Flüelers Fauxpas und Entschuldigung

Ein spektakulärer Fehlgriff ihres Goalies liess die ZSC Lions beim 3:6 in Genf einstürzen wie ein Kartenhaus.

  • loading indicator

Wenn die Goalies als die entscheidenden Figuren bezeichnet werden, ist das meist positiv gemeint. Doch in dieser Halb­finalserie wäre ihnen bestimmt lieber, sie könnten für einmal im Hintergrund bleiben. Spiel 1 stand im Zeichen von Servettes Robert Mayer, der mit seinen Fehlgriffen, Flugeinlagen und missglückten Ausflügen den 5:2-Startsieg der ZSC Lions begünstigte. Gestern nun redeten alle von Lukas Flüeler und dem spektakulären Tor, das er zugelassen hatte. ­Loeffel zog in der 11. Minute aus der eigenen Zone ab und erwischte ihn zwischen den Beinen – aus rund 45 Metern. Das überraschende 1:0 war für die Zürcher der Anfang des schnellen Endes der Hoffnungen auf einen Auswärtssieg. Sie hatten zuvor ihren Gegner dominiert, danach war alles anders.

Nur 94 Sekunden später stand es schon 3:0, das Genfer Publikum jubilierte, und ZSC-Coach Marc Crawford sah sich zu einer erstaunlichen Massnahme gezwungen: Nach einem 19-sekündigen Kurzeinsatz Leimbachers beorderte er wieder Flüeler ins Tor. Der Ersatzgoalie hatte den ersten Schuss, einen Schlenzer Bezinas, passieren lassen.

Flüeler konnte man abgesehen vom ersten Tor nichts vorwerfen. Das Problem war, wie sehr sich die ZSC Lions dadurch verunsichern liessen – ihr Coach inklusive. Crawford tat Leimbacher keinen Gefallen, dass er ihn nach dem 0:2 einwechselte. Besser wäre es wohl gewesen, ein Timeout zu nehmen und weiter an Flüeler festzuhalten. Doch im Nachhinein ist man immer schlauer.

Flüeler: «Fürs Team ein Schock»

Die Lions brauchten lange, sehr lange, bis sie sich wieder einigermassen gefangen hatten. Erst als die Partie schon entschieden war, rafften sie sich nochmals auf. Keller (30.), Bärtschi (43.) und Seger (50.) brachten sie auf 3:5 heran. Kurz ­kamen Erinnerung auf an die Heimspiele gegen Zug, als die Lions zweimal ein 0:4 gekehrt hatten. Doch danach brachten sie sich mit zwei Strafen wieder um ihren Schwung. Obschon sichtlich enttäuscht, stellte sich Flüeler nach der Partie den Journalisten. «Ich kann mir auch nicht erklären, wie ich diesen Puck durchlassen konnte», sagte er. «Zumal ich ja weiss, dass die Genfer oft von hinten schiessen. Ich muss mich bei der Mannschaft entschuldigen. Wir hatten in den ersten acht Minuten sehr gut begonnen, waren aber nicht belohnt worden. Und als ich dann dieses Tor zuliess, war das fürs Team ein Schock.»

Nicht zum ersten Mal

Es ist nicht zum ersten Mal, dass Flüeler im Playoff ein spektakuläres Tor zulässt. Das war ihm im dritten Halbfinalspiel 2012 gegen Zug ebenfalls passiert, als ihn Verteidiger Patrick Fischer mit ­einem Lob aus der Mittelzone bezwang – zum 2:2. Doch damals gewannen die Zürcher die Partie noch. Es ärgere ihn natürlich sehr, dass er das Team nach unten gerissen habe, sagte Flüeler. «Aber das Gute ist, dass ich es am Samstag schon wieder besser machen kann.»

Nebst der Niederlage war bei den ZSC Lions auch der Ausfall Cuntis Grund zur Sorge – Details wurden natürlich nicht bekanntgeben. Die Erfahrung dieser Mannschaft legt den Schluss nahe, dass sie es verstehen wird, den Rückschlag in Genf wegzustecken. Es steht nach zwei wilden Spielen 1:1. Viel ist also, nüchtern betrachtet, noch nicht passiert.

Genève-Servette - ZSC Lions 6:3 (4:0, 1:1, 1:2) 6742 Zuschauer. - SR Vinnerborg/Wehrli, Kovacs/Wüst. - Tore: 11. Loeffel (Bezina) 1:0. 12. (11:28) D'Agostini (Loeffel/Ausschluss Seger) 2:0. 12. (11:47) Bezina 3:0. 17. Rod (Picard, Iglesias) 4:0. 24. D'Agostini (Tom Pyatt, Loeffel/Ausschluss Bergeron) 5:0. 30. Keller (Shannon, Nilsson/Ausschluss Jeremy Wick) 5:1. 43. Bärtschi (Bergeron) 5:2. 50. Seger (Bärtschi) 5:3. 59. Jeremy Wick 6:3. - Strafen: 3mal 2 Minuten gegen Genève-Servette, 5mal 2 Minuten gegen den ZSC. - PostFinance-Topskorer: D'Agostini; Wick. Genève-Servette: Mayer; Loeffel, Bezina; Vukovic, Iglesias; Trutmann, Mercier; Jeremy Wick, Romy, Picard; D'Agostini, Tom Pyatt, Almond; Rubin, Kast, Rod; Douay, Jacquemet, Gerber; Traber. ZSC Lions:Flüeler (12. Leimbacher/11:28 bis 11:47); Geering, Bergeron; Seger, Tallinder; Blindenbacher, Siegenthaler; Schnyder; Keller, Shannon, Nilsson; Bärtschi, Cunti, Roman Wick; Senteler, Trachsler, Schäppi; Baltisberger, Maglin, Bastl; Neuenschwander. Bemerkungen: Genève-Servette ohne Taylor Pyatt (krank), Bays, Lombardi, Rivera, Marti (alle verletzt), Antonietti (rekonvaleszent), Impose (beide überzählig), Ranger (nicht im Aufgebot), ZSC ohne Künzle (krank), Stoffel, Fritsche (beide verletzt), Smith, Tabacek, Boltshauser, Schlegel (alle überzählig). 22. Timeout von Genève-Servette. Cunti im zweiten Drittel verletzt ausgeschieden. 39. Lattenschuss von Bastl.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt