger seine Worte in die Tat um. Er hatte vor dem Fest angekündigt, nach bisher durchzogener Saison «nun einen draufzusetzen». Im ersten Kampf bezwang er den ­Innerschweizer Reto Nötzli mit Wyberhaken. Danach kriegte er auf dem Weg in den Schlussgang keinen «Eidgenossen» mehr in die Finger.

Von den Gästen vermochten Nick Alpiger und Lario Kramer mit der Spitze mitzuhalten, nicht aber Unspunnen-Sieger Daniel Bösch. Alpiger rang Favorit Christian Stucki einen «Gestellten» ab. Der Seeländer lag nach fünf Gängen punktgleich mit Käser hinter Wenger, hatte aber im Vergleich mit dem Oberaargauer einen «Eidgenossen» weniger auf dem Notenblatt, weshalb Käser für den Schlussgang den Vorzug erhielt.

Und Sempach? Der verlor am Ende gar noch die Stimme, nachdem er mit seinem Clubkollegen Stephan von Büren dessen ersten Teilverbandskranz frenetisch bejubelt hatte. Es war eine kleine Geschichte. Aber sie fügte sich bestens ins grosse Ganze ein.

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