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Die schnellsten Löwen der Schweiz

Die ZSC Lions haben das taktische Rezept gefunden, mit dem sie sich in der Halbfinalserie gegen das hartnäckige und physisch robuste Servette durchsetzen können.

Einen Tick schneller als die Genfer Adler: Patrik Bärtschi und die ZSC Lions setzen auf den Trumpf «Tempospiel».
Einen Tick schneller als die Genfer Adler: Patrik Bärtschi und die ZSC Lions setzen auf den Trumpf «Tempospiel».
Keystone

Nicht alle ZSC-Spieler stehen rund elfeinhalb Stunden nach dem Playoff-Einsatz gegen Servette während der freiwilligen Übungseinheit auf dem Eis der Kebo in Zürich-Nord. So pausiert am Mittwochvormittag Verteidiger Mathias Seger, der im letzten Drittel beim 6:2-Heimsieg gegen die Genfer nicht mehr zum Einsatz kam. Der Captain leidet offiziell an einer hartnäckigen Grippe. Allerdings: Während der Playoffs nimmt man es mit der Wahrheit der medizinischen Bulletins erfahrungsgemäss nicht so genau. Worunter der Routinier und Schweizer Rekordinternationale nun auch wirklich leidet – morgen Abend beim vierten Halbfinalduell in der Les-Vernets-Halle erwartet Personalchef Marc Crawford seinen Führungsspieler im Team zurück.

Das Tempo im Training ist erstaunlich hoch, zieht man die strapaziöse Meisterschaftsphase in Betracht. Crawford lässt seine Spieler den schnellen Abschluss mit anschliessenden Rebounds (Abprallern) üben. Das kommt nicht von ungefähr: Den Zürchern ist aufgefallen, dass Servettes Nationalgoalie Tobias Stephan nicht mehr so souverän auftritt wie noch in der Viertelfinalserie gegen Lugano und dass Stephans Vorderleute nicht so schnell reagieren, wie es ihr Boss Chris McSorley gerne sehen würde. Dass es schnell gehen muss im Eishockey, ist ohnehin ein taktisches Mittel des Qualifikationssiegers aus Oerlikon. «Wir spielen schon die ganze Saison so. Wir versuchen, mit Tempo jeden Gegner in Schwierigkeiten zu bringen oder zu überlisten», erklärt Flügel Patrik Bärtschi, einer der konstantesten Spieler des ZSC. In den Duellen zwei und drei hat sich gezeigt, dass das Tempospiel einer der Schlüssel zum Erfolg für die Lions gegen die physisch robuste, aber auch hüftsteife Abwehr von Servette ist. Generell werden Crawfords Spieler von Experten als die schnellsten Spieler, sprich Löwen, des Landes bezeichnet – zumindest auf dem Eis.

Den besten Match zeigen

Bärtschi ist nicht nur ein explosiver, schussgewaltiger Löwe mit Torinstinkt, er ist auch noch ein alter Playoff-Fuchs. Der 29-Jährige ist sich bewusst, dass die Best-of-7-Serie bei einer 2:1-Führung noch längstens nicht entschieden ist. «Wir dürfen das 6:2 von gestern nicht überbewerten. Der Puck lief auch für uns – genau so, wie er im ersten Duell gegen uns lief.» Im ersten Vergleich mit den Genfer Adlern bezog der ZSC eine 0:5-Heimklatsche, eine Ohrfeige, die vermutlich zur rechten Zeit kam.

Bärtschi rechnet in Partie Nummer vier mit einem stürmischen Gegner, getragen von einem fanatischen Publikum. Deshalb lautet das Rezept des Zürcher Stürmers: «Wir müssen bereit sein, den besten Match in dieser Serie zu zeigen. In dieser Serie ist es jetzt wie am Anfang, wir haben den Heimbonus zurückgeholt. Nun müssen wir die Leistung vom Dienstag bestätigen.»

Der Fokus von Crawford

Von entscheidender Bedeutung wird aus Sicht des ZSC sein, ob auch alle immer hundertprozentig bei der Sache sind und auch niemand Konzentrationsschwächen zeigt. Auf Irrtümer, wie sie mitunter Starvertediger Marc-André Bergeron passieren, kann Crawford ruhig verzichten. «Ein Spieler wie er gibt ungefähr 30 Pässe pro Spiel, da kann es auch einmal eine missglückte Aktion geben», nimmt der Headcoach seinen kanadischen Offensivverteidiger mit dem harten Schuss in Schutz. «Aber natürlich, wir versuchen, solche Fehler zu minimieren. Wir dürfen aber die vielen guten Dinge, die einer wie er während eines Matches zeigt, nicht ausser Acht lassen.»

Crawford hat keine grosse Lust, auf die jüngste Vergangenheit einzugehen. Diese Verhaltensweise kann während des Playoffs ohnehin in die Sackgasse führen. Deshalb richtet der ehemalige Stanley-Cup-Sieger den Blick nach vorne. Was den zu erwartenden Genfer Sturmlauf betrifft, so antwortet der Kanadier abgebrüht: «Servette ist ein gutes und starkes Team. Das hat man am Dienstag im ersten Drittel wieder gesehen. Aber wir richten unseren Fokus mehr auf unser Spiel, damit wir auch erfolgreich sein können.» Es ist eine Einstellung, die in den meisten Fällen zum Erfolg führt. Im Falle der schnellen ZSC Lions bedeutet der Erfolg konkret: den Titel holen.

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