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Zu viel Schonung

Lausanne verzichtet auf fünf Leistungsträger. Ein engagierter SCB profitiert und setzt sich an die Tabellenspitze.

Aaron Gagnon (links), der neue SCB-Ausländer, liess sich den Treffer zum 3:1 gutschreiben.
Aaron Gagnon (links), der neue SCB-Ausländer, liess sich den Treffer zum 3:1 gutschreiben.
Peter Klaunzer (Keystone)

Dan Ratushny ist ein Freak. Ein Eishockey-Freak. Vom 46-jährigen Kanadier weiss man vor allem eines: dass er für das Eishockey lebt. Mit Haut und Haar. Wenn andere Trainer ihre Assistenten mit dem Videostudium beauftragen, erledigt er auch das selber. Wenn andere Trainer nach einer Niederlage den Hinterausgang nehmen, stellt sich der Lausanne-Coach engagiert den Fragen. Und die können auch mal unangenehm sein.

So wie nach dem Spiel in Bern. Mutig hatte Ratushny fünf Leistungsträger zu Hause gelassen, um sie zu schonen. Übermütig könnte man es auch nennen, wenn man bedenkt, wie schmal der Grat in diesem taktischen Spielchen ist. Dem Kräftesparen steht der mögliche Verlust von Rhythmus und Selbstvertrauen gegenüber. Und vielleicht riskiert man eine Niederlage zu viel; eine Niederlage, die das schöne Momentum der Saison abhandenkommen lässt.

Denn Ratushny hat in dieser Spielzeit vieles richtig gemacht, ja, er vollbrachte ein kleines Kunststück. Mit einer Mannschaft, die auf dem Papier kaum besser ist als die der letzten Saison, hat er die Vorgabe der neuen Besitzer umgesetzt. Aus einem resultatorientierten, eher destruktiven Team ist innerhalb von Monaten ein tempofestes, attraktiv spielendes Ensemble geworden. In den beiden offensiven Paradedisziplinen, dem Toreschiessen und dem Überzahlspiel, gehören die Waadtländer gar zur nationalen Spitze.

Mögliche Punkte verschenkt?

Möglich, dass Ratushny nach der 3:6-Niederlage bewusst wurde, dass er etwas gar hoch gepokert hat. Das Spiel hatte gezeigt, dass an diesem Abend aus Bern durchaus Punkte zu entführen gewesen wären. Vielleicht hätte ein Savary, Mieville oder Conz eine der vielen Torchancen verwertet, vielleicht hätte Goalie Huet den einen oder anderen Gegentreffer verhindert. Es ist hypothetisch, aber vorstellbar. Auffallend auf jeden Fall, wie sich die Sprachregelung änderte. Vor dem Spiel hatte es geheissen, dass niemand verletzt sei, also alle Abwesenden geschont würden. Nach der Partie sagte Ratushny, sein Nummer-1-Torhüter sei nicht ganz fit gewesen.

Wie dem auch sei, den SC Bern brauchte es nicht zu kümmern. Er kam so in schöner Regelmässigkeit zu seinen Treffern und setzte sich wieder an die Tabellenspitze. Die Berner verdienten sich den Erfolg mit der weitaus besseren Chancenauswertung und Einzelspielern, die immer dann den Unterschied ausmachten, wenn die unterhaltsame Partie auf Messers Schneide stand. Torhüter Genoni sorgte im Mitteldrittel dafür, dass die Führung Bestand hielt, Blum und Andersson waren allgegenwärtig, Moser, Scherwey und Rüfenacht nimmermüde Energiebündel.

«Er hat okay gespielt»

Und da war auch noch der Neue. Aaron Gagnon spielte zwischen Rüfenacht und Ebbett. Das schien ihm zu gefallen. Nach einem Missgeschick, das zum ersten Lausanner Gegentor führte, kam der Kanadier immer besser ins Spiel und erzielte gar einen Treffer: einen von vielen Ablenkern, die das Berner Spiel so wunderbar unberechenbar und gefährlich machten. Trainer Kari Jalonen, kein Mann der blumigen Worte, sprach dem 30-Jährigen danach das verdiente Lob aus: «Er hat okay gespielt.»

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