«Sie haben eingesehen, wie langweilig wir Finnen doch spielten»

Antti Törmänen erlebt beim EHC Biel eine Premiere in seiner Trainerkarriere.

Will Spieler, die mitdenken: Biel-Coach Antti Törmänen.

Will Spieler, die mitdenken: Biel-Coach Antti Törmänen.

(Bild: Keystone Marcel Bieri)

Kristian Kapp@K_Krisztian_

Nun ist er also wieder da. Antti Törmänen, der Berner Meistertrainer von 2013.

Törmänen, der damals, im Oktober 2011, vom Assistenten von Larry Huras selber zum Headcoach befördert wurde, weil – welch eine Geschichte! – der Kanadier wegen unattraktiver Spielweise gefeuert worden war.

Törmänen, der dann bloss 25 Monate später als jener SCB-Trainer in die Annalen einging, der trotz zweier Finalteilnahmen in zwei Jahren wegen ein paar Niederlagen selber die Koffer packen musste.

Der «nette Finne»

Heute sagt Törmänen: «Das Gute an der Zeit ist, dass sie vergeht und alles in die richtige Perspektive rückt.» Was er damit meint: Nein, einfach zu akzeptieren sei das nicht gewesen. Aber auch: Nein, allzu lange habe er nicht daran herumgekaut.

Was Törmänen auch nicht tut, ist, öffentlich schmutzige Wäsche waschen, auch drei Jahre später nicht. Es passte nicht zu seinem Wesen. Als der freundliche Finne wird der 47-Jährige aus Espoo oft beschrieben, was nett tönen mag, aber dennoch einen zynischen Unterton hat.

Dass er sich das als moderner, anti-autoritärer Coach selbst eingebrockt hat, mag stimmen. Törmänen sieht das anders, beschrieb sich schon zu Berner Zeiten als Trainer, der Spieler bevorzuge, die mitdenken, der eine Atmosphäre kreieren wolle, in der jeder Spieler seine Meinung einbringen könne.

Es hat schon beinahe etwas Komödiantisches, dass Törmänen in Bern durch Guy Boucher ersetzt wurde – den Kanadier, der den strengen Bandengeneral mit kompromissloser Systemtreue, millimetergenauen Drills und stechendem Blicken fast schon karikiert.

Der Wandel in Finnland

Törmänen hat sich in seinem Wesen und seinem Wirken seit seinem Abschied aus Bern nicht verändert. Auch wenn er die letzten drei Saisons bei IFK Helsinki verbrachte, also in jener Liga, die unter den europäischen Eishockey-Nationen als am stärksten von Taktik, Struktur und Defensive geprägt gilt.

Da finde in Finnland seit letzter Saison aber auch ein Sinneswandel statt, wehrt sich Törmänen. Zu verdanken sei dies den Spielern, sagt Törmänen. «Vor allem der neuen Generation, die bereits bei den Jungen offener gecoacht wurde – weg von diesem ständigen Abwarten, weg vom Schach auf Eis. Sie haben eingesehen, wie langweilig wir Finnen doch spielten.»

Bern und Helsinki sind anders

Treu geblieben, wenn auch ungewollt, ist Törmänen einem unheimlichen Muster, das ihn seit zehn Jahren verfolgt: Seine Mannschaft blickt Ende Saison entweder auf Trainerwechsel oder Finalteilnahmen zurück – neunmal schon war das der Fall.

Das habe zwar zweifellos etwas Komisches an sich, sagt Törmänen. Es zeige aber die Extreme auf, denen ein Trainer ausgesetzt sei: «Wenn du eine sichere Karriere willst, solltest du nicht Coach werden.»

Und da ist auch noch etwas Neues bei Törmänen und diesem Job in Biel. Ob in Helsinki oder Bern; ob als Assistent bei Jokerit, als Headcoach bei IFK oder in beiden Funktionen beim SCB: Stets waren es Clubs, die sich in der Arroganz des Selbstverständlichen ausschliesslich an Titeln massen.

«Das hat Gutes, wenn du im Streben nach Erfolg härter arbeitest, und Schlechtes, wenn du dich bloss deines Namens wegen im Alltag als etwas Grosses siehst», sagt Törmänen – er hat beides erlebt. Bei EHC Biel ist das diametral anders, vom Titel spricht kaum jemand.

«Viele Jahre» in Biel?

Ob Törmänen darum Ruhe verspürt? Er verneint vehement. Seine einzige Saison als NHL-Spieler, 95/96 in Ottawa, hat ihn geprägt: Es war eine skurrile Situation, als Mitspieler zufrieden waren, wenn sie ihre Tore schossen – dass die Mannschaft von 82 Spielen nur 18 gewann, sei für viele nebensächlich gewesen.

«Ich war immer der Typ, der siegen will», sagt Törmänen. Länderspiele gegen übermächtig scheinende Kanadier oder Russen habe er als wunderbare Challenge gesehen. «‹David gegen Goliath, euch zeige ich es!› Das war mein Motto.»

Da lassen sich Parallelen zu Biel ziehen: «Natürlich weisst du nie, wann deine Tätigkeit endet. 15 Jahre? 2 Wochen? Aber so denke ich nicht.» Er sei hier mit vollem Herzen dabei, sagt Törmänen, mit einem Fokus: «Wie wir besser werden, wie die Spieler besser werden. Wie wir viele Jahre zusammenarbeiten können.»

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