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Krueger: «Das Kader ist breiter geworden»

Die Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft ist erfolgreich zur Saison gestartet. Beim 4:2-Sieg über die kanadische Auswahl hat sich gezeigt, dass das Kader von Ralph Krueger an Dichte gewonnen hat.

Comeback im Nationateam: Patrick Fischer im harten Kampf mit seinem kanadischen EVZ-Teamkollegen Micki Dupont.
Comeback im Nationateam: Patrick Fischer im harten Kampf mit seinem kanadischen EVZ-Teamkollegen Micki Dupont.
Keystone

Gewiss, es war nicht die stärkste Vertretung aus dem Mutterland des Eishockeys, die am Dienstagabend in Rappeswil-Jona der Schweiz gegenüberstand. Aber die saisonale Länderspiel-Premiere gegen eine Selektion von kanadischen Nationalliga-Profis ging in der jüngeren Vergangenheit mehrheitlich in die Hosen, weil die Schweizer Auswahl Mühe mit dem Rhythmus bekundete. Dieses Problem stellte sich beim gestrigen Erfolg nicht. Obwohl es Abstimmungsprobleme im defensiven und offensiven Bereich gab, war das Krueger-Team vom ersten Bully gedanklich bei der Sache. Die Spieler scheinen zu wissen, worum es in naher Zukunft geht: Nämlich einen Platz in der Nationalmannschaft für die Heim-WM im Frühjahr sowie den Winterspielen 2010 in Vancouver (Ka) zu sichern.

Gardners Gedanken an Koleff

Zum Kreis der Nationalspieler zählt ab sofort Ryan Gardner. Der Flügel der Zürcher Löwen zeigte nicht zuletzt bei Beat Forsters Powerplay-Tor zum 3:2, wie wertvoll er als Hüne vor dem Tor sein kann. Gardner raubte dem kanadischen Goalie geschickt die Sicht. Dennoch zeigte sich der schweizerisch-kanadische Doppelbürger nach seinem Debüt im Schweizer Dress selbstkritisch. «Ich brauche noch ein wenig Zeit, um mich mit meinen Teamkollegen zu verstehen. Aber ich will unbedingt an der Heim-WM für die Schweiz spielen.» Gardner, der mithalf, das erste und dritte Tor vorzubereiten, blickte nach der Partie nicht nur an seine Premiere im Schweizer Dress zurück. Er erinnerte an den Tod des jüngst verstorbenen Jim Koleff. «Er war ein Super-Typ. Es ist sehr traurig», meinte der 30-Jährige. Sein Blick war bei diesen Worten sehr leer. Gardner wird heute zusammen mit dem Zuger Patrick Fischer und dem Klotener Ronnie Rüeger nach Lausanne fahren, um bei der Trauerfeier dabei zu sein. Die restlichen 23 Akteure fahren mit dem Bus nach Deutschland. Am Abend wird in Mannheim trainiert, ab dem Freitag steht der Deutschland Cup auf dem Programm.

Fischers Rückkehr, Rüegers Steigerung

Im Kampf um einen Platz an der Sonne an der Heim-WM haben sich auch die Routiniers Fischer (EV Zug) und Rüeger zurückgemeldet. Fischers Comeback in die Landesauswahl haftete ein Novum an. «Ich habe zum ersten Mal in der Nationalmannschaft als Center gespielt», meinte der 182-fache Internationale mit Erfahrungen in der NHL und in Russland. Und diese Rolle sei ihm gar nicht so schlecht gelungen. Goalie Rüeger steigerte sich nach etwas missglücktem Beginn markant und war schliesslich ein sicherer Rückhalt. Der talentierte Neuling Leonardo Genoni wird am Wochenende Gelegenheit haben, sich auszuzeichnen.

Einen positiven Eindruck hinterliessen zudem die Verteidiger Martin Höhener (Servette) und Félicien Du Bois (Kloten). Letzterer bildete mit Forster das stärkste Schweizer Back-Paar. Im Sturm bewies die Davoser «Lunge» Andres Ambühl, dass er, je länger im Einsatz, desto mehr ins gegnerische Netz trifft, während der schnelle Peter Guggisberg im Abschluss zu wenig effizient war. Doch der HCD-Flügel hat sich punkto Engagement auf dem Eis weiter entwickelt. Erfahrene Spieler wie Thierry Paterlini, Thomas Ziegler oder Ivo Rüthemann bewiesen einmal mehr, dass sie sich unter Kruegers Führung besonders wohl fühlen.

Die Sichtungspolitik des Trainers

Andere Probables konnten sich noch keine Meriten verdienen. Neuling Matthias Bieber etwa verschwand allzu oft von der Bildfläche. Verteidiger Florian Blatter, der nun vier Länderspiele auf dem Buckel hat, braucht noch Anlaufzeit. Auch Ambris Paolo Duca trat nicht so dominant auf wie jüngst in der Liga.

Kruegers Sichtungspolitik, die rund 50 Spieler umfasst, beruhigt nicht nur die Vertreter der Klubs. Dieses Selektionsprozedere erlaubt dem Deutsch-Kanadier, das Kader sukzessive zu vergrössern, jüngeren Spielern Auslauf auf internationalem Parkett zu ermöglichen. Damit wird der Leistungsdruck unter den potentiellen Nationalspielern erhöht, wird frischer Wind in die bedeutendste Verbandsauswahl gebracht. «Das Kader ist sicher breiter geworden», freut sich der Headcoach über diese Entwicklung.

Die Kritik ist verstummt

Der Kampf um ein WM-Ticket ist nach dem Auftakt in Rapperswil-Jona jedenfalls lanciert. Nach der enttäuschenden A-WM in Moskau 2007 und vielen Diskussionen, indem vor allem die Person Kruegers im Mittelpunkt stand, sowie einer befriedigenden WM 2008 in Kanada ist die Kritik im Lande verstummt. Der Trainer und sein Team geniessen im Jahr der Heim-WM wieder vollumfänglich Kredit, auch im Fussvolk. Immerhin 5228 Besucher erschienen gegen das Team Canada in der schmucken Eishalle am Obersee, trotz Fussball-Konkurrenz namens Champions League.

Vor Kruegers Amtsperiode gaben sich die Schweizer National-Trainer die Türklinke in die Hand. Nun steht der Deutsch-Kanadier in seiner zwölften Saison als National-Coach. Allein diese Kontinuität kommt einem Wunder in der Geschichte des Schweizer Eishockeys gleich.

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