Wie blinde Hühner

Der SC Bern verliert zu Hause gegen den HC Lugano nach schwacher Leistung 2:5

Nicht zu stoppen: Alessio Bertaggia trifft zum 4:2 für Lugano.

Nicht zu stoppen: Alessio Bertaggia trifft zum 4:2 für Lugano.

(Bild: Keystone Peter Schneider)

Adrian Ruch

Kari Jalonen ist keiner, der zu Panikreaktionen neigt. Doch in der 32. Minute des Heimspiels gegen Lugano hat der Cheftrainer des SC Bern genug gesehen. Er bezieht beim Zwischenstand von 1:2 sein Timeout. Seine Equipe hat zuvor kein Bein vor das andere gebracht. Der SCB konnte sich in Überzahl nie im Angriffsdrittel einnisten.

Präzise Pässe hatten Seltenheitswert. Die Luganesi schnürten die energielos wirkenden Berner phasenweise in deren Zone ein. Goalie Niklas Schlegel wusste kaum, wo wehren. Der Meister war vor eigenem Publikum eine Klasse schlechter, mindestens. «Ich kann mich nicht erinnern, wann wir das letzte Mal so schlecht waren wie im zweiten Drittel», wird Eric Blum am Ende sagen.

Die Wirkung der Auszeit bleibt aus. Kurz vor der zweiten Pause, nach einem Powerplay-Treffer Alesssio Bertaggias steht es 1:3, greift Jalonen zu einer noch ungewöhnlicheren Massnahme: Er stellt seine Linien radikal um, und das nicht, weil André Heim verletzt ausgefallen ist: Inti Pestoni stürmt plötzlich mit Tristan Scherwey und Thomas Rüfenacht zusammen, Gregory Sciaroni neben Mark Arcobello sowie Simon Moser.

Pestoni als Lichtblick

Fürs Schlussdrittel werden die Formationen noch einmal etwas justiert. Doch dass die Berner nun den Ton angeben, hat mehr damit zu tun, dass sie das Engagement massiv erhöhen. Zuerst trifft Mark Arcobello den Pfosten, in der 52. Minute bringt Pestoni im Powerplay mit einem satten Direktschuss die Hoffnung zurück. «Da kam erstmals etwas Leben auf unsere Bank, zuvor hat Friedhofsstimmung geherrscht», erzählt Verteidiger Blum.

Vor einer Woche, nach dem Match gegen Davos, hatte Jalonen die Neuen gerühmt, mit einer Ausnahme. «Jetzt brauchen wir nur noch Pestoni», hielt er fest. Der Tessiner hat sich die Worte des Coachs offenbar zu Herzen genommen. Jedenfalls ist er der einzige Lichtblick an diesem bitteren Abend.

Am Anfang hatte noch nichts auf einen desolaten Auftritt des SCB hingedeutet. Pestoni fuhr in der 6. Minute mit dem Puck quer durch die Angriffszone, umkurvte mit einem Energieanfall Dario Bürgler und erwischte Sandro Zurkirchen mit einem präzisen Schuss. Rund fünf Minuten später tauchte er nach einem schnellen Antritt allein vor dem HCL-Goalie auf, der aber dieses Duell für sich entschied.

Jalonen hatte am vergangenen Samstag aber auch von «schwarzen Momenten» gesprochen, die sein Team immer wieder erlebe. Das war am Freitagabend nicht anders. Denn zwischen den beiden Aktionen Pestonis schoss der Gast zwei Tore. Kam das 1:1 durch Bürgler noch nach herrlichem Direktspiel der Besucher zustande, war das 1:2 ein Geschenk. Luca Fazzini wurde vor dem Tor so viel Raum und Zeit gewährt, dass er keine Mühe hatte, Schlegel zu bezwingen.

Blum beschönigt nach der 2:5-Niederlage nichts. «Wenn der Gegner in unserer Zone ist, werden wir nervös. Zuweilen irren wir wie blinde Hühner herum», sagt der Routinier. Warum das so ist, kann er nicht erklären. «Wir reagieren nur, statt das Zepter in die Hand zu nehmen. Das müssen wir schleunigst ändern.» In der Tat, sonst findet sich der Meister bald unter dem Strich wieder.


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