Der Coup der dezimierten Genfer

Obschon klar unterlegen, siegte Servette in Zürich dank Alexandre Picards Overtimetor mit 2:1.

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Simon Graf@SimonGraf1

Das Ende war kurz und schmerzhaft für die ZSC Lions. Ein Schuss D’Agostinis, Flüeler liess zur Seite abprallen, und dort verwertete der heranstürmende Picard zum 2:1. Flüeler war noch am fernen Pfosten und Bergeron zu spät, um seinen Gegenspieler am Schuss zu hindern. Und so fand ein Abend, den die Zürcher dominiert hatten, nach 78 Sekunden in der Overtime einen überraschenden Ausgang.

Servette hatte kräftemässig Mühe, das Tempo mitzugehen, es war dezimiert wegen einer Magen-Darmgrippe, und trotzdem schaffte es den Auswärtssieg, der in diesem Halbfinal entscheidend sein könnte. Denn der Heimvorteil ist zwischen diesen beiden Teams ausgeprägt – in den neun Duellen zuvor hatten stets die Gastgeber gewonnen. Am Dienstag müssen die ZSC Lions nun in Genf das 1:3 in der Serie verhindern – im Reizklima der Les-Vernets-Halle.

Viel hatten die Zürcher gestern nicht falsch gemacht, aber etwas Entscheidendes: Sie verpassten es, ihre Chancen zu verwerten. Und je länger, desto selbstbewusster trat Servette-Goalie Mayer auf. In Spiel 1 im Hallenstadion hatte er beim 2:5 noch mehrmals schlecht ausgesehen, diesmal war er der Stock, auf den sich sein angeschlagenes Team stützen konnte.

Als Mayer am Boden lag, schoss Shannon an die Latte

Die ZSC Lions schaffen es in diesem Playoff allerdings auch, den gegnerischen Goalie gut aussehen zu lassen. Im Viertelfinal war dies Rytz, der die zahlreichen ungenauen Schüsse fast immer abwehrte, nun ist es Mayer. Die goldene Chance zum Sieg präsentierte sich Shannon 20 Sekunden vor Ablauf der normalen Spielzeit, als Mayer am Boden lag – doch der Amerikaner traf nur die Latte.

Servette muss sich an diesem Abend aufs Nötigste beschränken, doch das genügte. Tom Pyatt hatte krank passen müssen, sein älterer Bruder Taylor musste seinen Comebackversuch in der 32. Minute abbrechen. Ein paar Spieler hatten sich gemäss Chris McSorley auf der Anreise im Bus übergeben müssen. Mit nur zwei Ausländern triumphierten die Genfer, und das dürfte ihnen viel Elan geben für den weiteren Verlauf der Serie. Wenn die Gebrüder Pyatt zurück sind, vielleicht auch bald Lombardi, kann diese Mannschaft ganz anders auftreten, auch wieder mit Forechecking spielen.

So heroisch der Coup aus Genfer Sicht ist, so weh dürfte diese Niederlage den ZSC Lions tun. Es war ein Abend, an dem für sie letztlich alles falsch lief. Zuerst platzte nach nur 39 Sekunden eine Birne unter dem Stadiondach, worauf die Glasabdeckung jenes Scheinwerfers zu bröckeln begann und eine 22-minütige Verzögerung nötig wurde. Und auch danach wurden die Zuschauer auf eine lange Geduldsprobe gestellt.

In der 28. Minute verpasste Roman Wick nach einem Zuspiel Bärtschis sogar das leere Tor. In der 42. Minute hatten die Zürcher dann schliesslich Grund zum Jubeln, als Malgin nach schönem Zuspiel Wicks das 1:0 gelang. Doch die Freude währte nur kurz. Übermotiviert, handelte sich Keller gleich im nächsten Angriff mit einem Beinstellen hinter dem gegnerischen Tor eine Strafe ein, die Rod nur 109 Sekunden nach Malgins Führungstor mit dem 1:1 bestrafte. Und ab da begann Servette am Sieg zu schnuppern.

ZSC Lions - Genève-Servette 1:2 (0:0, 0:0, 1:1, 0:1) n.V. 10'930 Zuschauer. - SR Massy/Wiegand, Fluri/Kaderli. - Tore: 42. (41:01) Malgin (Roman Wick, Seger) 1:0. 43. (42:50) Rod (Kast, Jeremy Wick/Ausschluss Keller) 1:1. 62. Picard (D'Agostini, Rubin) 1:2. - Strafen: 3mal 2 Minuten gegen den ZSC, 5mal 2 Minuten gegen Genève-Servette. - PostFinance-Topskorer: Roman Wick; D'Agostini. ZSC Lions: Flüeler; Blindenbacher, Geering; Seger, Siegenthaler; Tallinder, Bergeron; Schnyder; Bärtschi, Trachsler, Nilsson; Keller, Shannon, Roman Wick; Künzle, Schäppi, Senteler; Baltisberger, Malgin, Bastl; Neuenschwander. Genève-Servette:Mayer; Loeffel, Bezina; Vukovic, Iglesias; Antonietti, Mercier; Trutmann; Jeremy Wick, Romy, Taylor Pyatt; D'Agostini, Picard, Almond; Rubin, Kast, Rod; Traber, Jacquemet, Gerber; Douay. Bemerkungen: ZSC ohne Cunti, Stoffel, Fritsche (alle verletzt), Smith, Tabacek, Schlegel, Boltshauser (alle überzählig), Genève-Servette ohne Tom Pyatt (krank), Bays, Lombardi, Rivera, Marti (alle verletzt), Impose, Dupertuis (beide überzählig), Ranger (nicht im Aufgebot). 25-minütiger Unterbruch nach 39 Sekunden Spielzeit wegen einer defekten Lampe an der Hallendecke. 60. (59:42) Lattenschuss von Shannon.

SonntagsZeitung

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