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Ein veredeltes Silberteam für Sotschi

Welche WM-Medaillengewinner sind in Sotschi mit dabei und welche nicht? Das Olympiakader nimmt zwei Wochen vor der Bekanntgabe Konturen an.

Wen hat er auf dem Plan? Sean Simpson, Coach der Eishockey-Nationalmannschaft.
Wen hat er auf dem Plan? Sean Simpson, Coach der Eishockey-Nationalmannschaft.
Keystone

Nationalcoach Sean Simpson bekräftigte am Vierländerturnier in Arosa erneut, wie schwierig die Findung seines Olympiakaders sei. Dass alle noch Chancen hätten, selbst jene, die in diesem Winter gar nie aufgeboten worden seien, ehe er in zwei Wochen seine 25 Spieler für Sotschi benennt.

In seinem Kopf dürften sich die einzelnen Puzzleteile aber längst zu einem Bild zusammengefügt haben. Und auch wenn er es in Abrede stellt, geniessen die Silbergewinner vom Frühjahr einen Bonus. Schliesslich stimmte an der WM die Chemie auf dem Eis – und daneben. Es dürfte darum nur vereinzelte Änderungen geben, weil im Vergleich zu Stockholm mit Hiller, Streit, Sbisa und Brunner mindestens vier zusätzliche NHL-Spieler einen Platz beanspruchen. Fragezeichen gibt es von den Nordamerikanern bei Weber und Sven Bärtschi aus sportlichen, bei Sbisa und Brunner aus gesundheitlichen Gründen. Sbisa könnte nach der Heilung seiner Hand noch zwei Wochen Praxis sammeln. Brunners Knieverletzung, die er nach einem Check erlitt, stellte sich zwar als weniger gravierend heraus als zunächst befürchtet. Bei einer Pause von mindestens vier Wochen wird es dennoch eng mit dem Wiederaufbau.

In der Abwehr gelten die Klotener Blum und von Gunten als Wackelkandidaten, Grossmann verabschiedete sich mit seinen fehlerhaften Auftritten in Arosa bereits aus dem Konkurrenzkampf. Bezina, der für die WM noch hatte passen müssen, zeigte derweil seine beiden Gesichter – als gefürchteter Scharfschütze, aber auch als defensiver Hasardeur. Dieses Risiko müsste eigentlich zu einer Absage verleiten, aber Bezina gilt bei Simpson als geschätzte Leaderfigur. Vorne muss vor allem Bodenmann bangen, da Wick zuletzt gross aufspielte, während er selbst angeschlagen fehlte. Monnet, der zwar im WM-Team war, aber nie zum Einsatz kam, offenbarte physische Schwächen. Das reicht nicht gegen die massigen NHL-Verteidiger.

Ein bedeutsamer Entscheid steht bei der Benennung des Captains an. Seger verkörperte an der WM die Schweizer Erfolgsmischung aus Unbeschwertheit und Selbstsicherheit perfekt. Die Frage ist nun: Hat Simpson den Mut, Seger auch in Sotschi zum Captain zu machen? Streit, der diese Rolle in der Vergangenheit stets übernahm, wenn er dabei war, ist zweifellos der renommierteste Spieler. Der Berner kann mit seiner Aura aber auch einschüchtern und anecken. Zudem konnte er aufgrund seiner NHL-Karriere nicht die Beziehung zur neueren NLA-Generation aufbauen, wie Seger sie hat. Und wenn Streit als Captain erst aus Übersee dazustösst, nachdem das Team bereits eine Woche zusammen trainiert hat, könnte das zu atmosphärischen Störungen führen. Seger wäre deshalb die richtige Wahl.

Am 6. Januar wird Simpson fast alle Fragen mit seinem Aufgebot beantworten. Wechsel darf er bis zum Turnierauftakt am 12. Februar nur noch bei Verletzungen tätigen. Die Ausnahme: Weil die NHL-Spieler erst am 10. Februar anreisen, kann er für jeden von ihnen einen Platzhalter einsetzen. Schliesslich gilt es, ohne sie noch zwei Testspiele zu bestreiten. Das führt zur seltsamen Situation, dass einige zwar an der Eröffnungsfeier dabei sein werden, aber bei keinem Olympiamatch. Eine undankbare Aufgabe, die auch ein paar Silberhelden treffen dürfte.

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