Kein Vertrauen mehr in Kult-Trainer Schläpfer

Nach neun Niederlagen in den letzten 10 Runden haben das Fass zum Überlaufen gebracht: Nach sechs Jahren trennt sich der EHC Biel von Kevin Schläpfer.

Bezahlt für schlechte Resultate:: Kevin Schläpfer beim  Spiel zwischen dem EHC Biel und Geneve-Servette HC in Biel. (3. Januar 2016)

Bezahlt für schlechte Resultate:: Kevin Schläpfer beim Spiel zwischen dem EHC Biel und Geneve-Servette HC in Biel. (3. Januar 2016) Bild: Peter Schneider/Keystone

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Die Dienste des «Hockey-Gottes», wie Kevin Schläpfer von den Fans des EHC Biel ehrfürchtig genannt wird, sind in der Seeländer Metropole nicht mehr ­gefragt. Gestern Nachmittag teilte die Klubleitung in einem dürren Communiqué mit, der Verwaltungsrat der EHC Biel Holding AG habe am Mittag «einstimmig entschieden, sich aufgrund der sportlichen Baisse per sofort von Headcoach Kevin Schläpfer zu trennen und ihn per heute freizustellen».

Das Coaching wird interimistisch von Nachwuchs-Cheftrainer Mike NcNamara übernommen. Dabei wird er von Schläpfers bisherigem Assistenten Dino Stecher unterstützt.

Mit dem gestrigen Schritt hat sich der EHCB seiner eigenen Kultfigur entledigt. Als Sportchef führte Schläpfer die Seeländer in die oberste Liga zurück (2008). Als Trainer schaffte er es mit der Mannschaft immerhin dreimal ins Playoff (2012, 2013 und 2015). Und dies, obschon die Bieler vom Budget her ans Tabellenende gehörten. Bei der letzten Playoff-Teilnahme 2015 musste sich Biel gar erst nach sieben Spielen dem Qualifikationssieger ZSC Lions geschlagen geben.

Vom Temporär- zum Chefcoach

Schläpfer übernahm 2010 den Cheftrainerposten, nachdem er zuvor zweimal als Interimstrainer erfolgreich eingesprungen war. 2009 und 2010 ersetzte der joviale Baselbieter jeweils in der Liga­qualifikation die entlassenen Heinz Ehlers beziehungsweise Kent Ruhnke und führte den Klub zum Klassenerhalt. In der Saison 2010/11 war er sowohl Chefcoach wie auch Sportchef. Ab dem 1. Mai 2012 wurde Schläpfer in seiner Doppelfunktion entlastet. Martin Steinegger, der zum Abschluss seiner Aktivkarriere zu seinem Stammverein zurückgekehrt war, übernahm den Posten des Sportchefs.

Auch wegen seiner umgänglichen und authentischen Persönlichkeit avancierte Schläpfer im Lauf seiner Zeit zur Identifikationsfigur der Seeländer. Doch seine Emotionalität und Ehrlichkeit schwächten seine Position, wie sich erst im Nachhinein und entgegen allen gegensätzlichen Beteuerungen herausstellte. Nachdem er im Herbst letzten Jahres mit feuchten Augen an einer Medienorientierung bekannt gemacht hatte, dass der Klub ihm die Freigabe für den damals vakanten Nationaltrainer-Job verweigert habe und er dies akzeptiere, folgte ein sportlicher Absturz von Biel.

Die Seeländer schlossen die Saison im letzten Rang ab. Verletzungspech, schwache Ausländer und Schweizer Missgriffe auf dem Transfermarkt trugen dazu bei. Biel brauchte die Ligaqualifikation indessen nicht zu bestreiten, da NLB-Meister Ajoie freiwillig auf einen Aufstieg verzichtete.

Kredit aufgebraucht

Mit dem starken Start in die neue NLA-Saison schien der Turnaround aber aufgegleist. Am 8. Oktober war Biel gar ­Tabellendritter. Die Seeländer hatten bis dahin auch dank NHL-Rückkehrer Jonas Hiller einen famosen Start von sieben Siegen aus den ersten elf Spielen hingelegt. Doch erneut folgte ein Absturz. Damit war Schläpfers Kredit aufgebracht. Die Medienmitteilung der Geschäfts­leitung schliesst mit Worten, die schon hundertfach verwendet worden sind, wenn bei einem Profiklub eine plötzliche Zäsur gemacht wurde: «Der EHC Biel dankt Kevin Schläpfer für die für den Klub geleisteten langjährigen Dienste als Spieler, Sportchef, Nachwuchsverantwortlicher und Headcoach.»

Im Zusammenhang mit der jüngsten Krise verwies Schläpfer gegenüber «20 Minuten» auf seinen Unfall beim Tennisspielen (Fehltritt) im Sommer und einen bakteriellen Infekt als unerwünschte Behandlungsfolge: «Das fesselte mich zwei Monate an den Rollstuhl und ist dafür verantwortlich, dass ich noch heute Stöcke brauche.» Dass er deshalb das Training nicht auf dem Eis, sondern nur von ausserhalb habe leiten können, sei natürlich ein Nachteil gewesen. (ruk/si)

Erstellt: 15.11.2016, 06:51 Uhr

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