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Nachdenken ja, umdenken nein

Im April scheiterte der SCB im Playoff an den ZSC Lions. Am Freitag spielt er zum Auftakt beim Meister. Die Berner setzen unter Trainer Kari Jalonen auf Kontinuität.

Wer Kari Jalonen kennt, weiss: Der Finne rückt nicht von seiner Philosophie ab. Foto: Patrick B. Krämer (Keystone)
Wer Kari Jalonen kennt, weiss: Der Finne rückt nicht von seiner Philosophie ab. Foto: Patrick B. Krämer (Keystone)

Wie er das Ausscheiden verarbeitet hat? Mit Arbeit.

Kari Jalonen fläzt sich vor der Berner Garderobe in einem Sofa­sessel. Er ist wie immer um sechs Uhr in der Früh in die Eishalle gekommen, hat zuerst für sich, später mit dem Trainerstab gearbeitet und die Übungseinheit geleitet. Kurz vor Mittag macht es sich der 58 Jahre alte Finne für einen Moment bequem. Und spricht vom Abschalten durch Arbeit. «Nach der Niederlage im Halbfinal gegen die ZSC Lions reiste ich in die Heimat, schaute mir Playoff-Partien aus Finnland, Schweden und der KHL an, analysierte sie. Auf diese Weise konnte ich relaxen.»

Im April verlor Jalonen zum ersten Mal eine Playoff-Serie als SCB-Coach. «Zürich spielte sein bestes Hockey. Uns gelang das nicht», sagt er. «Ein Faktor war Olympia. Wir hatten 13 Spieler in Südkorea. Danach fehlte uns die Energie.»

Das Scheitern hat bei Jalonen nicht zu einem Umdenken ­geführt. Nicht bei einem wie ihm, der derart viel erlebt, als Spieler sowie als Trainer je fünf Meistertitel geholt hat. Und der von SCB-Geschäftsführer Marc Lüthi als Schlachtross bezeichnet wird. «Natürlich haben wir die Niederlage analysiert. Natürlich war ich enttäuscht. Aber auch ich habe trotz einiger Erfolge in meiner Karriere häufiger Saisons erlebt, in denen das letzte Spiel verloren ging.»

Das iPad auf der Spielerbank

Wer Jalonen kennt, der weiss, wie stark ihn das Aus beschäftigt hat. Wer Jalonen kennt, der weiss auch, dass der Finne von seiner Philosophie nicht abrücken wird. Der Trainer setzt auf Kontinuität, auf Struktur, auf Akribie. Neuerdings stehen ihm Assistent Mikko Haapakoski und Goaliecoach Aki Näykki an der Bande zur Seite. Der vierte finnische Betreuer Samuel Tilkanen sitzt auf der Tribüne am Laptop und ist mit Näykki per Funk verbunden. «Drei Leute hinter der Bank: Das ist vielleicht in der Schweiz speziell, in Finnland aber normal.»

Für diese Saison kann Jalonen in der Analyse eine zusätzliche Möglichkeit nutzen. Zum ersten Mal ist in der Schweiz der Einsatz von iPads auf der Spielerbank erlaubt. So versammelten sich die Berner Spieler in der Champions Hockey League nach einem Powerplay-Einsatz vor dem kleinen Bildschirm, um die Aufzeichnung ad hoc zu analysieren. «Es sind kleine Dinge. Aber sie können auf unserem Weg hilfreich sein», sagt Jalonen.

Wohin der Weg der Berner führen soll, ist klar: an die Spitze. Selbst wenn der Teamausflug per Helikopter auf den Gurten natürlich frei von Symbolik war. «Die Herausforderung ist gross. Die meisten Teams haben sich verstärkt», sagt Jalonen. Beim SCB sind die Veränderungen überschaubar: Den Abwehrbereich ergänzt der passsichere Schwede Adam Almquist. Im Angriff sollen Grégory Sciaroni und Jan Mursak für Akzente sorgen, Daniele Grassi und MatthiasBieber die Breite verstärken. Jalonen sagt: «Wir haben weniger Veränderungen als andere. Aber auch wir werden Zeit benötigen.»

Das Herz schlägt in der Mitte

Positiv stimmt den ehemaligen NHL-Mittelstürmer die Besetzung der Center-Achse. Sie ist für Jalonen das Herzstück, mit Mark Arcobello, Andrew Ebbett, Gaëtan Haas und dem mehrheitlich als Flügel vorgesehenen Mursak ausgezeichnet besetzt. Und da wäre noch Viert-Linien-Center André Heim. Der 20 Jahre alte Angreifer hat einen Schritt gemacht; er soll die einstige Problem-Position zum Plus machen. Auch Jalonen ist sich bewusst, dass der ZSC im Playoff die Berner mit vier Linien zermürbte. Der Trainer gibt ein Versprechen ab: «Heim hat letztes Jahr 35 Spiele gemacht. Nun kann er die vierte Linie führen. Er wird mehr Eiszeit erhalten.»

Jalonen verlässt das Sofa, der Eindruck des Entspannten bleibt. «Wir werden bereit sein», sagt er vor dem Auftakt am Freitag bei den ZSC Lions. Ein kleines Mass an Aufregung gibt es in Bern zurzeit höchstens neben dem Eis, wo CEO Marc Lüthi für die Erhöhung der Ausländerzahl weibelt und Sportchef Alex Chatelain nach Schweizer Verstärkungen sucht, um nächstes Jahr guten Gewissens eine Ausländerlizenz an einen Torhüter vergeben zu können. Das Berner Interesse ­haben unter anderen Hofmann (Lugano), Corvi (Davos) und Schlumpf (Zug) geweckt.

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