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Eine Kombination von Duracell und Sullivan

Martin Kariya ist eine neue Attraktion im Schweizer Eishockey und gastiert heute mit den SCL Tigers bei den Rapperswil-Jona Lakers.

Michel Zeiter denkt nach und sagt dann: «Nein, ich kenne keinen Spieler, der so schnell und so wendig ist.» Der ehemalige Löwenkönig hat wie die andern SCL Tigers die Arbeit auf dem Eis beendet. Es kreist nur noch einer in der Ilfishalle: Martin Kariya. Er absolviert vor und nach jedem Training das gleiche Ritual. Kein Wunder, nennen sie ihn im Klub «Duracell» nach der Batteriewerbung mit der unermüdlichen Figur, der die Energie nicht ausgeht. Er werde im Dorf schon erkannt, lacht Kariya - aber nur, weil er ein halber Japaner und nicht gerade ein Riese sei.

Trainer Christian Weber preist Seriosität, Ehrgeiz und Einstellung seines klein gewachsenen Kanadiers, der ein Vorbild für die Jugend sei. «Welcher Ausländer in dieser Liga sammelt am Ende des Trainings die Scheiben ein?», fragt er. Welcher andere Ausländer entschuldigt sich vor der ganzen Mannschaft, wenn er einen Fehler gemacht hat, der zu einem Gegentor führt, wie das Kariya gegen Davos passiert war?

Der 27-jährige Center hat Starpotenzial, kein Zweifel. Sein Stil, sein Speed und seine Intensität passen zu dieser Liga und machen ihn zu einer Attraktion. Im Tal der Tiger vergleicht man ihn bereits mit dem eleganten «Kufentier» Peter Sullivan, der Anfang der 80er-Jahre die Massen begeisterte. Dazwischen kamen und gingen einige Haudegen und wilde Figuren, mit denen die SCL Tigers in den letzten zehn Jahren aber vergeblich den Sprung ins Playoff anvisierten.

Durchbruch in Finnland

Kariya findet das Emmental und Langnau als (geografisches) Herz der Schweiz «fabulous» (sagenhaft), die Eishockeytradition beeindruckend. Er hat trotz seiner relativen Jugend schon einiges von der Welt gesehen und in Japan, Norwegen, Finnland und der American Hockey League gespielt. Die Ausbildung machte er in vier Jahren auf der University of Maine - so wie seine beiden älteren Brüder Paul und Steve. Die Kariyas sind eine Eishockey-Familie mit dem Sommersitz in Vancouver. Paul Kariya (34), der Berühmteste und Beste des Trios, war das Aushängeschild der Anaheim Mighty Ducks und stürmt heute im Herbst seiner Karriere in St. Louis. Steve (31) war zuletzt ein Flügel von Martin Plüss bei Frölunda, mittlerweile hat er zu Hämeenlinna gewechselt, behält aber auch die Schweiz im Auge.

Für Martin Kariya brachte die vorletzte Saison den Durchbruch. Er war beim finnischen Spitzenklub Espoo Topskorer der Liga und wurde zum zweitbesten Spieler in Finnland gewählt - hinter Verteidiger Cory Murphy, dem ehemaligen Gottéron-Profi. Kariya unterzeichnete früh einen Vertrag bei den ZSC Lions, die über den damaligen Transferberater Jim Koleff auf ihn aufmerksam geworden waren. Der Kontrakt wurde dann allerdings nichtig, als ihn der Coach der St. Louis Blues, Andy Murray, überredete, seine NHL-Chance doch noch zu suchen und ihn auch auf Pikett mit zur WM nach Moskau nahm.

Kein Spieler für die AHL

Kariya wurde vor einem Jahr nach der Vorbereitung bei den Blues als letzter Spieler ins Farmteam nach Peoria (mit Jean-Guy Trudel oder Micki DuPont) relegiert. Die Möglichkeit zu einem Einsatz bei St. Louis erhielt er nicht, obwohl die Mannschaft im Laufe der Saison immer schwächer wurde. Er erkannte wie bei seinem ersten Versuch in der AHL nach dem College, dass er mit seiner Postur dort nichts verloren hat. «Nicht in einer Million Jahren» würde er eine Saison wie die letzte nochmals erleben wollen, sagt er heute.

Der Umweg war das Glück von Weber und den Langnauern. Wenn Kariya weiter im selben Rhythmus spielt wie in den ersten fünf Runden, wird er aber das Interesse der finanziell potenteren Schweizer Klubs wecken. Das haben die Tigers gerade letzten Sommer mit Josh Holden erlebt, der nach Zug wechselte.

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