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Nur noch Jobin

19 Jahre lang spielte David Jobin für den SC Bern. Mit seiner Ehrung vor der Partie Bern - Biel schliesst sich für den Immobilienfachmann am Samstag das Kapitel Eishockey.

Als Zuschauer und von der Tribüne aus sehe alles so einfach aus, sagt der langjährige Eishockeyprofi David Jobin.
Als Zuschauer und von der Tribüne aus sehe alles so einfach aus, sagt der langjährige Eishockeyprofi David Jobin.
Adrian Moser

Die 72 war seine Nummer – und das wird sie auch bleiben. Heute vor dem Spiel gegen den EHC Biel wird das Trikot von David Jobin unter das Dach der Postfinance-Arena gezogen, die 72 wird im SCB von nun an gesperrt sein. Ausgewählt hatte Jobin diese Zahl einfach, weil sie ihm gefiel, weil er nicht wie viele andere Spieler seinen Jahrgang als Nummer wollte. Sie erinnert an seine Karriere, 19 Jahre hatte er beim SC Bern verbracht. Zuverlässig, unaufgeregt, ruhig: 932 NLA-Partien bestritt der Verteidiger für die Berner – das ist Vereinsrekord – und gewann fünf Meistertitel. Den letzten gab es zum Abschied im Frühjahr dieses Jahres.

Knapp acht Monate sind seither vergangen, bei David Jobin hat sich einiges verändert. «Mein Leben ist total anders», sagt er. Es hat seine Vorzüge, das Leben nach der Karriere: nicht dauernd überlegen zu müssen, ob am nächsten Tag ein Spiel ist, weniger Druck, freie Wochenenden zu Hause bei der Familie, Zeit mit den zwei Kindern verbringen, Ferien besser planen können, am Abend Freunde besuchen. Solche Dinge, die für einen professionellen Eishockeyspieler keine Selbstverständlichkeit sind, geniesst Jobin.

Nach dem Ende seiner Karriere machte er zuerst einmal eine Pause, war bei seiner Familie und ging auf Reisen. Anfang Oktober nahm er dann seine neue Arbeit auf. Nicht mehr mit Stock und Puck, sondern mit Immobilien beschäftigt sich der 36-Jährige nun. Bereits während seiner Aktivkarriere hatte er sich in diesem Bereich weitergebildet. Jetzt arbeitet der Immobilienfachmann 60 Prozent in der Immobilienabteilung der Bauunternehmung Marti, 20 bis 40 Prozent bei der Gebäudeversicherung Bern und hat dazu noch seine eigene Immobilienfirma in Saignelégier. Jobin ist viel beschäftigt. Während Sport zuvor sein Beruf war, muss er nun Zeit schaffen, um Sport zu treiben.

Eine Zukunft beim SCB hat es für ihn nicht mehr gegeben, doch die Entscheidung, ganz mit dem Eishockey aufzuhören, hat er selbst getroffen. Jobin ist überzeugt, dass der Rücktritt zum richtigen Zeitpunkt kam. «Ich hätte weiterspielen können, doch ich habe andere Möglichkeiten bekommen.» Diese boten ihm die Gelegenheit, seine zweite Karriere zu lancieren. Ausserdem ist er fit und fühlt sich gesund, Blessuren gehörten auch in seiner Laufbahn als Eishockeyspieler dazu, doch von schlimmen Verletzungen ist er verschont geblieben. «Ich habe immer gesagt, dass ich lieber ein Jahr zu früh aufhöre, als so lange wie möglich zu spielen und am Ende ganz kaputt zu sein.»

Die Mitspieler fehlen ihm

Was er vor allem vermisst nach dem Ende seiner Karriere, ist nicht das Eishockey an sich, sondern das Rundherum, die Kollegen, die gute Stimmung im Team. «Der SCB hat auch jetzt eine super Mannschaft, und es läuft gut, da denke ich manchmal: Schade, dass ich nicht mehr dabei bin», doch der Jurassier ergänzt: «Es ist gut, wie es ist.» Mit einigen ehemaligen Mitspielern ist Jobin noch in Kontakt, er verfolgt auch, was der SCB macht. Im Stadion war er in dieser Saison bisher zweimal. «Es ist total anders, es geht alles schneller und sieht von oben so einfach aus», sagt er zu seiner neuen Rolle als Zuschauer, «aber ich weiss, wie es ist als Spieler. Auf dem Eis ist das Feeling ganz anders.»

Heute Abend wird David Jobin wieder im Stadion sein. Auf ihn, der nicht gerne im Mittelpunkt steht, werden die Scheinwerfer nochmals gerichtet sein. Für seine Ehrung wählte er das Spiel gegen Biel, weil dort seine Karriere begonnen hatte, weil er in Biel wohnt und dort viele Leute kennt. Mit Sportchef und Interimscoach Martin Steinegger steht beim EHC Biel derzeit gar Jobins erster Verteidigungspartner beim SCB an der Bande. 50 bis 60 Freunde werden bei der Verabschiedung mit dabei sein. Ein bisschen angespannt sei er schon, sagt Jobin, «es ist eine schöne Sache.» Für ihn ist es der wirkliche Abschied vom Eishockey, der Abschluss eines Kapitels in seinem Leben: «Nachher bin ich nur noch Jobin.»

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