Fiala läuft im kalten Norden warm

Kevin Fiala hatte beim NHL-Team Minnesota einen schwierigen Start – und sagt jetzt: «Es rollt.»

Kevin Fiala blüht in der Kälte des US-Nordens auf.

Kevin Fiala blüht in der Kälte des US-Nordens auf.

(Bild: Keystone Rick Scuteri)

Kevin Fiala weiss, was echte Winter sind. Der Uzwiler kennt sie aus seinen 16 Lebensjahren in der Ostschweiz. Auch aus seiner Zeit in Schweden bei Malmö und HV71 ist er Schnee und Frost ­gewohnt. Bei NHL-Spielen in Winnipeg, Edmonton oder Calgary bekam er dann einen Eindruck, wie kalt es in Kanada zwischen November und April sein kann. Und doch: Fiala hat hörbar Respekt vor dem, was in seiner neuen Heimat auf ihn zukommt. «In Minneapolis ist es viel kälter als in Nashville, Temperaturen von bis zu minus 30 Grad Celsius», erklärt der 30-Jährige.

Als Fiala letzten Februar von den Nashville Predators im Tausch gegen Mikael Granlund an die Minnesota Wild abgegeben wurde, war das nicht nur wegen der Temperaturen ein Schock für den Stürmer. «Ich wurde von Nashville gedraftet. Und das Ziel ist es immer, dort, wo du gedraftet wirst, die ganze Karriere zu spielen», so Fiala. Vielleicht ist diese Denkweise im Business NHL etwas naiv oder gar romantisch. Andererseits hatten die Predators Fiala bei der Talente-Verteilung 2014 an elfter Stelle gewählt. Und alle zehn vor ihm gezogenen Spieler sind immer noch bei ihrem ersten Verein.

«Sehr, sehr glücklich»

Doch Fiala schaut nicht mehr ­zurück. Er spricht von «einer neuen Chance», hebt mit überzeugender Stimme hervor, dass «dieses Team» ihn mehr brauche als Nashville und dass er in Minnesota «sehr, sehr glücklich» sei. Dabei verlief der Sommer ­alles andere als ideal. Zunächst musste Manager Paul Fenton, der ihn von den Predators geholt hatte, gehen. Der Schweizer nahm das als «Überraschung» auf. Erschwerend kam hinzu, dass Fiala keinen Vertrag mehr hatte – und natürlich nicht wusste, wie Fentons Nachfolger personell plant. Er plante mit dem technisch starken Flügel: Am 11. September unterschrieb Fiala einen Zweijahresvertrag.

Natürlich sei es schade, dass er die Landsleute Roman Josi und Yannick Weber nicht mehr an seiner Seite habe. Aber Fiala spricht fliessend Schwedisch, und deshalb sei er eben jetzt den drei Schweden der Wild – Victor Rask, Joel Eriksson Ek und Jonas Brodin – «sehr nahe». Auf dem Eis klappt die Verständigung auch immer besser. Fiala bildet mit Captain Mikko Koivu und Zach Parise den zweiten Sturm. Anfangs schwanken seine Einsatzminuten stark: Mal stand er über 16 Minuten auf dem Eis, dann wieder nur 11. Er habe «nicht gerade einen guten Start gehabt», bilanziert Fiala. Die Nachfrage bei Trainer Bruce Boudreau nach den Leistungen des Schweizers kommt einem Gespräch übers Wetter gleich. «An einigen Tagen sehr gut, an anderen Tagen nicht so gut», sagt der 64-Jährige.

«Das Ziel ist es immer, dort, wo du gedraftet wirst, die ganze Karriere zu spielen», sagt Fiala. Vielleicht ist diese Denkweise im Business NHL etwas naiv oder gar romantisch.

Boudreau ist ein Coach alter Schule. Er sagt, was er sieht, ­redet nichts schön. Fiala müsse konstanter werden. Und wenn er konstanter sei, dann sei er auch ein richtig guter Spieler. Fiala gefällt diese direkte Art. Er spürt trotz der klaren Worte die ­Rückendeckung des Trainers. Zuletzt erhielt Fiala jeweils über 15 Minuten Einsatzzeit. «Ich fühle mich viel besser, habe viel mehr Selbstvertrauen und ein paar Tore gemacht. Es rollt.»

Minnesota ist schwach gestartet, sammelte in den 13 Oktober-Partien nur acht Punkte. Doch nun scheint das Team seinen Rhythmus gefunden zu haben. Bis zum Match gegen Ottawa, der in der Nacht auf heute stattfand, gab es seit dem 12. November keine Niederlage nach 60 Minuten mehr, gewann Minnesota fünf von sieben Spielen, punktete stets. Fiala gelangen in diesem Zeitraum zwei Tore und drei ­Assists. Zwar sind die Wild in der Central Division weiterhin Letzte, allerdings fehlen bis zum Playoff-Platz nur noch drei Punkte.

Minnesota nennt sich nicht nur «Land der 10000 Seen», sondern auch «State of Hockey». Hier will Fiala seinen nächsten Karriereschritt tun. Und hier gibt es auch das, was er in Nashville vermisst hat: Schnee. In dieser Woche sind die ersten Flocken gefallen. Es ist der Auftakt zu einem langen Winter in Minnesota. Kevin Fiala will mit seinen Leistungen dazu beitragen, dass in dieser kalten Jahreszeit den Wild-Fans warm ums Herz wird.


Dritte Halbzeit – der Tamedia Fussball-Podcast

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