Zwischen Depression und Zuversicht im Emmental

Nach dem bitteren Abstieg in die NLB beruhigt der Verwaltungsrat der SCL Tigers seine Anhänger und verspricht eine baldige Rückkehr in die Eliteklasse. Das ist einfacher gesagt als getan.

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Florian A. Lehmann@tagesanzeiger

15 Jahre lang war der Standort Langnau auf der NLA-Eishockey-Landkarte eingezeichnet gewesen. Nach der 2:3-Niederlage am Dienstagabend in Lausanne ist dies nicht mehr der Fall. Die Relegation der SCL Tigers in die NLB wurde Tatsache. Der bittere Abgang in die Zweitklassigkeit war die Folge einer Reihe von groben Schnitzern auf und neben dem Eis. Überdies stellte der Lausanne HC in der Liga-Qualifikation das bessere Team und die motivierteren Spieler. Der NLB-Champion vom Lac Léman verdiente sich die Promotion redlich. Der Club wird von einer grossen Anhängerschaft getragen und ist im Volk sehr verwurzelt. Kurzum: Der LHC ist in der Eliteliga mehr als nur willkommen, zumal er auch sportlich eine würdige Rolle spielen könnte.

Im Emmental, das man von ausserhalb gerne mal süffisant das «Tal der heulenden Winde» nennt, herrschen dagegen Depression und tiefe Trauer. Das sportliche Aushängeschild der Region hat mit der Relegation einen schweren Dämpfer erlitten. Die Frage, die sich für die Verantwortlichen ab sofort stellt: Wie geht es weiter? Da wären zunächst dringende personelle Fragen zu klären. Bleibt Interimstrainer und Sportchef Köbi Kölliker? Und was passiert mit den Spielern, deren Verträge ja nur für die Zugehörigkeit zur höchsten Klasse Gültigkeit haben? Leistungsträger wie Simon Moser, Simon Lüthi, Etienne Froidevaux oder Sami El Assaoui dürften andere sportliche Herausforderungen suchen, als im kommenden Winter gegen den HC Thurgau die Schlittschuhe zu schnüren. Verteidiger Christian Moser hat sich schon entschieden, zum EHC Biel zu wechseln.

Die Techniker sind gefordert

Wolfgang Schickli, erst seit kurzem Geschäftsführer der SCL Tigers, ist mehr als nur gefordert. Er muss zusammen mit dem Sportchef wohl ein neues Team zusammenstellen. Das ist zu diesem späten Zeitpunkt eine ganz spezielle Herausforderung. Zum Glück steht mit der sanierten Ilfis-Halle eine Infrastruktur zur Verfügung, die man als Basis für einen Neuaufbau betrachten darf. Überdies bezeichnet sich der Club als schuldenfrei. Das Budget wird in der NLB drastisch um über 30 Prozent gekürzt werden. Was den Zuschauerschnitt betrifft, so kann der Club mit einer Kulisse von 3000 bis 3500 Besuchern rechnen.

Nach der herben Enttäuschung in Lausanne hat der Verwaltungsrat der Tigers ein PR-mässiges Communiqué lanciert. «Mit ihrer erstklassigen Infrastruktur, stabilen finanziellen Verhältnissen und der qualitativ hervorragenden Nachwuchsabteilung haben die SCL Tigers beste Voraussetzungen, um in der NLB eine führende Rolle zu übernehmen. Es ist unser Ziel, innerhalb von zwei bis drei Jahren den Wiederaufstieg zu schaffen. Der Neubeginn basiert auf einem höchst soliden Unterboden.»

Ein erstes Meeting mit den Spielern

Diese Einschätzung klingt etwas gar optimistisch. Und dennoch erklärt Schickli gegenüber DerBund.ch/Newsnet: «Die Nacht nach dem Abstieg war auch für mich schlimm. Aber am Morgen bin ich aufgestanden und habe mir gesagt: Jetzt packen wir die Zukunft an.» Diese Einstellung fordert der Zürcher, der seinen Job auch eine Liga tiefer ausführen wird, auch vom Verwaltungsrat. Schickli hat trotz der sportlichen Malaise ein erstes positives Echo von Sponsoren und Anhängern, die dem SCL die Treue halten wollen, erhalten. «Bei anderen hart gesottenen Fans wird es wohl etwas länger dauern, bis sie die Situation akzeptiert haben.»

Bereits heute wird man mit den Spielern zusammensitzen, um die Lage zu erläutern. Später folgen Einzelgespräche, wobei Kölliker seine Rolle als Sportchef vorläufig wahrnehmen wird. Was mit dem Seeländer künftig passiert, soll zu einem späteren Zeitpunkt bestimmt werden. Klar ist, dass die Tigers gemäss ihrem Geschäftsführer einen Trainer suchen, der es versteht, Nachwuchsspieler ins Fanionteam einzubauen und weiterzubilden.

Am Willen, das Projekt Wiederaufstieg mutig anzupacken, fehlt es demnach nicht. Ob das Vorhaben auch in die Tat umgesetzt werden kann, wird die Zukunft zeigen. Ein gelungener Neuaufbau hängt von vielen Faktoren ab. Und dieser ist im Sport längst nicht immer planbar. Die Führung der SCL Tigers geht aber davon aus, dass in der Zweitklassigkeit die Aussicht auf Siege auf dem Eis grösser ist als zuletzt in der NLA. Das ist doch schon etwas.

DerBund.ch/Newsnet

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