Euphorie nach Rückkehr in die NLA

Mit dem kanadisch-französischen Coach Benoît Laporte anstelle von Bengt-Ake Gustafsson wollen die Aufsteiger aus Langnau mindestens den Klassen­erhalt schaffen. Mindestens.

Die SCL Tigers haben ein unerhört treues Publikum: Mehr als 4300 Fans haben für die Saison 2015/16 ein Saisonabonnement erworben.

Die SCL Tigers haben ein unerhört treues Publikum: Mehr als 4300 Fans haben für die Saison 2015/16 ein Saisonabonnement erworben.

(Bild: Keystone)

Ruedi Kunz

In Biel ist es das neue Stadion, welches die Zahl der verkauften Saisonkarten um über 25 Prozent in die Höhe schnellen liess (neu über 5000 Abo-Besitzer). In Langnau ist es neben der Leidenschaft für die SCL Tigers die Lust, die besten Mannschaften des Landes wieder in der Ilfishalle zu sehen nach zwei Jahren in der Nationalliga B. Über 4300 Tigers-Fans haben eine Dauerkarte erworben. Wer einen Einzeleintritt lösen will, wird sich des ÖfterEn sputen müssen, da im schmucken Stadion offiziell nur 6050 Zuschauer Platz haben. Die Euphorie um die Tigers habe «eine neue Dimension» angenommen, sagt Sportchef Jörg Reber. Das will etwas heissen, denn der Eishockeyklub ist im oberen Emmental und im angrenzenden Entlebuch seit mehr als einem halben Jahrhundert die mit Abstand populärste Institution.

Doch wie lange wird die Begeisterung anhalten, wenn die SCL Tigers der raue Alltag der NLA eingeholt hat? Wenn Spieler und Trainer weit häufiger Niederlagen als Siege kommentieren müssen? Wenn der neue Kanadier Kevin Clark in den ersten Wochen nicht der erwartete Skorer ist? Wenn Chris DiDomenico seine Nerven nicht im Griff hat? Wenn Goalie Damiano Ciaccio ­wiederholt danebengreift? Wenn Kevin Hecquefeuilles Vorstösse mehr Gefahr vor dem eigenen statt dem gegnerischen Tor zur Folge haben?

Ausbruch aus der Wohlfühloase

«Wir stehen vor einer pickelharten Saison», weiss Reber. Das Team müsse in ­jedem Match bereit sein, kämpferisch ans Limit zu gehen und die Vorgaben, die der neue Trainer Benoît Laporte anordne, konsequent umsetzen. Der Sportchef hält grosse Stücke auf den 55-jährigen Asketen, den er im Frühling als Nachfolger für den nicht mehr erwünschten Aufstiegstrainer Bengt-Ake Gustafsson präsentierte. «Er ist ein leidenschaftlicher Typ, der eine klare Sprache spricht und von den Spielern viel verlangt.» Das ist bestimmt keine schlechte Voraussetzung, um eine Gruppe weiterzubringen, welche in der Nationalliga B selten an die Leistungsgrenzen gehen musste und der nachgesagt wird, sie sei wohl talentiert, aber nicht immer bereit, hart zu arbeiten.

Langnau solle keine Wohlfühloase mehr sein, sagen der Sportchef und der Trainer unabhängig voneinander. «Wir ­wollen in jedem Spiel ­härter arbeiten als der Gegner», verkündet Laporte.

Laportes zwiespältiges Zeugnis

Die Verpflichtung des Frankokanadiers hat einigen Staub aufgewirbelt im Umfeld der SCL Tigers. Zweimal wurde er entlassen, nachdem er mit ­einem Club den schlechtesten Start der Vereinsgeschichte hingelegt hatte: 2010 in Ambri, 2014 in Hamburg. Dazwischen hatte er die Freezers dreimal ins Playoff geführt. «Jetzt will ich zeigen, dass ich auch in der Schweiz erfolgreich arbeiten kann», gibt sich Laporte kämpferisch.

Reber weiss, dass er nach der Rochade auf dem Trainerposten unter verstärkter Beobachtung steht. «Wenn es nicht laufen sollte, wird diese Geschichte sicher hervor­geholt; das darf mich aber nicht interessieren. Für mich zählt nur das Wohl der SCL Tigers.»

Das Kader wurde auch ohne die ­angestrebte Verpflichtung der Gebrüder Reto und Jan von Arx verstärkt. Kevin Clark, zuletzt in Deutschland zweimal 33-facher Torschütze, sowie der bei Davos-Coach Arno Del Curto in Ungnade gefallene Ville Koistinen sollen zu Leadern avancieren. Viel Feuerkraft besitzt der erste Überzahlblock mit ­Hecquefeuille, Koistinen, DiDomenico, Gustafsson junior und Clark.

Teamsenior Sven Lindemann (37) will mehr als nur den Ligaerhalt: «Wir haben gegen Rapperswil gezeigt, dass wir mit NLA-Teams mithalten können, und sind jetzt stärker. Wenn wir geradlinig spielen und unsere Chancen konsequent nutzen, ist das Playoff möglich.»

Auf dem Papier bleiben die Emmentaler aber Playout-Kandidat Nummer 1. Fragezeichen gibt es vor allem beim unerfahrenen Goalie-Duo Damiano Ciaccio/Ivars Punnenovs sowie um den letztjährigen Topskorer Chris DiDomenico. Er dürfte noch häufiger Ziel von Provokationen sein als in der NLB. Wie wird der Torjäger und Hitzkopf damit umgehen?

Der Bund

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