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Schweizer Junioren-Duo: Klein, aber oho

Mit Tim Wieser und Kay Schweri kann die Schweiz an der U-20-WM in Kanada auf ein eingespieltes und in der Québec Major Junior Hockey League erfolgreiches Duo zurückgreifen.

Grösse kein Handicap: Tim Wieser will so lange wie möglich seine Chance in Übersee suchen.
Grösse kein Handicap: Tim Wieser will so lange wie möglich seine Chance in Übersee suchen.
www.hockeyphoenix.ca

Tim Wieser und Kay Schweri dürften in der Schweiz nur Insidern bekannt sein, bei den Sherbrooke Phoenix haben sie sich aber in die Herzen der Eishockey-Fans gespielt. Der 19-jährige Wieser schoss in 32 Saisonpartien sagenhafte 30 Tore, so viele wie kein anderer Spieler in der QMJHL. Damit hat er bereits doppelt so viele Treffer erzielt wie in der gesamten vergangenen Saison. Die immense Steigerung ist zum grossen Teil darauf zurückzuführen, dass auch Schweri seit dieser Spielzeit für Sherbrooke spielt. Der Flügelstürmer verfügt über eine enorme Eishockey-Intelligenz, weshalb er schon 40 Treffer seines Teams vorbereitet hat. Mehr Assists sind bislang einzig dem Liga-Topskorer Conor Garland gelungen. Zudem ist Schweri mit 47 Skorerpunkten der zweitbeste Rookie in der laufenden Meisterschaft.

«Die Chemie zwischen uns stimmt sehr gut», sagte Wieser. «Im Training machen wir jede Übung zusammen.» Kein Wunder verstehen sich die beiden, die schon in der Schweiz bei den Kloten Flyers zeitweise zusammengespielt haben, nahezu blind. Auch neben dem Eis verbringen sie den ganzen Tag zusammen, obwohl sie bei verschiedenen Gastfamilien untergebracht sind.

«Jeder kann sagen, was er will»

Trotz der eindrücklichen Kaltblütigkeit dürfte Wieser aber auch im nächsten NHL-Draft nicht gezogen werden. Die Erklärung ist einfach: Er ist mit 1,68 Meter zu klein. «Die Grösse war bei mir immer Gesprächsstoff», sagte der Cousin von Fribourg-Keeper Melvin Nyffeler. «Ich weiss, dass die Scouts stark auf die Grösse schauen.» Allerdings hatte es schon bei seinem Wechsel nach Kanada geheissen, dass er sich nicht durchsetzen könne. Dies widerlegte er dank seiner Schnelligkeit und Cleverness eindrücklich. «So lange es mir läuft und ich Erfolg habe, kann jeder sagen, was er will», so Wieser. Seine Hoffnung ist, dass er von einer NHL-Organisation in ein Camp eingeladen wird. In diesem Fall würde er wohl eher in Nordamerika bleiben und nicht in die Schweiz zurückkehren. «Wenn es nicht klappt, bin ich nicht traurig und enttäuscht. Die NHL ist sicher ein Traum, aber ich spiele nicht Eishockey für die NHL.»

Zu Beginn war es für Wieser in Kanada nicht einfach gewesen. Einerseits ist er ein Familienmensch, andererseits gab es auch die Sprachbarriere. Er lernte aber sehr schnell Englisch, fand neue Freunde. Mittlerweile gefällt es ihm sehr gut, weshalb er den damaligen Schritt überhaupt nicht bereut. «Ich bin hier mental stark geworden», sagte Wieser. Dies zeigt sich auch in seinen Aussagen bezüglich der U20-WM. «Jeder will irgendwann mal Weltmeister werden, wieso nicht die Schweiz? Es sei immer alles möglich, wenn es im Kopf stimme. Er wolle den Nordamerikanern zeigen, dass sie nicht die kleine Schweiz seien. «Ich denke, dass unsere Chancen gut sind. Wir haben einen guten Mix.»

In die gleiche Richtung äusserte sich Schweri: «Wir können viel erreichen mit diesem Team. Es kann aber in beide Richtungen schnell gehen.» Mit dem Engagement in Sherbrooke war für ihn ein Kindheitswunsch in Erfüllung gegangen, da er sich mit den Besten messen will. «Ich bin glücklich, hier zu sein», sagte Schweri, der morgen (Sonntag) 18 Jahre alt wird. Der erste Monat sei für ihn allerdings schwierig gewesen.

Im Gegensatz zu Wieser dürfte Schweri im kommenden Draft in Sunrise, Florida berücksichtigt werden, er wird derzeit als «C-Kandidat» (Runden 4 bis 6) gehandelt. Auch bei ihm ist die geringe Grösse (1,74 m) ein negativer Faktor. So oder so bleibt er sicher noch mindestens ein Jahr in Nordamerika. «Für mich ist das der beste Weg», sagte Schweri, der vor gut einem Jahr in Lugano einmal in der NLA bei den Flyers zum Einsatz gekommen ist. Um in die NHL zu kommen, würde er sich auch durch die AHL durchkämpfen. Zuerst einmal gilt sein Augenmerk der U-20-WM, will er doch auch dort mit Wieser für Furore sorgen. Die erste Gelegenheit bietet sich in der Nacht auf Sonntag gegen Tschechien.

si

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