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Flüeler und die Kunst des Vergessens

Der ZSC-Goalie ist in diesem Playoff nicht fehlerlos. Doch er demonstriert mentale Stärke.

«Man lernt mit der Zeit, dass es immer einen Ausweg gibt», sagt der Zürcher Meister-Torhüter Lukas Flüeler. Foto: Robert Hradil (EQ Images)
«Man lernt mit der Zeit, dass es immer einen Ausweg gibt», sagt der Zürcher Meister-Torhüter Lukas Flüeler. Foto: Robert Hradil (EQ Images)

Dinge zu vergessen, ist im normalen ­Leben selten dienlich. Im Playoff hin­gegen wird das Vergessen geradezu zelebriert. Auf die Frage, was ­Lukas Flüeler am meisten auszeichne, sagt Marc Crawford: «Er hat ein kurzes Gedächtnis.» ­Damit meint der Coach nicht, dass sein Goalie vergesse, Pucks zu stoppen. Sondern, dass er nicht daran herumstudiert, wenn es ihm nicht gelingt.

Wie bei jenem viel beschriebenen 45-Meter-Schuss des Genfer Verteidigers Romain Loeffel im zweiten Halbfinalspiel. Wer dachte, jener spektakuläre Fehler würde Flüeler erschüttern, der irrte. Vielmehr hat er seitdem zur Konstanz und Sicherheit zurückgefunden, die ihn in der Qualifikation ausgezeichnet hatten, hat in drei Partien nur noch vier Tore zugelassen.

«Klar nervte mich das Tor ein paar Stunden», sagt er. «Aber das Schöne am Playoff ist, dass man es zwei Tage später besser machen kann.» Flüeler ging mit seinem Fauxpas offensiv um, stellte sich an jenem Abend in Genf den Journalisten und scherzte tags darauf, vielleicht spendiere er dem Team Pizza, wie das nach Shutouts üblich ist. Doch der Pizzakurier kam nicht. Im Playoff stehen bei den Zürchern Pasta, Poulet und Fisch auf dem Speiseplan.

Flüeler selbst sieht seine mentale Stärke nicht als Gabe, die ihm in die Wiege gelegt wurde. Sie sei mit den Jahren gewachsen. «Mein nächster Fehler kommt bestimmt», sagt er. «Doch mit ­jedem Fehler lernt man, besser damit umzugehen. Man lernt mit der Zeit, dass es immer einen Ausweg gibt.»

Auf halbem Weg zu Sulander

Obschon er mit 26 noch relativ jung ist, hat er reichlich Erfahrungen gesammelt. Mit seinen 63 Playoff-Spielen hat er ­bereits mehr als die Hälfte seines Vorgängers Ari Sulander (123) im ZSC-Dress. Dabei hat Flüeler unzählige Formschwankungen erlebt, die im Playoff treue Begleiter der ZSC Lions zu sein scheinen. Dazu sagt er: «Man kann nicht erwarten, dass wir zwölf Spiele dominieren. Das ist vielleicht im Fussball möglich, der noch taktischer geprägt ist. Klar wären wir gerne konstanter. Aber so einfach, wie das von aussen scheint, ist das nicht. Wichtig ist, dass wir re­agieren können, wenn es nicht so läuft. Und das gelang uns ja stets.»

Während des Playoff wird er täglich von Stephan Siegfried betreut, der in der Regular Season nur zweimal pro ­Woche vorbeikommt. Der Goaliecoach, der 2013 auf Wunsch von Flüeler zum ZSC stiess, kennt diesen schon über zehn Jahre. Ihr erster Kontakt kam an der Professional Goalie School (PSG) in Kloten zustande, wo Flüeler immer noch Zusatztrainings absolvierte, als er schon das ZSC-Dress trug. Siegfried stellt ihm nach jedem Spiel ein Video mit gelungenen Aktionen zusammen. Die ­Gegentore werden, falls nötig, gemeinsam analysiert. Der Loeffel-Weitschuss war schnell abgehandelt. «Wir besprachen nur nochmals kurz, dass es bei solchen Schüssen darum geht, eine möglichst grosse ­Fläche abzudecken und nicht zu versuchen, den Puck zu kontrollieren», sagt Siegfried.

Technik, nicht Psychologie!

Im Playoff hat Flüeler mehr mit dem Goaliecoach zu tun als mit Crawford. Und das ist dem Cheftrainer ganz recht. Schmunzelnd sagt er: «Goalies verstehen sich untereinander ohnehin am ­besten.» Siegfried widmet sich vor allem den technischen Aspekten, nicht den psychologischen. Er sagt: «Ich will nicht, dass Flüeler mit mir über Ängste oder Unsicherheiten redet. Denn schliesslich bin ich Teil des Coachingteams und muss ihn bewerten.»

Mit den hohen Ansprüchen an ihn scheint Flüeler gut klarzukommen. Er hat seine Routinen entwickelt, schläft im Bus auf der Hinfahrt und jasst erst auf dem Rückweg. Und so kompliziert sein Job ist, er bringt ihn auf einen einfachen Nenner: «Wenn du die Pucks stoppst, ist ­alles okay. Wenn nicht, musst du es das nächste Mal besser machen.»

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