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Streits Vorfreude auf die Insel

In zwei Wochen beginnt für den Berner NHL-Pionier in New York ein neuer Karriereabschnitt.

Vieles ist bei Mark Streit wie jeden Sommer, seit er vor drei Jahren aufbrach, die NHL zu erobern. Er absolviert in der Heimat ein individuelles Programm nach den Plänen seines persönlichen Trainers Harry Andereggen, pflegt Kontakte mit Familie und Freunden, nimmt Medientermine wahr. Und er ist, je nach Vorbereitungsprogramm, zu Gast in den Teamtrainings des SC Bern und der ZSC Lions.

Intensive Trainings unter Simpson

Vergangene Woche war er wieder mit seinem letzten Schweizer Klub auf dem Eis, in der Oerliker Neudorf-Halle, die in der ZSC-Exilsaison 2004/05 zum «Stadiönli» ausgebaut war, als Streit zuletzt in der Schweiz spielte. Neu ist dabei auch für Streit der Zürcher Coach Sean Simpson, dessen Trainings er als sehr intensiv bezeichnet. Neu sind aber auch einige seiner Ausrüstungsgegenstände, etwa der dunkelblaue Helm, auf dem das Logo der New York Islanders prangt.

«Ich freue mich riesig auf die neue Herausforderung», sagt der 30-Jährige nach dem Training im Stadionrestaurant. «Für meine Entwicklung als Spieler und als Mensch wird es ein wichtiger Schritt.» Auf Long Island sei er aber noch nicht gewesen, seit er bei den Islanders am 1. Juli einen Vertrag für die nächsten fünf Jahre unterschrieb, erzählt Streit. Die Kleidungsstücke in seinen neuen Klubfarben liess er sich nach Montreal schicken, als er dort ein paar Tage verbrachte, um seine alte Wohnung aufzulösen. Streit ist in seinem neuen Klub kein kleiner Schweizer, sondern ein Star - und mit einem Jahreslohn von 4,1 Millionen Dollar einer der bestverdienenden Spieler.

«Ich spüre keinen Druck, weil ich jetzt mehr Geld bekomme», sagt Streit. «Mental ist es für mich eher einfacher, weil ich weiss, dass ich das Vertrauen des Klubs und des Trainers habe.» In der Fachpresse wird Streit aufgrund seines neuen Status allerdings schon zwei Wochen vor Beginn des Trainingscamps wesentlich stärker beachtet - und kritischer. So schreibt die renommierte «Hockey News» in ihrer neusten Ausgabe, Streit verdiene in New York mehr, als er wert sei. Und «Sports Illustrated» führte ihn am vergangenen Wochenende gar auf Platz 5 einer Liste von Transfers, welche die hohen Erwartungen enttäuschen könnten.

«Mit den Erwartungen der Öffentlichkeit habe ich mich nie beschäftigt», sagt Streit schulterzuckend. Und damit ist er bisher gut gefahren. Immerhin geben ihm solche Einschätzungen eine Chance, die Erwartungen zu übertreffen. Wie er das in jeder der drei letzten Saisons bei den Montreal Canadiens getan hat.

Noch viel ausgeprägter als die Skepsis gegenüber Streits persönlichen Perspektiven ist aber diejenige gegenüber den Aussichten seines Teams: Keiner der unzähligen NHL-Experten hält eine Playoff-Teilnahme der Islanders für möglich. Vor allem die Offensive sei dafür schlicht zu schwach besetzt. Tatsächlich gibt es in diesem Team keinen, der in der vergangenen Saison auch nur in die Nähe von Streits 62 Skorerpunkten gekommen wäre.

Falls es nicht fürs Playoff reicht, lockt die WM in der Heimatstadt

Als durch und durch ehrgeiziger Profi glaubt Streit natürlich trotzdem an eine Chance: «Letztes Jahr in Montreal haben uns auch alle abgeschrieben, und dann waren wir Erste im Osten.» Er sagt aber auch: «Die Islanders setzen wohl künftig mehr auf Junge. Vielleicht dauert es länger als ein, zwei Jahre, bis die neue Strategie Erfolg bringt.» Eigentlich kann Streit diese Saison aber nur gewinnen. Würde er mit den Islanders das Playoff erreichen, wäre das der grösste Erfolg seiner Karriere. Und wenn es doch nicht reicht, bleibt ihm als Trostpreis das Highlight einer WM in seiner Heimatstadt Bern: «Falls ich dann Zeit habe und gesund bin, lasse ich mir das natürlich nicht entgehen.»

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