Trotz Pfostenglück ohne Punkt

Der Strichkampf wird immer enger. Der SC Bern ist in Davos zwar bis zum Ende im Spiel. Doch weil die Bündner viermal die Torumrandung treffen, ist das 3:4 verdient.

Lange Gesichter der Berner nach der Niederlage in Davos.

Lange Gesichter der Berner nach der Niederlage in Davos.

(Bild: Keystone)

Kristian Kapp@K_Krisztian_

Wer den SC Bern und seine aktuelle Situation kurz illustrieren will, soll sich die Momente rund um das zweite Gegentor in Davos in der siebten Minute des Mitteldrittels zu Gemüte führen.

Wichtig zu wissen: Die vorangegangenen sechseinhalb Minuten waren die vielleicht besten der Berner an diesem Sonntag, da gelang es nicht nur, den 0:1-Rückstand aus dem Startdrittel auszugleichen, da hätte der SCB auch schon 2:1 führen können. Zum Beispiel, als Vincent Praplan aus nächster Nähe vergab.

Doch Sekunden später spielte Verteidiger Colin Gerber den Querpass zu Ramon Untersander, der zum Fehlpass des Tages wurde: Tino Kessler und der frühere Berner Dario Meyer zogen los, 2-gegen-1-Konter, und das Heimteam führte 2:1. Es war der erste Davoser Schuss im Mitteldrittel.

Und was folgte, passte eben auch zum SCB, Ausgabe 2019/2020. Es drohte kurz der totale Einbruch. Es vergingen keine drei Minuten, da hatte Davos nicht nur nochmals ge­troffen, sondern auch noch Pfosten und Latte dreimal erklingen lassen – das Metall ertönte hinter Berns Goalie Tomi Karhunen noch im Mitteldrittel gar ein viertes Mal. «Ja, all das widerspiegelt unser Leben derzeit», sagte Untersander später.

Spielfreude gegen Krampf

Der SCB in dieser Saison ist aber auch das hier: Weder 4:1 noch 5:1 oder gar 6:1 fielen, sondern plötzlich das 3:2 durch Andrew Ebbett. Das war auch Glück, aber dennoch nicht ganz verkehrt, weil eines den Bernern nicht vor­geworfen werden konnte: mangelnder Kampfgeist. Aber viel mehr war da halt nicht.

Klar, lässt es sich an der Spitze befreiter aufspielen, Davos ist nach Verlustpunkten gar Leader. Es war dennoch erstaunlich, wie sehr die Bündner phasenweise spielerisch besser waren, wie einfach sie sich Chancen herausspielten. Das war oft Spielfreude gegen Krampf und Kampf.

Immerhin, so selbstverständlich das auch sein sollte, ist der Kampf noch da beim SCB: Das ist auch einer der letzten Stroh­halme, an den sich der Meister klammern kann im Rennen um einen Playoff-Platz. Die Berner verkürzten zum 2:3, und im letzten Drittel, als Davos mehrfach das 5:2 verpasst hatte, auch noch zum 3:4.

Und plötzlich war die Schlussphase ein Krimi, hätte Jan Mursak im Schlussspurt fast ausgeglichen. «Ja, wir krampfen, kämpfen, probieren», sagte Untersander. «Doch oft reicht irgendwas kleines, das dazwischenkommt, damit wieder alles in die falsche Richtung läuft.»

Aber nein, man spiele nicht grundsätzlich schlecht, schob Untersander nach: «Wir sind ja immer dran.» Die Resultate geben ihm recht, die Fülle an engen Berner Spielen ist faszinierend: Elf der letzten zwölf SCB-Partien wurden durch einen Treffer Unterschied entschieden, fünf gewann Bern, sechs der Gegner. Das ist vor allem mental anstrengend, das verneint auch Untersander nicht: «Wir spielen quasi schon Playoff, auch da gibts meist fast nur enge Spiele.»

Freiwillig mit 5 Verteidigern

Was indes eher gegen Bern spricht: Wer dauernd derart grossen Aufwand betreiben muss, um hin und wieder Erfolgserlebnisse zu feiern, dem geht schneller die Energie aus. Es ist kaum Zufall, dass Davos frischer wirkte, obwohl auch die Bündner am Vorabend im Einsatz standen wie Bern beim 3:4 nach Verlängerung gegen Genf.

Das Forcieren der Topkräfte von Coach Jalonen ist dokumentiert. Nicht nur spielten die üblichen Verdächtigen im Sturm (Moser, Ebbett, Arcobello, Rüfenacht) wieder viel, auch in der Abwehr agierte Bern fast nur mit fünf Verteidigern, im Schlussdrittel kam Colin Gerber, die Nummer 6, kaum noch zum Einsatz. Weitere Abwehrspieler nahm Bern gar nicht erst mit nach Davos. Die drängende Frage: Wird die Kraft so reichen für einen Endspurt mit Happy End?

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