Es wird interessanter

Der SCB hat es in extremis in den Playoff-Halbfinal geschafft. Der grösste Trumpf der Berner im Duell mit dem HCD ist ihr Bewusstsein, 
noch viel Steigerungspotenzial zu besitzen.

  • loading indicator
Emil Bischofberger@bischofberger

Natürlich sprintete die ganze Berner Bank aufs Eis, nachdem Jesse Joensuu am Samstagabend kurz nach 23 Uhr dem Zittern ein Ende bereitet hatte. Der Puck war nach 70 Minuten und Gragnanis Schuss vom Pfosten direkt zum finnischen Stürmer geprallt, der souverän ins offene Tor traf. Das Prädikat souverän verdiente er sich auch, weil in der ­regulären Spielzeit seine Kollegen Holloway und Ritchie genau in dieser Disziplin, dem Treffen des offenen Tores, versagt hatten.

Hätten die beiden Kanadier bei ihren Chancen etwas tiefer gezielt, der Abend hätte für die Berner einen geradezu ­geruhsamen Verlauf nehmen können. Doch weil das Heimteam nach Bertschys frühem 1:0 auf weitere Tore verzichtete, kam es mit zunehmender Spieldauer immer stärker unter Druck. Der Lausanner Ausgleich kam dann zu einem Zeitpunkt, als sich die Gäste wohl schon langsam mit den Ferien auseinanderzusetzen begannen, 50 Sekunden vor Schluss, Huet hatte einem sechsten Feldspieler Platz gemacht.

Bührer leistete sich einen seltenen Abpraller, den Pesonen verwertete. Der SCB-Torhüter hatte so seinen Anteil daran, dass sein Team eine Extraschicht leisten musste – und brachte sich um seinen dritten Shutout der Serie. Das kümmerte ihn hinterher herzlich wenig, als er erstmals in diesem Playoff wieder den Medien Auskunft gab. «Ich hatte auch schon mal vier ­Shutouts in fünf Playoffspielen, gegen Zug», relativierte Bührer seine Leistungen in dieser Viertelfinalserie, in der er hohe 95,45 Prozent aller Schüsse abwehrte. «Mental waren die Spiele mit den wenigen Schüssen nicht so schwierig. Solange du keine Tore kassierst, baut dich das auf», sagte Bührer noch, auf dessen Tor die Lausanner pro Spiel nur 22 Mal geschossen hatten.

Gegen Davos mehr freies Eis

Bei ihm und seinen Kollegen hatten sich mit dem Sprint zum Siegtorschützen Joensuu die Feierlichkeiten so gut wie erschöpft. Die Berner gingen sogleich zum Alltag über, schliesslich soll eine Halb­finalqualifikation beim SCB nicht als grosse Errungenschaft zelebriert werden.

Das dürfte nach einem allfälligen ­Finaleinzug anders ausschauen, auch weil nun ein Gegner mit einem ganz ­anderen Renommee wartet: der HC Davos, eine der offensiv gefährlichsten Mannschaften der Liga. Entsprechend wird die Serie ­gegen die Bündner eine ganz andere ­werden. «Wir müssen uns spielerisch und bezüglich Torproduktion steigern, wenn wir gegen den HCD weiterkommen ­wollen», stellte Martin Plüss klar.

Schon Minuten nach Spielende stand der Routinier mit der Analyse bereit, wie sich die Serie gegen Davos entwickeln dürfte: «Es wird sicher mehr freies Eis geben. Sie wollen ein Spiel, das hin und her geht. Darauf dürfen wir uns nicht einlassen.»

Die Rollen werden in diesem Duell klar verteilt sein: Hier die angriffigen ­Davoser mit ihrem blitzschnellen Konterspiel, da die weiterhin primär verteidigenden Berner. In die Richtung äusserte sich auch Torhüter Bührer: «Die Davoser werden offensiv viel mehr probieren, viel mehr Zug aufs Tor entwickeln, das sind Welten zu Lausanne. Aber wir müssen gegen sie gleich gut ­defensiv spielen.» Die Analyse hätte auch von Trainer Boucher kommen können, so sehr haben die Spieler die Philosophie des Chefs mittlerweile verinnerlicht.

Das Versprechen von Plüss

Die Herausforderung des Frankokanadiers besteht nun darin, sein Team bis morgen auf diesen ganz anders agierenden Gegner einzustellen. Dabei wird das gesprochene Wort zentral sein, da nur heute Montag ein echtes Training möglich wäre – wobei während des Playoffs auch solche Termine primär ­regenerativen Charakter haben. «Es wird enorm wichtig sein, dass wir am Dienstag gleich wieder bereit sind und nicht glauben, langsam in die Serie hineinzukommen», sagte Plüss. Es dürfte sich also schon am Dienstag (20.15 Uhr) lohnen, in die Postfinance-Arena zu ­gehen, verspricht doch der Assistenzcaptain: «Für die Zuschauer wird es ­sicher interessanter werden.»

Der Bund

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt