Zum Hauptinhalt springen

Der Erfolg verbietet Kritik

Die erfolgreiche Titelverteidigung gibt Trainer Kari Jalonen und Sportchef Alex Chatelain Recht. Wie nachhaltig ihre Arbeit wirklich ist, wird sich indes erst noch zeigen.

Den Kübel auf Anhieb geholt: Trainer Kari Jalonen.
Den Kübel auf Anhieb geholt: Trainer Kari Jalonen.
Ennio Leanza, Keystone

Was wäre Bern ohne den SC Bern? Während uns die Young Boys Jahr für Jahr Enttäuschungen bescheren, versöhnt uns der Eishockeyclub mit gleicher Regelmässigkeit. Zum zweiten Mal in Folge, zum dritten Mal innerhalb von fünf Jahren holt er den Schweizer-Meister-Titel. Das ist kein Zufall, sondern die Folge eines gut gepflegten und unbedingten Willens zum Erfolg.

Nicht dass der SCB ohne Turbulenzen auskommen würde. Im Gegenteil: Sie gehören sogar zur DNA des Clubs und äussern sich etwa in regem Wechsel bei den Trainern. Meistercoach Antti Törmänen musste in der Folgesaison gehen, Lars Leuenberger war im letzten Jahr gar ein Meistertrainer ohne Lohn. Aber was menschlich bitter war und ungerecht schien, hat sich sportlich für den Club als richtig erwiesen.

Der Finne Kari Jalonen brachte eine neue Leistungskultur mit. Seine unbestrittenen Qualifikationen und seine Autorität verhinderten den sogenannten Meister-Blues, unter dem satte Spieler nach einem grossen Erfolg zu leiden pflegen. Kein Spieler konnte sich auf alte Verdienste berufen, nur Leistung gab den Ausschlag, ob einer spielte oder nicht. Und so war es die ganze Saison über, als hätte der SCB seit zehn Jahren nichts mehr gewonnen. Ein psychologisches Lehrstück.

Natürlich fand Jalonen eine intakte Gruppe vor, in der sich die Fähigkeiten ideal ergänzten. Es ist in diesem Sinne der erste Titel, den Sportchef Alex Chatelain, seit eineinhalb Jahren im Amt, für sich verbuchen darf. Der Erfolg gibt beiden recht und verbietet jede Kritik. Ob sich rächen wird, dass Jalonen den jungen Spielern kein Vertrauen schenkt, und ob Chatelain seinen Leitwolf und Captain Martin Plüss eine Saison zu früh ziehen lässt, wird sich zeigen.

Die Berner dürfen sich uneingeschränkt über diesen Triumph freuen. Und sie sollten es tun. Denn die Wahrscheinlichkeit ist gering, dass es einen dritten Titel in Folge gibt. Im Eishockey sind die Kräfteverhältnisse zu ausgeglichen, als dass es einen Seriensieger geben könnte. Und auf YB ist kein Verlass. Ausser sie würden auf der anderen Strassenseite mal nachfragen, wie das geht mit dem unbedingten Willen zum Erfolg.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch