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Zirkus ZSC Lions

Der Meister verliert gegen Ambri auf spektakuläre Weise 3:4 in der Overtime.

Ambris Elias Bianchi hält gleich drei Zürcher in Schach.
Ambris Elias Bianchi hält gleich drei Zürcher in Schach.
Ennio Leanza, Keystone

Der Fantasie, wie die ZSC Lions ihre Heimspiele verlieren, scheinen in dieser Saison keine Grenzen gesetzt. Gegen Ambri sorgten sie für eine neue, spektakuläre Variante: Sie stolperten auf der Ziellinie. Eigentlich wäre es für sie ja erfreulich gewesen, als sich Ambris Goi in der 57. Minute eine Strafe einhandelte. Sie führten 3:2, schienen auf gutem Weg, ihren Vorsprung über die Zeit zu bringen. Doch dann begannen in Überzahl aus unerfindlichem Grund ihre Hände zu zittern. Prompt verloren sie den Puck in der Offensivzone, Plastino lancierte mit einem Steilpass Kubalik, und der traf mit seinem dritten Tor des Abends zum Ausgleich.

Das Interview mit Ambris Mann des Spiels, Dominik Kubalik.

Dass die Tessiner danach alle mentalen Vorteile auf ihrer ­Seite hatten, erklärt sich von selbst. Die zahlreichen Ambri-Fans sangen schon vergnügt, bevor das 4:3-Siegestor Lergs nach 107 Sekunden Überzeit fiel. Pettersson hatte den Puck in der Vorwärtsbewegung verloren, im Gegenzug kam Ambri zu einem 2-gegen-1, und Novotny spielte quer zum Siegestorschützen. Einige Zürcher Fans reagierten auf der Tribüne mit wüsten Beschimpfungen, die Tessiner Gäste sangen die «La Montanara». Ambri hat nun sechs der letzten sieben Spiele gewonnen und liegt vier Punkte über dem Strich, respektive vor den ZSC Lions.

Nach 7 Minuten schon 0:2

Die Zürcher hingegen kommen einfach nicht vom Fleck. Für Coach Serge Aubin muss es frustrierend sein, wie schnell die guten Vorsätze nach einer positiven Trainingswoche wieder weggewischt waren. Nur sieben Minuten brauchte Ambri, um im Hallenstadion 2:0 in Führung zu gehen. Zweimal traf der entfesselte Kubalik. Und es war verblüffend zu sehen, wie leicht die Zürcher Abwehr auszuspielen ist. Beim ersten Tor genügte ein Doppelpass, beim zweiten standen die Lions Spalier. Und sie durften sich bei Goalie Flüeler bedanken, dass sie im ersten Drittel nicht vier oder fünf Treffer kassierten – die Chancen dazu hätten die Gäste gehabt.

Immerhin kämpften sich die Zürcher nach ihrem Fehlstart zurück ins Spiel. Ulmann (10.) spedierte den Puck irgendwie zum 1:2 ins Tor, Backman (34.) glich aus und Bachofner (45.) traf nach elf torlosen Spielen wieder einmal – zum 3:2. Doch eben, danach sah es so aus, als wüsste der Meister nicht so recht, wie er mit dem Vorsprung umgehen sollte. «Wir hörten auf, unser Spiel zu spielen», sagte Aubin kopfschüttelnd. «Wir wurden zu passiv, drückten nicht mehr.»

Die Verunsicherung in der Mannschaft ist gross. Das unterstrich dieser Auftritt. Und daran ändert offenbar auch gutes Zureden nichts. Am Einsatzwillen mangelte es den Zürchern nicht. Doch sie sind weit davon entfernt, gefestigt zu sein.

Die Handschrift Ceredas

Ganz anders Ambri, das aus deutlich bescheideneren Mitteln das Maximum herausholt. Die Verteidiger spielen schnörkellos, vorne richtet es der Topsturm mit Kubalik, Zwerger und Müller, und die anderen versuchen, den Gegner zu beschäftigen. Die Spielweise Ambris stellt Jung­coach Luca Cereda ein grosses Kompliment aus. Vielleicht schafft er es ja, die Biancoblù erstmals seit 2014 wieder ins Playoff zu führen.

Bei den ZSC Lions stehen nun wieder drei Trainingstage an, ehe sie am Wochenende innert 16 Stunden in Lausanne und zu Hause gegen Fribourg spielen. Es wird nicht einfacher.

ZSC Lions - Ambri-Piotta 3:4 (1:2, 1:0, 1:1, 0:1) n.V.

9155 Zuschauer. - SR Stricker/Eichmann, Castelli/Haag.–Tore: 4. Kubalik (Zwerger) 0:1. 7. Kubalik (Zwerger, Müller) 0:2. 10. Ulmann (Schäppi) 1:2. 34. Backman (Bodenmann, Hollenstein) 2:2. 45. Bachofner (Suter, Pettersson) 3:2. 58. Kubalik (Plastino/Ausschluss Goi) 3:3. 62. Lerg (Novotny) 3:4.–Strafen: 2mal 2 Minuten gegen die ZSC Lions, 5mal 2 Minuten gegen Ambri-Piotta.ZSC Lions: Flüeler; Noreau, Geering; Klein, Phil Baltisberger; Karrer, Marti; Blindenbacher; Bodenmann, Backman, Hollenstein; Pettersson, Suter, Bachofner; Chris Baltisberger, Schäppi, Herzog; Hinterkircher, Prassl, Miranda; Ulmann.Ambri-Piotta: Conz; Plastino, Ngoy; Fischer, Guerra; Fora, Pinana; Kienzle; Zwerger, Müller, Kubalik; Hofer, Novotny, Lerg; Trisconi, Kostner, Bianchi; Kneubühler, Goi, Lauper; Mazzolini.Bemerkungen: ZSC Lions ohne Shore (überzähliger Ausländer), Berni (U20-Nationalmannschaft), Sutter (überzählig), Cervenka, Nilsson und Wick, Ambri-Piotta ohne D'Agostini, Dotti, Jelovac und Incir (alle verletzt). - Pfostenschuss Bodenmann (8.).

Genève-Servette - Lausanne 4:2 (1:1, 1:1, 2:0)

6428 Zuschauer. - SR Lemelin/Hebeisen, Kaderli/Wüst. - Tore: 5. Rubin (Jacquemet) 1:0. 12. Kenins (Ausschluss Borlat!) 1:1. 29. Moy (Trutmann) 1:2. 33. Douay (Richard, Tömmernes) 2:2. 48. Richard (Mercier) 3:2. 60. (59:59) Rod (ins leere Tor) 4:2. - Strafen: 2mal 2 Minuten gegen Genève-Servette, 3mal 2 Minuten gegen Lausanne.

Rangliste: 1. Zug 25/51 (79:52). 2. Bern 25/50 (73:45). 3. Biel 26/46 (85:67). 4. Lausanne 27/43 (78:65). 5. SCL Tigers 25/42 (70:60). 6. Ambri-Piotta 26/42 (72:75). 7. Fribourg-Gottéron 27/41 (72:71). 8. Genève-Servette 28/41 (70:84). 9. ZSC Lions 25/38 (61:67). 10. Lugano 25/35 (75:66). 11. Davos 25/20 (52:92). 12. Rapperswil-Jona Lakers 26/16 (41:84).

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