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Der SCB und die Launen des Novembers

Der SC Bern verliert erst zum zweiten Mal in den letzten sechs Jahren ein Heimspiel gegen Ambri-Piotta. Die Gäste reüssieren gegen uninspirierte Berner 3:2 nach Penaltyschiessen.

Jan Mursak spielt den Puck an Ambris Diego Kostner vorbei.
Jan Mursak spielt den Puck an Ambris Diego Kostner vorbei.
Christian Pfander
Jubel bei Bern  nach dem ersten Tor der Gastgeber.
Jubel bei Bern nach dem ersten Tor der Gastgeber.
Christian Pfander
Ausgerechnet  der Ex-SCB-Stürmer  Marco Müller bezwingt Leonardo Genoni schliesslich mit dem entscheidenden Penalty.
Ausgerechnet der Ex-SCB-Stürmer Marco Müller bezwingt Leonardo Genoni schliesslich mit dem entscheidenden Penalty.
Christian Pfander
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Wer am Freitag in die Postfinance-Arena ging, tat gut daran, dies mit bescheidenen Erwartungen zu tun. Es ist November, kalt, neblig, die Aufregung des Saisonstarts längst verflogen, das Playoff in weiter Ferne. Die Tabellenposition (Rang zwei) sorgt beim SC Bern für keinerlei Dringlichkeit.

Und die Mannschaft bot just drei Tage zuvor gegen Genf ein (seltenes) Spektakel, das nicht nur den Geschäftsführer Marc Lüthi in der Loge jubilieren liess. Zudem haftete der Partie gegen Ambri-Piotta das unsägliche Etikett «Pflichtaufgabe» an. Wo Pflicht draufsteht, kommt es selten zur Kür. Doch nicht einmal die Erfüllung der Pflicht gelang den Bernern. Sie verloren 2:3 nach Penaltyschiessen.

Ambri gilt ja gemeinhin als gern gesehener Gast in Bern. Wer sich als Underdog trotz massiven Standortnachteils (Stichwort: strukturschwache Leventina) seit Jahren in der Liga behauptet, kann ausser im Sottoceneri nirgendwo als Feindbild dienen. Zudem verlässt Ambri die Postfinance-Arena kaum einmal mit einem Erfolgserlebnis.

In den letzten sechs Jahren war den Leventinern bis gestern nur ein einziger Sieg geglückt: Im Dezember 2015 reüssierten sie 5:3, als beim SCB ein 16 Jahre alter Angreifer namens Nico Hischier seinen ersten NLA-Treffer erzielte. Den Pass gab Marco Müller – in Bern während Jahren Ergänzungsspieler, in Ambri zum Leader gereift.

Gestern führte Müller die Gäste als Captain an. Und er verwertete den entscheidenden Penalty. Im Spiel aber setzten andere die Akzente: etwa die Flügel Tristan Scherwey und Gregory Sciaroni. Das Duo kombinierte sich in der fünften Minute zum 1:0. Sciaroni zog wie von einem Zirkel gezogen seine Runde um das Ambri-Tor, auf den Querpass reagierte Scherwey schneller als Michael Ngoy und Jiri Novotny. Die beiden Berner blieben auffällig, sie stellten die mehrheitlich gut organisierten Gäste vor Probleme. Der Ertrag blieb aus: Im Mitteldrittel traf Scherwey den Pfosten, Sciaroni scheiterte aus idealer Position an Torhüter Benjamin Conz.

Die alte Leier im Powerplay

Ansonsten bot der SCB in der merklich kühler gewordenen Halle wenig Erwärmendes. Sehenswert war der Pass Mark Arcobellos zum zweiten Berner Treffer durch Andrew Ebbett. Zudem gefiel, wie Justin Krueger zweimal einen Ambri-Gegenstoss unterband. Überhaupt nicht auf Touren kommen die Berner in Überzahl. Das Powerplay ist zwar mit rund 20 Prozent Erfolgsquote das drittbeste in der Liga, doch der Schein trügt.

9 der 15 erzielten Tore in Überzahl gelangen den Bernern in zwei Begegnungen: 4 Ende Oktober gegen Gottéron, 5 am Dienstag gegen Genf. Es fehlt an Ideen, an Überraschendem. An der blauen Linie fehlen die Qualitäten des zum ZSC transferierten Maxim Noreau und von Ramon Untersander. Der Verteidiger hat nach seinem Comeback gegen Servette einen Rückfall erlitten.

Ambri agierte derweil einfach und effizient. Das reichte den Tessinern zu zwei Punkten. Die Zuschauer in Bern sahen zum ersten Mal in dieser Saison ein Penaltyschiessen. So war immerhin der Schluss ein bisschen spektakulär – wider die Launen des Novembers.

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