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ZSC-Topskorer mit 2 Toren

Ronalds Kenins ist im Playoff plötzlich wieder zu einer Schlüsselfigur für die ZSC Lions geworden. Grossen Anteil daran hat Coach Hans Kossmann.

Ungewohnter Träger des Topskorerhelms: Kenins blüht in der entscheidenden Meisterschaftsphase auf. (13. März 2018)
Ungewohnter Träger des Topskorerhelms: Kenins blüht in der entscheidenden Meisterschaftsphase auf. (13. März 2018)
Melanie Duchene, Keystone

Mancher dürfte sich im Hallenstadion beim spektakulären 5:4 gegen den EVZ die Augen gerieben haben ob des ZSC-Stürmers mit dem Topskorerhelm. Fred­rik Pettersson schien nicht nur seinen Stil angepasst zu haben, plötzlich ruppiger zu spielen, sondern auch ein paar Zentimeter gewachsen zu sein. Des Rätsels Lösung: Die Punkte aus der Qualifikation werden für diese Wertung gestrichen, Verbandssponsor Postfinance vergibt die gelbe Kopfbedeckung neu dem jeweils besten Skorer im Playoff. Und da Ronalds ­Kenins zum Auftakt beim 1:4 in Zug als einziger Zürcher getroffen hatte, kam ihm diese Ehre zuteil.

«Ich war ein bisschen skeptisch, ob dieser Helm gut ist für Ronnie», sagte Coach Hans Kossmann nach dem Ausgleich in der Serie schmunzelnd. «Ich habe ihn lieber als bescheidenen Kämpfer. Aber wenn er ein Tor pro Match schiesst, ist das okay für mich.» Ein Tor pro Playoff-Spiel ergibt zwei – und damit für Kenins schon das Doppelte wie in der Qualifikation. «Ich habe mir meine Tore eben fürs Playoff aufgespart», sagt der Lette augenzwinkernd. Wobei es nicht nur die Tore waren, mit denen er im Playoff bisher gefiel. Er entwickelte die Intensität, die man in früheren ­Tagen so sehr an ihm geschätzt hatte, wuchtete Gegner an die Bande.

Sein Aufwärtstrend setzte schon Anfang Jahr ein und ist am Trainerwechsel festzumachen. Es war Ende Januar, als Kossmann sagte: «Ich glaube, ich kriege Kenins hin.» Der kräftige Flügel war nach seiner Rückkehr aus Nordamerika im Sommer 2016 nur noch ein Schatten seiner selbst gewesen. Und es half nicht, dass die neuen schwedischen Coachs nicht wussten, wie er spielen könnte. Er versuchte sich als Dribbler und Künstler, wurde zum wirkungslosen Kürläufer. Seit sich Kossmann seiner angenommen hat, spielt er seine Stärken ­wieder ­vermehrt aus.

«Kenins ist unglaublich schnell und kräftig», sagt der Coach. «Aber er spielte viel zu kompliziert, suchte den genialen Pass. Jetzt hat er sein Spiel vereinfacht. Er ist wie ein Motor, der ständig auf Hochtouren laufen muss.» Der 27-Jährige ist froh, hat er wieder einen Trainer, der ihm klar sagt, was er von ihm erwartet. Wie Bob Hartley, der ihn 2011/2012 beim ZSC einbaute. «Die Nordamerikaner sind alle gleich», sagt Kenins. «Sie sind hart mit einem und wissen, was sie tun. Das habe ich gern.» Und natürlich tue es gut, das Vertrauen des Trainers zu spüren. Aktuell spielt Kenins sogar im Powerplay – als Mann, der vor dem Tor Unruhe stiften und den Puck ablenken soll. Wie am Dienstag beim 2:1.

Die Zeit in Nordamerika, wo er von 2014 bis 2016 immerhin 43 Spiele für Vancouver bestritt, brachte Kenins aus der Bahn. Das erste Jahr war noch erfreulich, im zweiten bremste ihn früh ein Innenbandriss im Knie. Er begann zu zweifeln, kam von seinem Spiel ab. Und die Suche ging nach seiner Rückkehr zum ZSC weiter. «Jetzt weiss ich wieder, was ich tun muss», sagt er. «Ich muss Ronnie-Hockey spielen. Wenn ich etwas anderes probiere, bewirke ich nichts. Ich muss Energie ins Spiel bringen.»

Nicht den Kopf vergessen

Entscheidend sei, dass er genau wisse, was er tun wolle. «Wenn ich den Fokus habe, kann ich viel bewegen. Aber wenn ich nur die Beine habe und den Kopf zu Hause vergesse, kommt es nicht gut. Ich muss mir schon vor dem Spiel vornehmen, was ich tun will. Ich kann nicht einfach zum Stadion kommen und ­sagen: Okay, schauen wir einmal.»

Für Kenins ist das Playoff die Chance auf einen versöhnlichen Abgang bei den ZSC Lions, bei denen er zum Profi reifte. Den Wechsel zu Lausanne darf er aber noch nicht bestätigen. Zweimal wurde er Meister mit den Zürchern, 2012 und 2014. Und auch dieses Team habe alles, was es brauche, ist er überzeugt. «Wir sind läuferisch und technisch stark, haben Goalgetter, harte Spieler, Kämpfer. Wir müssen einfach alles zusammenbringen.»

So wie am Dienstag in den ersten zwei Dritteln, als nicht nur der Mann mit dem gelben Helm golden glänzte.

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