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Der Wiedereinsteiger

Paul Ranger blieb während dreier Jahre dem Profisport fern. Bei den Flyers will er sich für ein längeres Engagement empfehlen.

Zweite Schweizer Station: Servette-Leihgabe Paul Ranger in neuer Klotener Umgebung. Foto: Reto Oeschger
Zweite Schweizer Station: Servette-Leihgabe Paul Ranger in neuer Klotener Umgebung. Foto: Reto Oeschger

7,9 Sekunden. So lange brauchte Paul Ranger am Sonntag, um im zweiten Spiel sein erstes Tor für Kloten zu erzielen. 7,9 Sekunden benötigte der Verteidiger, um hinter dem eigenen Gehäuse den Puck zu erobern, damit übers ganze Feld zu kurven und wie selbstverständlich das 2:0 gegen die Lakers zu erzielen.

Beschreiben aber kann der Kanadier diese Szene minutenlang. Wie er sich die Scheibe schnappte, wie er beschleunigte, wie er wusste, welche und wie viele Spieler ihn verfolgten, wie Anspielmöglichkeiten auftauchten und verschwanden, wie er erneut beschleunigte, wie ihm dabei eine Szene in den Sinn kam, die sich früher im Match ereignet hatte. Wie er den Goalie überlistete.

Ranger, 30 Jahre alt, 1,94 Meter gross, 95 Kilo schwer und ­Leihgabe von Servette, ist kein gewöhnlicher Eishockeyspieler. Nicht von seinem Talent her, das schon früh die Aufmerksamkeit der NHL erregte. Und schon gar nicht von seinem Wesen her, das ihn dazu verleitete, der besten Liga der Welt den Rücken zu kehren, als seine Karriere in voller Blüte stand.

Fischen und Trainings

Der Bruch kam aus heiterem Himmel. Kurz nachdem sich Ranger als bester Offensiv-Verteidiger der Tampa Bay Lightning etabliert hatte, verliess er das Team im Herbst 2009 – nach nur 8 Saisonspielen. Er war erst 25, eine Erklärung gab es bis heute nie, auch nicht von ihm selbst. Ehe er 2012 in der zweitklassigen AHL neuen Anlauf nahm, vergingen drei Jahre. Ehe er es 2013/14 bei Toronto wieder zum Stammspieler in der NHL schaffte, verging ein weiteres.

In dieser Zeit gewann Ranger die Freude am Leben zurück, die ihm zuvor abhandengekommen war. Er leitete Fischexkursionen im Golf von Mexiko, er trainierte das Juniorenteam seiner Heimatstadt Whitby, mit dem er prompt die Meisterschaft gewann.

Der Verlust der Leidenschaft, das Leben abseits des Profi­sports, das Zurückkämpfen in die NHL: All das hat Ranger ­geprägt. Wenn ihm etwas gefällt, merkt man das schnell: Wenn er vom Eishockey spricht, von seiner Arbeit als Juniorentrainer, von den ersten Erfahrungen mit Coach Sean Simpson in Kloten, von seinem Besuch im Angel­geschäft diese Woche.

Wenn er aber keine Lust hat, über etwas zu sprechen, verbirgt er das ebenso wenig. «Kein Kommentar», sagt er auf die Frage, ob er ein Tor wie am Sonntag auch im engen taktischen Korsett von Servette hätte schiessen können. Hat es ihn getroffen, dass man ihn an den Spengler-Cup nicht mitnahm? «Dazu möchte ich nichts sagen.» Läuft sein Vertrag in Genf wirklich noch bis 2016? «Das ist Sache des Managements.»

Bald Verlängerung?

Wie das Arbeitsverhältnis des Kanadiers mit Servette weitergeht, interessiert auch die Flyers. Nach den Zürcher Derbys morgen und am Dienstag endet mit der Sperre von Jim Vandermeer auch der Vertrag der Genfer Leihgabe. Auf die Frage, wie es ihm in Kloten gefalle, schwärmt Ranger. Kann er sich vorstellen, länger hier zu bleiben? «Wir werden ­sehen.» Wenn er allerdings weiter auftritt wie vergangenen Sonntag, könnten die nächsten zwei Derbys nicht seine letzten gewesen sein.

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