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«Der wahre SCB hat noch nicht gespielt»

John van Boxmeer coacht den SC Bern acht Wochen nach seinem Herzinfarkt mit dem gewohnten Engagement und Erfolg.

«Ich bin zufrieden damit, wie wir spielen und wo wir stehen», sagt Berns Coach John van Boxmeer. Sein Team hat mit der Qualifikation für die Champions League das erste Saisonziel erreicht. In der NLA verlor der Dauerfavorit aus der Bundesstadt nur eines der ersten sieben Spiele, vor der heutigen Partie gegen Meister ZSC ist er auf Rang zwei klassiert, nach Verlustpunkten sogar zuvorderst. Ein Berner Sololauf wie in der letztjährigen Qualifikation zeichnet sich allerdings noch nicht ab. «Wir mussten bisher um jeden Sieg kämpfen», sagt Van Boxmeer, «ob wir nun gegen Davos spielten oder gegen Biel.» Der Kanadier ist auch damit zufrieden.

Willkommener Widerstand

Denn sein Team war im Frühling wohl auch deshalb in der ersten Playoff-Runde gescheitert, weil es in der Qualifikation zu lange Zeit keine ernsthaften Herausforderungen zu meistern hatte. «Ein Team braucht Widerstand, sonst weiss es irgendwann nicht mehr, wo es steht», sagt Van Boxmeer. Dass die Berner erst gut, aber noch nicht übermächtig sind, «verdanken» sie auch dem Umstand, dass ihnen bisher stets drei bis vier Stammspieler wegen Verletzungen fehlten. Captain Ivo Rüthemann und der diesjährige Startransfer Martin Plüss kamen noch keine Minute zum Einsatz. «Der wahre SCB hat noch nicht gespielt», sagt deshalb Van Boxmeer.

Dafür kamen ausgerechnet bei Bern mit seinem luxuriös besetzten Kader so viele Junioren zum Einsatz wie in keinem anderen NLA-Team. Van Boxmeer: «Wir haben hier vier der besten zehn Junioren der Schweiz, und wir müssen sie besser machen. Wir würden sie aber nicht einsetzen, wenn sie nicht auf NLA-Niveau spielen könnten.» Am Dienstag in Biel schoss der 19-jährige Pascal Berger das wegweisende 2:1. Van Boxmeer wäre in Bern am falschen Ort, wenn er sich in erster Linie als Ausbildner verstünde. Trotzdem lässt er durchblicken, dass er sich über die Fortschritte der Jungen besonders freut. «Sie sind wie Söhne. Es gehört zu meinen dankbarsten Aufgaben, etwas an sie weiterzugeben.»

Dass der 55-Jährige das überhaupt tun kann, ist nicht selbstverständlich. Denn es ist noch keine zwei Monate her, als er mit einem Herzinfarkt ins Spital eingeliefert wurde. «Ich fühle mich gut», so Boxmeer, «und mit jedem Tag ein bisschen besser.» Er muss aber täglich Medikamente nehmen und regelmässig zur ärztlichen Kontrolle, um seine Blutwerte stabil zu halten.

«Zwischendurch brauche ich Pausen»

Spurlos ist der gesundheitliche Rückschlag nicht an ihm vorbeigegangen. «Man möchte glauben, dass man wieder zu hundert Prozent fit ist. Aber nach einer Doppelrunde an einem Wochenende realisiert man, dass es nicht so ist.» Van Boxmeer ist etwas schlanker geworden, aber ansonsten von aussen kaum vom Bandengeneral der letzten zwei Jahre zu unterscheiden. Wie eh und je kann er auch schon mal wegen einer Strafe minutenlang mit hochrotem Kopf auf den Schiedsrichter einreden. «Bei der Arbeit bin ich mit dem gleichen Engagement wie vorher», sagt der Kanadier. «Aber zwischendurch brauche ich mehr Ruhe und manchmal eine Pause. Das kannte ich früher nicht.»

Viele Pausen hat der SCB-Coach in nächster Zeit allerdings nicht. Am Dienstag trifft Bern als erstes Schweizer Team auf einen NHL-Vertreter, die New York Rangers - ein Spiel, bei dem für Van Boxmeer der Spass im Vordergrund steht. Und in der Woche darauf beginnt das neue Abenteuer Champions Hockey League. «Diese Partien haben für uns einen höheren Stellenwert als jene in der NLA-Qualifikation», so Van Boxmeer. «Und sie sind eine gute Abwechslung, wenn der Meisterschaftsalltag langweilig wird.» So weit ist es dieses Jahr aber noch nicht.

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