Nicht nur Pucks und Checks im Kopf

Yannick-Lennart Albrecht ist ein Aufsteiger bei den SCL Tigers. Doch der Eishockeysport füllt ihn nicht vollständig aus. Er überlegt sich ein Fernstudium zu beginnen.

Yannick-Lennart Albrecht beim Torjubel - schon sieben Treffer hat sich der junge Stürmer der SCL Tigers in dieser Saison gutschreiben lassen.

Yannick-Lennart Albrecht beim Torjubel - schon sieben Treffer hat sich der junge Stürmer der SCL Tigers in dieser Saison gutschreiben lassen.

(Bild: Keystone)

Yannick-Lennart Albrecht verkörpert den Spielertypus, der im Emmental seit jeher geschätzt wird. Er checkt unerschrocken, scheut sich nicht vor den Schlägen, die im Slot ausgeteilt werden, und hat ein grosses Kämpferherz. Da er taktisch intelligent ist und laut Sportchef Jörg Reber eine «Top-Arbeitseinstellung» hat, erstaunt es wenig, haben die SCL Tigers den auslaufenden Vertrag mit dem polyvalenten Center kürzlich um zwei Jahre verlängert. Allzu viel Verhandlungsgeschick benötigte Reber nicht, da der für sein Alter erstaunlich reife Albrecht keinen Grund sah, einen Clubwechsel zu forcieren. «In Langnau kann ich mich am besten weiterentwickeln. Ich bekomme viel Eiszeit und kann wertvolle Erfahrungen sammeln.»

Albrecht gehört beim Aufsteiger zu den positiven Überraschungen. Nach 18 Runden hat er schon mehr Tore auf dem Konto als letzte Saison am Ende des gesamten Qualifikationspensums. Aktuell bewegt er sich mit 7 Toren teamintern auf Augenhöhe mit Topskorer Christopher DiDomenico.

Die gesteigerte Produktivität hat zwei Gründe: Erstens ist der 21-Jährige unter Coach Benoît Laporte von der vierten in die zweite Linie aufgestiegen; zweitens wird er regelmässig im Powerplay eingesetzt, wo er primär den Auftrag hat, im gegnerischen Slot für Unruhe und Ablenker zu sorgen. «Das ist mir bisher nicht so schlecht gelungen», stapelt ­Albrecht tief.

Anfangs das böse Erwachen

Die SCL Tigers setzten sich nach dem Aufstieg intensiv mit den Begebenheiten der obersten Liga auseinander. Sie wussten, dass das Tempo höher ist, ­härter auf den Mann gespielt wird und mit Hurra-Hockey allerhöchstens ein Blumentopf zu gewinnen ist. Doch Theorie und Praxis sind bekanntlich zwei ­verschiedene paar Schuhe. Albrecht und seine Kollegen bekamen Anfang Saison Anschauungsunterricht, was es heisst, schnell zu spielen und Checks konsequent zu Ende zu führen. «Ein paar Spiele haben wir verloren, weil wir im Kopf nicht bereit waren», weiss Albrecht. Sie hätten lernen müssen, in ­jeder Partie vom ersten Pully bis zum Schlusspfiff härteste Arbeit zu leisten. «Wenn wir das tun, können wir gegen ­jedes Team mithalten.»

Mit 15 in die Fremde gezogen

Yannick-Lennart Albrecht, der unweit der Eishalle Litterna in Visp aufgewachsen ist, hat sein halbes Eishockeyleben im Emmental verbracht. Mit 15 packte der damals noch recht schmächtige Jüngling im Elternhaus die wichtigsten Utensilien zusammen und zog zu einer Gastfamilie in Langnau. Das erste Jahr weg von Familie und Schulkollegen war hart. Wann immer er frei hatte, kehrte Albrecht ins Wallis zurück. Manchmal auch nur für ein paar Stunden. Die frühe Abnabelung von zu Hause habe ihn zur Selbstständigkeit erzogen, ist Albrecht überzeugt.

Mittlerweile sind die Abstecher nach Visp viel seltener geworden. Albrecht fühlt sich im oberen Emmental wohl, hat neue Freunde gefunden und kennt jede Ecke des Dorfes. Der Gastfamilie hat er bis heute die Treue gehalten. Diese ist in der Zwischenzeit gewachsen, weil es zweimal Nachwuchs gegeben hat und mit Andy Ritz ein weiterer junger Eishockeyspieler im Haus Unterschlupf ­gefunden hat.

Albrecht ist erst seit ein paar Monaten Eishockeyprofi. Zuvor besuchte er in Schüpfheim das Sportgymnasium. Bis zum Übertritt in die erste Mannschaft habe das Nebeneinander von Sport und Schule sehr gut funktioniert, sagt er. ­Danach hätten Schulleitung und Verein eine Sonderlösung vereinbart. Diese ­erlaubte es ihm, die Reifeprüfung in zwei Etappen abzuschliessen. «Der Club hat mich während der Ausbildung immer unterstützt.»

Als sich Albrecht nach sechs Jahren Doppelbelastung voll auf das Eishockeyspielen konzentrieren konnte, musste er feststellen, dass auch das seine Tücken hat. «Ich wusste anfangs fast nicht, was ich mit der vielen Freizeit anfangen sollte.» Exzessiv vor der Playstation ­sitzen, wie das viele gelangweilte junge Sportler tun, mochte er nicht. Also machte er sich auf die Suche nach neuer geistiger Nahrung. Einen Fernkurs in Englisch, den er im Frühling mit dem First Certificate abschliessen will, fand er das Passende. Für die Zeit danach zieht er ein Fernstudium in ­Betracht.

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