«Immerhin kein Stängeli»

Der SCB gewinnt seinen Cup-Sechzehntelfinal gegen den EHC Brandis 9:2.

2099 Zuschauer in Huttwil bildeten die würdige Kulisse für den ungleichen Berner Schlagabtausch im Schweizer Cup.

2099 Zuschauer in Huttwil bildeten die würdige Kulisse für den ungleichen Berner Schlagabtausch im Schweizer Cup. Bild: Marcel Bieri/Keystone

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Cup ist, wenn sich ein Teil der Fans auf Toiletten in Bauwagen erleichtern muss. Und sich auch die Verpflegung aus Anhängern, sogenannten Foodtrucks, holt. Oder wenn der Organisator kurzfristig noch Grillzangen für die Bratwürste auftreiben muss. Alles etwas improvisiert, alles etwas kleiner, aber alles sehr sympathisch.

Cup ist manchmal ebenfalls, wenn im Stadion auch bei Toren des Auswärtsteams eine Melodie erklingt. Der EHC Brandis war gestern so nett, bei Toren des SCB «The Final Countdown» abzuspielen, ganz so, wie es sich der Meister von zu Hause gewöhnt ist. Dabei hätte er dieses Entgegenkommen gar nicht nötig gehabt, der Aussenseiter. Brandis legte unerschrocken los, gewann das erste Bully und agierte in den Startminuten ganz schön keck. Der Sieg konnte für den Club aus der dritthöchsten Schweizer Eishockey-Liga kein realistisches Ziel darstellen, und auch der Wunsch von CEO Heinz Krähenbühl, das Spiel bis weit in das dritte Drittel spannend zu halten, war schon sehr optimistisch. Aber ein Tor erzielen, das war keinunverschämter Wunsch gewesen, wie sich später zeigte.

Zuerst war aber der SCB dran. Gian-Andrea Randegger eröffnete das Skore früh, Dario Meyer und Marc Kämpf legten noch im ersten Drittel nach. Alle drei gehören sie in der Liga nicht zu jenen Spielern bei den Bernern, die viel Eiszeit erhalten, gestern durften sie sich zeigen. Ebenso die jungen Burren, Wolf, Colin Gerber, Dubois und Heim. Das Torhütete Zuzug Pascal Caminada. Im Gegensatz zum Cup-Spiel (und -Aus) gegen Biasca vor einem Jahr trat der SCB gestern aber nicht mit einer halbenJuniorenmannschaft an, nur Ebett und Berger wurden geschont. Auch sonst nahm der Meister die Partie ernst, da war beispielsweise Videocoach Samuel Tilkanen, der während der gesamten Partie Spielsequenzen aufnahm.

Mithalten konnte Brandis trotzdem nur während einzelner Momente, beispielsweise zu Beginn des Mitteldrittels, als Sven Nägeli das 1:3 gelang. Für den SCB war das auch ein Weckruf, ererhöhte innert zwölf Minuten um vier Tore. Diese Phase der Partie zeigte, wie viel zwischen einer guten Amateurmannschaft und einem arrivierten Profiteam liegt, und so war die Spannung, die sich viele Zuschauer gewünschthatten, schnell weg.

Sieger und Verlierer zufrieden Der Abend wurde dennoch zu einem Fest, so wie sich das der EHC Brandiserhofft hatte. Die Eishalle in Huttwil war gut gefüllt, die Stimmung dank der lautstarken Fans hervorragend, aber auch, weil das Heimteam regelmässig durch schöne herausgespielte Tormöglichkeiten aufzublitzen vermochte.

Patric Buris Tor war das Produkt einer solchen Aktion, er traf zum 2:8, und nach Mark Arcobellos 2:9 war Schluss mit Toreschiessen an diesem Abend. Gegen den SCB zu treffen, sei ein schönes Gefühl, aber anstrengend sei es schon gewesen, befand Buri später.«Immerhin haben wir kein Stängeli kassiert», fügte er an. «Es war ein schöner Event.»

Nach der Schlusssirene waren Sieger und Verlierer zufrieden, beide Mannschaften liessen sich feiern, und derAnhang des SC Bern zollte den Spielern von Brandis seinen Respekt. Auch das ist Cup. (Der Bund)

Erstellt: 21.09.2017, 07:05 Uhr

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