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Kämpferisches Nationalteam schlecht belohnt

Die Schweiz hat an der Eishockey-WM Olympiasieger Russland stark gefordert. Am Ende setzt sich der Favorit 4:3 durch.

Grosser Kampf, wenig Ertrag: Nino Niederreiter und die Schweiz holen gegen Russland keinen Punkt. (12. Mai 2018)
Grosser Kampf, wenig Ertrag: Nino Niederreiter und die Schweiz holen gegen Russland keinen Punkt. (12. Mai 2018)
Helmut Föhringer, AFP
Zu recht geht der Olympiasieger durch Kirill Kaprisow mit 1:0 in Führung.
Zu recht geht der Olympiasieger durch Kirill Kaprisow mit 1:0 in Führung.
Salvatore Di Nolfi, Keystone
Am Ende bleibt nur der Trost, grossartig gekämpft zu haben. Erstmals seit langer Zeit holt das Nationalteam an einem WM-Spiel keinen Punkt.
Am Ende bleibt nur der Trost, grossartig gekämpft zu haben. Erstmals seit langer Zeit holt das Nationalteam an einem WM-Spiel keinen Punkt.
Salvatore Di Nolfi, Keystone
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Die Schweizer Nationalmannschaft punktete erstmals nach elf WM-Gruppenspielen nicht. Das Team von Trainer Patrick Fischer unterlag Russland in Kopenhagen knapp.

Im Gegensatz zu den ersten vier Partien, in denen die Schweizer zugleich das Zepter übernommen hatten, lautete die Devise gegen die Russen, defensiv kompakt zu stehen. Das gelang insofern, als der Olympiasieger nicht viele Torschüsse (23) verzeichnete. Allerdings unterliefen der SIHF-Auswahl zu viele Fehler, um gegen einen Gegner eines solchen Kalibers zu bestehen.

Individuelle Fehler in der Defensive

Beim 0:1 von Kirill Kaprisow in der 23. Minute fehlte die defensive Zuordnung, waren die Schweizer zu stark auf den Puck fokussiert. Das 1:2 von Jewgeni Dadonow (28.) fiel nur 72 Sekunden nach dem 1:1 im Powerplay erzielten Ausgleich von Ramon Untersander (27.). Dem Tor ging ausgerechnet ein Fehler von Untersander voraus. In der letzten Minute des Mittelabschnitts hatten die Schweizer zu viele Spieler auf dem Eis, nachdem zuvor schon der kämpferisch einmal mehr überzeugende Tristan Scherwey eine Strafe kassiert hatte. Diese Chance liessen sich die Russen nicht nehmen – Nikita Nesterow gelang drei Sekunden vor der zweiten Pause das 3:1. Der Favorit benötigte für die drei Treffer in den zweiten 20 Minuten gerademal sieben Torschüsse.

Zwar führten die Russen wie erwartet die feinere Klinge, die Schweizer hatten aber durchaus auch ihre Möglichkeiten. In der 34. Minute vergab Timo Meier im Powerplay eine sehr gute Chance zum 2:2. Der Stürmer der San Jose Sharks schaffte es aus kurzer Distanz nicht, den Puck über den Schoner des russischen Keepers Wasili Koschetschkin zu bringen. Es wäre das zweite Tor in Überzahl gewesen, gegen einen Gegner notabene, der zuvor im Boxplay eine makellose Bilanz ausgewiesen hatte. Das 1:1 von Untersander, der nach einem Pass von Dean Kukan mit einem Direktschuss reüssierte, war äusserst sehenswert. Für den Berner Verteidiger war es im 32. Länderspiel das zweite Tor, das erste an einer WM.

Starkes Zeichen am Schluss

Im Schlussabschnitt sah es zunächst danach aus, als würden die Russen den Dreier ohne grössere Probleme über die Zeit bringen. In der 52. Minute zeichnete dann allerdings Sven Andrighetto mit seinem zweiten Treffer an diesem Turnier für das 2:3 verantwortlich. Das gab den Schweizern sichtlich Auftrieb. Auch nach dem 2:4 von Michail Grigorenko nach einem schönen Konter (57.) gab sie nicht auf. 108 Sekunden vor dem Ende verkürzte Gaëtan Haas bei sechs gegen vier Feldspielern erneut. Und beinahe wäre Enzo Corvi kurz vor der Schlusssirene noch das 4:4 gelungen, er scheiterte aber am Pfosten.

Wie das Überzahlspiel konnte sich bei den Schweizern auch das Boxplay sehen lassen. Jedenfalls hatten die Russen, die zuvor im Powerplay auf eine Erfolgsquote von 44,44 Prozent gekommen waren, mit einem Mann mehr grosse Mühe, sich im Drittel der Schweizer zu installieren.

Mit dem 0:0 nach 20 Minuten waren die Schweizer gut bedient. Die Russen scheiterten gleich dreimal an der Torumrandung, zweimal in den ersten vier Minuten. Insofern ging der Erfolg für den Rekord-Weltmeister insgesamt in Ordnung. Die Schweizer müssen somit weiterhin auf den ersten WM-Sieg gegen die Russen seit dem Jahr 2000 warten, als sie sensationell 3:2 gewonnen haben. Patrick Fischer war damals noch Spieler. Seither gab es bloss noch ein Unentschieden – 3:3 im Jahr 2005 in Wien. Die Niederlage vom Samstag war die zehnte gegen Russland seit 2000. Bereits am Sonntagabend geht es für die Schweizer mit der Partie gegen Titelverteidiger Schweden weiter.

Russland - Schweiz 4:3 (0:0, 3:1, 1:2) Kopenhagen. - 12'366 Zuschauer (ausverkauft). - SR Kubus/Schukies (SVK/GER), Davis/Kilian (USA/NOR). - Tore: 23. Kaprisow (Dazjuk, Gussew) 1:0. 27. (26:35) Untersander (Kukan, Corvi/Ausschluss Bereglasow) 1:1. 28. (27:47) Dadonow (Anissimow) 2:1. 40. (39:57) Nesterow (Gussew, Dazjuk/Asschlüsse Scherwey, Niederreiter) 3:1. 52. Andrighetto (Meier, Vermin) 3:2. 57. Grigorenko (Anissimow, Gawrikow) 4:2. 59. Haas (Andrighetto, Niederreiter/Ausschluss Kaprisow) 4:3 (ohne Goalie). - Strafen: je 4mal 2 Minuten. Russland: Koschetschkin; Gawrikow, Kisselewitsch; Saizew, Nesterow; Bereglasow, Jakowlew; Trjamkin; Dadonow, Andronow, Mamin; Butschnewitsch, Anissimow, Grigorenko; Kaprisow, Dazjuk, Gussew; Schalunow, Kablukow, Barabanow; Michejew. Schweiz:Berra; Diaz, Müller; Untersander, Kukan; Fora, Frick; Genazzi; Rod, Haas, Scherwey; Niederreiter, Corvi, Moser; Meier, Vermin, Andrighetto; Baltisberger, Schäppi, Hofmann; Riat. Bemerkungen: Schweiz ohne Genoni (Ersatztorhüter), Senn (überzählig), Josi, Fiala (beide noch nicht angekommen), Walser (nicht angemeldet) und Siegenthaler (abgereist). - Pfosten-Lattenschüsse: Gussew (3.), Dadonow (4.), 11. Saizew, 60. Corvi. - Timeouts: Schweiz (58:12); Russland (59:01). Schweiz von 56:48 bis 58:12 und ab 58:28 ohne Goalie. - Schüsse: Russland 23 (8-7-8); Schweiz 27 (5-9-13). - Powerplay-Ausbeute: Russland 1/4; Schweiz 2/4.

Rangliste: 1. Schweden 5/14. 2. Russland 5/13. 3. Tschechien 5/9. 4. Schweiz 5/9. 5. Slowakei 5/8. 6. Frankreich 5/6. 7. Österreich 6/4. 8. Weissrussland 6/0.

SDA/fal

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