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Der Traum vom Meistertitel ist für den SCB zum Greifen nah

Drei Matchpucks: Der SC Bern bezwingt Lugano und kann am Dienstag Meister werden. Cory Conacher schiesst die Mutzen in der 77. Minute ins Glück.

Cory Conacher schiesst den SC Bern zum dritten Sieg gegen den HC Lugano.
Cory Conacher schiesst den SC Bern zum dritten Sieg gegen den HC Lugano.
Peter Schneider, Keystone
Die Berner Fans verwandeln die PostFinance-Arena in ein Tollhaus.
Die Berner Fans verwandeln die PostFinance-Arena in ein Tollhaus.
Alessandro della Valle, Keystone
Lugano-Coach Doug Shedden muss für das fünfte Finalspiel vom Dienstag über die Bücher, wenn er die Serie noch verlängern will.
Lugano-Coach Doug Shedden muss für das fünfte Finalspiel vom Dienstag über die Bücher, wenn er die Serie noch verlängern will.
Peter Schneider, Keystone
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Der SC Bern steht dicht vor dem 14. Titelgewinn der Vereinsgeschichte. Dank dem zweiten Overtime-Sieg in Folge (2:1) gegen Lugano liegen alle Playoff-Final-Vorteile beim SCB.

Als Cory Conacher in der 77. Minute im Powerplay das 2:1 erzwang, traf der Topskorer Berns die Bianconeri mitten ins Herz. Den Ausgleich hatten sie erst in der 56. Minuten hinnehmen müssen, den endgültigen Knock-out erlitten sie 233 Sekunden vor dem möglichen Penaltyschiessen. Das Stadion bebte, die Anhänger der bitteren Verlierer tobten und zündeten ohrenbetäubende Böller.

Obschon die Vertreter des HC Lugano auf einen weiteren Auftritt mit Wild-West-Methoden im eigenen sportlichen Interesse verzichtet hatten, standen sie zum dritten Mal in Folge mit leeren Händen und Köpfen da. Der gemässigtere Stil wirkte lange optisch positiv aus, im Kernbereich hingegen veränderte sich nichts. Das negative Ergebnis in der siebten Overtime seit Beginn der «Crunch Time» liess sich nicht mehr abwenden.

Berns Ausgleich vier Minuten vor Schluss

Das zermürbende 1:3 in der Gesamtabrechnung wäre zu vermeiden gewesen. Nachdem zuletzt weder eine ultradefensive Haltung noch die rustikale und bisweilen gehässige Strategie zielführend war, näherten sich die Südschweizer mit einer Mixtur aus taktischer Zurückhaltung und Disziplin bis tief in das dritte Drittel einem Coup.

In einer mehrheitlich eher zähflüssigen Angelegenheit entglitt Lugano der maximale Ertrag erst im Finish der regulären Spielzeit. Am letzten Dienstag hatte der SCB nach 56 Minuten das entscheidende 1:0 erzielt, nun korrigierte Simon Moser zum gleichen Zeitpunkt Tim Stapletons 1:0 (17.).

Der kräftige Flügel belohnte seine Equipe, die grösstenteils einen erheblichen Aufwand betrieben hatte, aber von der eigenen Ineffizienz oder Luganos Keeper Elvis Merzlikins gestoppt wurde. Und in der zweiten Zusatzschicht innerhalb von 48 Stunden wiederholte sich die Geschichte: Bern verschärfte das Tempo, die physisch ausgezehrten Luganesi taumelten abermals bis zum bitteren Déjà-vu-Effekt.

Bodenmann entgeht Strafe

Dass ihnen mit dem angeschlagenen Damien Brunner - der beste Schweizer Stürmer verletzte sich wegen eines Rencontres mit Bodenmann - ausgerechnet in der Overtime ein möglicher Matchwinner nicht mehr zur Verfügung stand, weitete den Frust der Tessiner zusätzlich aus.

Bern hingegen zelebierte trotz erbitterten Widerstands den sechsten Heimsieg in Serie. Vor 17'031 Zuschauern liessen sich die Meister der knappen Entscheidungen - bei zehn ihrer elf Siege genügte die minimale Differenz - die Chance nicht entgehen, sich drei Titelpucks zu erkämpfen. Gemessen an der mentalen Verfassung der angezählten Herausforderer mutmasslich eine ideale SCB-Konstellation.

Sheddens Risiko

Das erste Signal hatte Doug Shedden schon vor dem ersten Puckeinwurf gesandt. Mit seinem Entscheid, Tim Stapleton für den zweimal in Folge enttäuschenden Fredrik Pettersson zu nominieren, entzog einem Drittel seiner schwedischen Fraktion im kapitalen vierten Spiel der umstrittenen Serie das Vertrauen.

Shedden riskierte viel - und verlor fast alles. Die Tre-Kronor-Formation hatte in der bisherigen Playoff-Kampagne 41 Skorerpunkte produziert. In guten Momenten pflegen die Nordländer in Eigenregie für den Unterschied zu sorgen. Sowohl beim 0:1 in Bern als auch auf dem Weg zur Overtime-Niederlage vor zwei Tagen kam das Trio indes nicht mehr wie gewünscht auf Touren.

Zunächst kritisierte Shedden die Hochlohnbezüger nur öffentlich, nun handelte er. Anstelle des letztjährigen NLA-Topskorers stand der während zwei Wochen überzählige Amerikaner Stapleton im Rink. Und ausgerechnet der in diesem Winter (zu) oft blasse US-Boy hielt die Hoffnung Luganos auf ein Comeback mit seiner ersten gelungenen Powerplay-Aktion lange offen.

Beat Kaufmanns Zurückhaltung

Ob die teilweise unschönen Szenen im ersten Final-Heimspiel Luganos - das Publikum verursachte diverse zusätzliche Reinigungseinsätze - ein Nachspiel haben, ist nach wie vor unklar. Die Liga schweigt. Hinter den Kulissen zumindest soll bei den Tessinern ein deutlicher Hinweis platziert worden sein, dass künftig die reglementarischen Vorgaben auch in der Resega restlos umzusetzen.

Beat Kaufmann, beim Verband als Head of Referees engagiert, kommentiert die teilweise kontaminierte Ambiance mit der offenbar gebotenen Zurückhaltung: «Ich will die Probleme nicht grösser machen und auch nicht einen bestimmten Verein kritisieren.» Die Angelegenheit ist heikel, ganz unbefangen ist er als früherer Präsident der Luganesi nicht.

Zusammen mit dem Schiedsrichter-Chef Brent Reiber wurde Kaufmann im Sottoceneri während und nach dem wilden Schlagabtausch der Finalisten (3:2 für den SCB) am vergangenen Donnerstag verbal unter der Gürtellinie attackiert.

Bern - Lugano 2:1 (0:1, 0:0, 1:0, 1:0) n.V. 17'031 Zuschauer. - SR Vinnerborg/Wiegand, Borga/Kaderli. Tore: 17. Stapleton (Klasen, Furrer) 0:1. 56. Moser (Ebbett, Bodenmann) 1:1. 77. Conacher (Untersander, Ebbett/Ausschluss Hofmann) 2:1. - Strafen: 5mal 2 Minuten gegen Bern, 9mal 2 Minuten gegen Lugano. PostFinance-Topskorer: Conacher; Klasen.Bern: Stepanek; Jobin, Untersander; Krueger, Blum; Helbling, Gerber; Flurin Randegger; Bodenmann, Ebbett, Moser; Conacher, Roy, Rüfenacht; Reichert, Plüss, Scherwey; Alain Berger, Pascal Berger, Gian-Andrea Randegger; Müller.Lugano: Merzlikins; Chiesa, Furrer; Ulmer, Vauclair; Hirschi, Kparghai; Kienzle; Walker, Sannitz, Lapierre; Brunner, Martensson, Klasen; Bertaggia, Stapleton, Hofmann; Kostner, Schlagenhauf, Reuille; Fazzini.Bemerkungen: Bern ohne Luca Hischier, Kobasew, Bergenheim, Bührer, Kousa (alle verletzt), Kreis, Ness, Smith, Kämpf (alle überzählig), Lugano ohne Steinmann, Morini (beide verletzt), Pettersson, Dal Pian, Sartori, Romanenghi (alle überzählig). 64. Brunner verletzt ausgeschieden.

SDA

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