Ende gut, sonst fast nichts

Kloten schaffte den Klassenerhalt und braucht dringend frisches Blut.

Das Ende einer enttäuschenden Saison: Die Kloten Flyers bedanken sich bei ihrem Anhang.

Das Ende einer enttäuschenden Saison: Die Kloten Flyers bedanken sich bei ihrem Anhang.

(Bild: Keystone)

Philipp Muschg@tagesanzeiger

Operation gelungen, Patient tot. ­Vielleicht kommt man mit makabren Vergleichen einer Klotener Saison am nächsten, die mit Aufbruchsstimmung begann und auf Rang 10 endete. Ja, die Operation Abstiegsverhinderung gelang gestern mit einem 4:0 über die Lakers. Doch dass die Flyers am Tag nach dem Klassenerhalt einen besonders lebendigen Eindruck machen, kann man getrost verneinen.

Denn die Siege zum Saisonende kamen ja erst in der Platzierungsrunde beim Versuch, den Fall ins Playout und noch Schlimmeres zu verhindern. Die Gegner hiessen zweimal Ambri und Rapperswil-Jona. Es sind die einzigen Teams, die noch schlechter waren als Kloten. Wer die Flyers anhand dieser drei Spiele, dieser 10:1 Tore beurteilt, wird dieser debakulösen Saison nicht gerecht. Und mindert die Gefahr, dass sie sich wiederholt, kein bisschen.

Denn es gab ja zwei rote Fäden in Kloten diese Saison: Verletzungen und Probleme im Abschluss. Die beiden Fäden sind nicht einfach weg, weil die Flyers morgen ihren letzten Auftritt haben. Und sie sind eng verknüpft.

Denn Trainer Sean Simpson mag darauf verweisen, dass der Ausfall von Goalie Gerber fatal war, dass Kloten Verletzungspech hatte. Doch das war in früheren Jahren gar nicht so anders, das kennen andere Clubs ebenfalls – und das ist auch keine Überraschung, wenn der Goalie 40-jährig ist und die meisten Leistungsträger über 30.

Seit vier Jahren geht die Torproduktion der Flyers nun zurück, und nächsten Herbst verfügen sie mit Hollenstein und Bieber bloss noch über zwei Schweizer im besten Stürmeralter zwischen 22 und 29.

Simpsons Herausforderung

In seiner Rolle als Sportchef ist Simpson also gefordert. Leider will er sich zu Personalfragen in den nächsten Wochen nicht äussern. Doch er wird wissen, dass es seinem Team an kreativen Verteidigern ebenso mangelt wie an Skorern. Der bisher einzige Transfer ist Ersatzgoalie Boltshauser vom ZSC.

Da der Markt für Schweizer fast leer ist, ist Verstärkung eigentlich nur noch bei den Ausländern möglich. Und verstärken muss Simpson: weil das bestehende Personal enttäuschte; weil es überaltert ist. Und nicht zuletzt, weil es unbedingt ein Signal des Neuanfangs braucht.

Das mag leichter gesagt sein als getan. Denn DuPont, Vandermeer und Santala sind zwar im Schnitt über 35, haben aber alle einen weiterlaufenden Vertrag – und Präsident Philippe Gaydoul will die Kosten ja senken. Doch die können kein Hindernis sein bei einem Club, der wie kein anderer mit seinem schwerreichen Besitzer verbunden ist.

Die Lektion, dass frühes Sparen später zu mehr Kosten führt, sollte Gaydoul gelernt haben in einer Saison, die er mit drei Ausländern begann und mit sechs beendete – auf dem drittletzten Platz und mit gut 9 Millionen Defizit. «Danke vielmal für eui Unterstützig!» – als sich das Team nach dem 4:0 mit einer Banderole beim Publikum bedankte, traf das beim Präsidenten wohl einen etwas anderen Nerv.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt