Zum Hauptinhalt springen

Die grösste Gefahr für den SCB ist der SCB

Der ehemalige SCB-Trainer Larry Huras über den Beginn der Serie gegen Genf-Servette.

Der Kanadier war wurde mit dem SCB Meister.
Der Kanadier war wurde mit dem SCB Meister.
Manuel Zingg

Nach dem Tritt in den Allerwertesten, den die Mutzen den Genfern mit dem 7:0 verpasst hatten, war Craig Woodcroft mit der schwierigen Aufgabe konfrontiert, sein Team so vorzubereiten, dass es für Spiel 2 mental, emotional und körperlich bereit sein würde. Das ist kein Druckfehler, das ist Playoff-Realität.

Ein Match, der so eindeutig ausgeht, stellt die Coachs vor unterschiedliche Probleme. Beide mussten Herausforderungen meistern, damit die Mannschaften bereit waren, Spiel 2 zu rocken. Wenn die Differenz derart gross gewesen ist, kann es fast so schwierig sein, mit dem Erfolg umzugehen, wie mit dem Versagen. Die Servette-Spieler schämten sich für ihren ersten Auftritt und nahmen sich vor, vor ihrem Publikum ihre Anstrengungen zu verdoppeln. Doch Einsatz allein reicht nicht, ein Playoff-Spiel für sich zu entscheiden. Im Playoff ist entscheidend, fähig zu sein, die Emotionen zu kontrollieren und die Konzentration aufrechtzuerhalten – was auch immer passiert.

Vor Spiel 2 drohte dem SCB die grösste Gefahr vom . . . SCB! Bist du zu selbstbewusst, kann es vorkommen, dass du den Fokus verlierst. Doch im Playoff zählt nur der Sieg. Wichtig ist nur das Jetzt. Es geht darum, weder zu euphorisch noch zu niedergeschlagen zu sein. Der Schlüssel ist, im Moment zu bleiben. Fokus ist das Wichtigste, wenn es darum geht, Playoff-Partien zu gewinnen. Die Genfer mussten den Fokus nach der Ohrfeige zurückgewinnen, die Berner ihren erhalten respektive jenen an den Tag legen, den sie in den ersten 10 Minuten gezeigt hatten, als sie Servette zerquetschten. Die Genfer waren nicht bereit gewesen, mit der Spielweise des SCB in der Postfinance-Arena umzugehen.

Wie erwartet sahen wir am Dienstag ein anderes Genf. Der SCB nahm Druck vom Gaspedal – und schon erlebten wir einen richtigen Wettkampf. Die Genfer hatten Chancen, doch die Berner gingen mit ihren Möglichkeiten effizienter um. Das ist das Kennzeichen eines Champions. Coolness unter Druck ist eine direkte Folge davon, über viel Erfahrung zu verfügen und zu wissen, wie man mit schwierigen Situationen umgeht und trotz Widerstand die Taktik einhält.

Bern war im zweiten Spiel nicht in Bestform, Genf hätte sich mit etwas Glück früh im Match durchsetzen können. Servette schoss bis zur zweiten Pause mehr aufs Tor, doch im Eishockey gibt es keine Punktewertung und schon gar keinen Schönheitspreis. Du musst Tore schiessen, koste es, was es wolle.

Wagen sie es, Genoni anzugreifen?

Die Genfer müssen heute vor Leonardo Genoni eindeutig entschlossener agieren. Ich bin mir sicher, dass etliche Servette-Fans Woodcrofts Aufstellung infrage gestellt haben. Dominic Forget ist seit langem ein sehr guter Spieler, aber Servette ist Nick Spalings Team. Den emotionalen Anführer auf die Tribüne zu setzen, war ein grosses Risiko, das sich nicht auszahlte. Vielleicht müssten die Genfer eine Seite aus Julian Walkers Buch reissen, der in Match 1 der Serie Lugano - Gottéron Goalie Barry Brust zu Boden geworfen hatte – ohne dass ein Freiburger reagierte. Wenn dir ein hervorragender Goalie gegenübersteht, hilft es manchmal, den physischen Kontakt zu suchen, ihn zu schubsen.

Doch das grösste Problem der Genfer ist: Sie stehen nicht Gottéron, sondern Bern gegenüber. Sollten sie es wagen, Genoni zu attackieren, können sie sicher sein, dass mindestens fünf Spieler in schwarz-gelb-roten Dressen mit «fire and fury» über sie herfallen werden – entschuldigen Sie den Trumpismus! Auf zu Spiel 3. Bern hat Servette am Boden. Nun gilt es, den Genfern die Stiefel auf die Brust zu drücken. Doch die Mutzen sollten gewarnt sein, die Genfer werden keinen lautlosen Abgang machen. Ich erwarte einen ähnlichen Start wie am Samstag, nur wird Genf diesmal bereit sein. Das sollte es zumindest, sonst wird die Serie schnell vorbei sein.

Der KanadierLarry Huras (62)ist mit dem SC Bern, mit Lugano und mit den ZSC Lions Meister geworden.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch